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Copyright:  Gerd Rasquin - November 2008

 

Die Franzosen kommen (Textgrafik)

 

 

Am 14. Oktober 1806, wurde die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt ausgefochten. Sie endete für Preußen in einem Debakel. Bereits die von Napoléon Bonaparte erzwungene Abdankung des Kaisers Franz II. im August hatte zur Auflösung des „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ geführt, das 844 Jahre lang bestand. Der Weg war nun frei für die Besetzung der Hansestädte, vor allem Hamburgs, als wichtigsten europäischen Umschlagplatz britischer Waren.

 

Am 18. November 1806 schrieb der französische Marschall Édouard Adolphe Mortier aus Bergedorf einen ebenso höflichen wie entschiedenen Brief an den Senat, dass er im Auftrage seines Kaisers die Stadt in Besitz nehmen und auf strenge Mannszucht halten werde. Hamburg war seinerzeit eine kaum befestigte, ja eher offene Stadt. An Widerstand war also nicht zu denken.

 

Am Nachmittag des 19. Novembers kletterte die kleine Henriette Duncker schnell auf die Fensterbank, um hinüber zur Landstraße zu schauen, wo gerade 2.600 Soldaten, vorwiegend Italiener und Holländer, mit Musik und fliegenden Fahnen stadteinwärts marschierten. Ihr Weg hatte sie über die Blaue Brücke nach Horn geführt. Noch am selben Tag besetzten sie die Freie Reichsstadt Hamburg. „Jette“ Duncker, am 14. Oktober 1806 gerade sechs Jahre alt geworden, erinnerte sich später, dass ihr Vater Johann Wilhelm „wie ein Unwetter im Hause herumging“. Dem reichen Kaufmann stand wohl schon der Ruin seiner stolzen Stadt vor Augen. Er hasste die Franzosen, liebte auch ihre Sprache nicht, obwohl er sie gut beherrschte.

 

Bereits zwei Tage nach der Einnahme Hamburgs wurde die Kontinentalsperre gegen England verhängt. Jeglicher Handel mit dem Feind Frankreichs war jetzt streng untersagt, was über dreihundert im Hafen liegende Segelschiffe jahrelang zur Untätigkeit verdammte. Auch die Wirtschaft kam weitgehend zum Erliegen, weil das produzierende Gewerbe nicht mehr die nötigen Rohstoffe erhielt. So waren viele Hamburger über Nacht arbeitslos geworden und bald zu arm, um besteuert zu werden. Deshalb ließen die Franzosen Listen von noch vermögenden Familien anfertigen. Die Versorgung der Einquartierten führte auch bei allen Horner Hausbesitzern zu großen finanziellen Belastungen, denn sieben lange Jahre sollte dieser Zustand andauern!

 

Das große Landhaus* der Familie Duncker wurde im August 1807 zum Quartier für spanische Soldaten, die Napoléon zwangsrekrutiert hatte. Außerdem wohnte der holländische Oberst Strom de Grave im Haus. Alle waren nett zu den Kindern der Familie. Hier erlebten die Spanier ihre ersten Winterfreuden. Zum ersten Mal in ihrem Leben sahen sie Schneeflocken und einen zugefrorenen großen Gartenteich. Schon im März 1808 aber verließ das spanische Armeekorps Hamburg und rückte nach Jütland vor, um Dänemark gegen Schweden und England zu helfen.

*es lag bis zur Zerstörung im Krieg schräg gegenüber der Pagenfelder Straße, am Südrand des heutigen Kinderspielplatzes.

 

 

Franzosenzeit

 


Horn-Chronik (Link)