Copyright: Gerd Rasquin - 22. Oktober
2009


Früher
vermutete man in diesem kleinen Gewässer ein Überbleibsel der letzten Eiszeit,
doch die hatte auf der Geest keine Senken hinterlassen. Nachdem die Gletscher auf
der Linie Rahlstedt-Stemwarde-Grande zum Stehen gekommen waren, schmolzen sie
vor etwa elftausend Jahren ab und hinterließen bis zum Rande des
Elbe-Urstromtals ein ebenes, ewig feuchtes Gebiet. Auf der Geest muss man
selbst heute noch nur einen Meter tief graben, um auf feinen weißen Sand zu
stoßen, wie man ihn an der Ostsee findet.
Wenn der
Teich weder auf der Flurkarte von 1751 noch auf der Varendorf’schen
Karte von 1796 zu sehen ist, wohl jedoch auf der Dorfkarte von 1826 (dort als Dorfeigentum
bezeichnet), dann stammt er also aus jenen dreißig Jahren. Seit 1780 bestand
das dortige Gebiet nämlich aus zahlreichen Flurstücken, die seinerzeit an
verschiedene Landwirte, vor allem aber an das Heiliggeist-Hospital verlost
worden waren. Damit sich das Wasser ihrer feuchten Felder sammeln konnte,
ließen sie Erdreich ausheben. Bald war eine große Kuhle entstanden, die sich
schnell mit Wasser füllte und im Dorf nur noch als „Moor“ bezeichnet wurde.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts
hatte der Horner Bürgerverein mehrmals auf die Notwendigkeit einer Badeanstalt
in Horn hingewiesen, doch alle Gesuche an die Bau-Deputation blieben erfolglos.
Um wenigstens etwas zu erreichen, wurde am 2. März 1901 beschlossen, die
Trennung der Bereiche für Schwimmer und Nichtschwimmer zu beantragen. Außerdem
schlug man vor, einen Veteranen (Pensionär) zu bestellen, der für Sauberkeit
und Ordnung sorgen sollte.
Im Jahre 1908 wurde aus der westlichen Hälfte des Moorteichs dann eine
Badeanstalt mit offener Umkleidehalle. Schon im ersten Sommer kamen 91.000
Badegäste. Leider durfte im Winter nicht Schlittschuh gelaufen werden, weil der
See verpachtet war und von Brauereien etc. abgeeist wurde. Diese billige
Eisgewinnung war noch bis in die 1930er Jahre üblich.
Schulrektor Ewert berichtet dem Horner Bürgerverein auf dessen Sitzung am
27. Mai 1910, dass Frauen im Moor vorläufig nicht baden dürften. Auch junge Leute bleiben
ausgeschlossen. Schwimmen lernen sollen hier nur Knaben.
Im Jahre 1911 erhielt die kleine Zufahrtstraße zum Horner Moor Kopfsteinpflaster
und noch im selben Jahr hob man den an der Westseite verlaufenden "Weg
75" auf. Gleichzeitig bekam der Badeplatz Betriebsräume, eine Futtermauer,
überdachte Planke sowie einen Laufsteg mit kleinem Aussichtsturm, der den
Nichtschwimmerbereich vom Schwimmerbereich teilte. Im Sommer 1914 gab's dann
sogar noch ein Drei-Meter-Sprungbrett, das sich auf einem Schwimmponton am
Rande des Schwimmerbereichs befand.
