Make your own free website on Tripod.com

Copyright:  Gerd Rasquin  -  März 2010, aktualisiert im August 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

Derby-Lichtspiele

 

Seit November 1934 gab es in einem von der Straße nicht einsehbaren großen Gebäude mit Spitzdach, das parallel zur Häuserfront am Bauerberg Nr. 2, 4 und 6 lag, das erste Kino Horns. Man betrat es rechts am Haus Nr. 2 durch eine große Tür und überdachtem Gang. Bis dato hatte das Gebäude dem Grundeigentümer Hoops als zweiter Festsaal seines Gasthofs gedient, den Kinobetreiber Fritz Rose nun mit 420 Sitzplätzen ausstatten ließ. Die schon vorhandene Bühne war mit 8 qm allerdings etwas zu klein für einige artistische Darbietungen im seinerzeit üblichen Vorprogramm. Die "Derby-Lichtspiele" waren von Anfang an beliebt. Sonntags gab es für drei Groschen auch immer ein Kinderprogramm, wie Heinz Starke (Jahrgang 1929) aus der Jedermanngruppe des Horner TV berichten konnte. Am 28. Juli 1943 vernichteten Brandbomben das gesamte Areal. Erst 1949 wurden in der Aula der benachbarten Pachthofschule wieder Filme gezeigt.

 

Unter Leitung des Architekten Richard Fromm war auf den Grundmauern des im Krieg zerstörten Hauptgebäudes des historischen Großen Pachthofs ein Gebäude entstanden, das dem ehemaligen stilistisch ähneln sollte. Es waren Horns zweite "Derby-Lichtspiele", am 7. Dezember 1951 mit dem Spielfilm "Mutter sein dagegen sehr" feierlich eröffnet. Theaterbesitzer Fritz Rose wurde an diesem Tag zum Ehrenmitglied des Landesverbandes Hamburg ernannt.

 

In ihrem neuen "DELI" haben die Menschen der Nachkriegszeit geweint und gelacht. Hier entstanden Sehnsüchte nach einer heilen Welt und "Bella Italia". Bei den Jüngsten beliebt war die allsonntägliche Kindervorstellung. 50 Pf. kostete der Eintritt, doch manchmal stand auch "Ausverkauft" an den beiden Eingangstüren. Nach dem Kino ging’s schnell noch ein paar Meter Richtung Horner Landstraße, wo links das Eis-Café "Onkel Otto" lag. Einen Groschen bezahlte man damals für die Kugel, doch die Auswahl war noch bescheiden: Vanille, Zitrone, Erdbeere, Nuss oder Schokolade.

 

Mit Ausbreitung des Fernsehens begann Ende der 1950er Jahre das "Kinosterben". Als 1963 mit dem ZDF noch ein weiteres TV-Programm hinzukam, wurde es für die Kinos in Wohngebieten immer bedrohlicher, denn diese sogenannten Nachspieltheater konnten Filme erst dann leihen, wenn sie für die Premierentheater in der City unrentabel geworden waren. Anfang der 1960er Jahre begann auch die Zeit der Supermarkt- und Warenhausketten. Da diese kapitalstarken Firmen ähnliche Ansprüche an die Architektur stellten wie Lichtspielhäuser, überboten sie einfach die Pachtpreise der Kinobetreiber.

 

Am 30. April 1964 liefen im "Deli" die letzten Filme: Um 13:30 Uhr im Kinderprogramm "Der goldene Falke" und um 20:30 Uhr die us-amerikanische Kriminalkomödie "Charade". Später ließ die Supermarktkette "Safeway" das Kino zu einer Filiale umbauen, die anfangs noch unter dem Namen "Big Bär" lief. Es folgten die Lebensmittelketten "BOLLE" und seit 1999 "Penny-Markt".

 

 

Anmerkung: Die Spielfilme "Tabarin" und "Ich kann nicht länger schweigen" liefen vom 8.–11. August 1958 bzw. 10.–13. Juli 1962.

 

 


Rio

 

Auf dem Grundeigentum der Witwe Frieda Schnack war 1957 ein einstöckiges Geschäftsgebäude nebst großem Saal mit 680 Sitzplätzen nach Plänen der Architekten "Sottorf & Richter" entstanden. Bereits am 1. August konnte Johannes Betzel sein neues Kino mit dem im selben Jahr gedrehten deutschen Spielfilm "Das Mädchen ohne Pyjama" feierlich eröffnen. Besonderheiten waren die Cinemascope-Leinwand und der künstlerisch gestaltete Bühnenvorhang mit einer Luftansicht von Rio de Janeiro. Immer wenn die Glühlämpchen auf diesem Vorhang heruntergedimmt wurden, begann das Programm. Schon 1962 aber fiel das "Rio" dem sogenannten "Kinosterben" zum Opfer. Nach der Abendvorstellung des italienisch-französischen Spielfilms "Jessica" am 12. August schloss das hübsche Kino für immer. Wie bei allen Lichtspielhäusern waren die großen Säle aber bestens geeignet für die sich immer mehr breitmachenden Supermärkte. So eröffnete hier 1964 die Berliner Meierei "Bolle" eine Filiale ihrer Lebensmittelkette. Zum Schluss befand sich seit 2006 in den Räumen des ehemaligen Kinos ein "Fegro-Markt", der vornehmlich russische Lebensmittel anbot.

Neben dem Kinoeingang gab es drei Ladenbereiche. Links zog das Fachgeschäft "Radio Baule" ein, rechts bot Fritz Schlüter Textilwaren an, und neben ihm eröffnete Gastwirt Herbert Erler sein Lokal "Rio-Eck".

Im Januar 2012 wurde der Gesamtkomplex abgebrochen, um ein vierstöckiges Gebäude mit 46 Mietwohnungen errichten zu können, das 2013 bezugsfertig wurde.

 

Anmerkung: Die "Filmtheaterbetriebe GmbH Johannes Betzel" besaßen schon vor dem "RIO" zahlreiche Kinos, wie z.B. das "AKI" (Aktualitäten-Kino am Hauptbahnhof) oder "HOLI" (Hochhaus Lichtspiele in der Schlankreye Nr. 69). Nach dem Krieg war Betzel zu einer bekannten Persönlichkeit der deutschen Kinolandschaft geworden, saß sogar im Preisgericht der "Berlinale 1951".