Kurz vor Ausbruch
des Ersten Weltkriegs kamen im Sommer 1914 noch 168.800 Badegäste, in den
Jahren danach nur jährlich etwa 66.000. Im Jahre 1920 zählte man bereits wieder
220.800 Besucher, davon 192.900 männliche und 27.900 weibliche.
Die steigende
Besucherzahl muss wohl den geschäftstüchtigen Heinrich Friedrich Wilhelm
Beyerbach (Jahrgang 1887) aus dem Hermannsthal 67 auf die Idee gebracht haben,
neben dem Badeplatz einen kleinen Verkaufsstand zu errichten. Er holte sich vom
Grundeigentümer Jacob Wilhelm Krogmann die Genehmigung, und so entstand im Mai
1919 für 1.400 Mark ein 5 x 3,50 Meter großes Häuschen mit rotem Ziegeldach,
brauner Verschalung, grünen Ständern und weißen Fenstern. Beyerbach nannte es
"Trinkhalle und Verkaufspavillon". An warmen Sommertagen war dieses
gemütliche Plätzchen nicht nur bei den vielen Badegästen beliebt. 1921 durfte
der Gärtner Emil Bressel ein 10 x 6 Meter großes Haus an die Trinkhalle
anbauen. Es diente als Notwohnung und Lagerraum. Im Jahr darauf ließ Beyerbach
noch zwei Räume zu Wohnzwecken anbauen und das gesamte Objekt von der
Baupolizeibehörde als provisorisches Wohnhaus genehmigen. Im März 1926 wurde
für 1.500 Mark eine 4 x 4 Meter große Gaststube angebaut. "Zum kleinen
Kurhaus" hieß nun das Sommerlokal. Sogar eine Postkarte ließ der Wirt
herstellen.
Seinerzeit
wurde noch getrennt gebadet. Immer im täglichen Wechsel war morgens für
männlichen und nachmittags für die weiblichen Badegäste geöffnet. Nur sonntags
durfte die ganze Familie baden! Öffentlich und auf Karten hieß es übrigens
immer "Badeplatz Horner Moor". Die Bezeichnung
"Badeanstalt" setzte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch.

In den 1950er
Jahren erlebte das "Horner Moor" noch einmal eine Blütezeit. Viele schöne
Sommer und ein kinderreiches großes Einzugsgebiet sorgten an heißen Tagen für
lange Schlangen vor dem Kassenhäuschen.
Hygienisch
gesehen war das Wasser von bester Qualität. Dafür sorgten tausende von
"Moorlieschen", kleine Fische, die sich gierig auf jeden Tropfen
stürzten, der so manchem entrann. Das Moor war früher für Angler interessant,
heute jedoch gehen fast nur noch die grätenreichen kleinen Rotaugen an den
Haken. Sie sind zwar gute Köderfische, doch Hechte sind selten geworden. Werner
Badenschier (Jahrgang 1917), der im Hermannstal seine Kindheit verbrachte,
erinnert sich an den Fang eines riesigen Aals. Der wurde anschließend jedoch
nicht verzehrt, sondern präpariert und hing dann jahrelang in der Gaststube des
Kleinen Kurhauses. Heute weiß niemand mehr, wo er geblieben ist. Vermutlich hat
ihn Wilhelm Beyerbach im September 1955 zum Alten Bauerberg Nr. 4 mitgenommen,
wo er in einem gerade neu erbauten Mehrfamilienhaus seinen Ruhestand genoss.
Hier war er umgeben von Erinnerungen an das alte Horn, denn er hatte in seinem
Leben vieles zusammengetragen.
Mitte der
1970er Jahre begann die Zeit der Erlebnisbäder, allen voran das Aschbergbad in
Hamm. Immer weniger Menschen zog es nun zum kühlen Moorwasser. Vor allem Kinder
blieben weg und an Wochenenden folglich auch die Familien. Kamen in der
Badesaison 1976 noch 24.500 Besucher, waren es im Jahre 1980 nur noch 7.100.
Grund genug, das Horner Moor als Badeanstalt für immer aufzugeben. Im April
1981 wurde die Schließung vom Bezirksamt genehmigt.
Nach Umbau
zur Parkanlage zeugt lediglich ein Teil der einstigen Umgrenzungsmauer vom
alten "Badeplatz Horner Moor" ...und natürlich der jetzt etwas
kleinere Natursee selber. Es ist immer noch schön hier!