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Copyright: Gerd Rasquin - Erstellt im September 1999, letztmalig bearbeitet im November 2017.

 

 

Horner Rennbahn (Textgrafik)

Wandsbecker Pferderennbahn 1835

Wandsbeker Rennbahn im Jahre 1841

 

Bereits seit dem Mittelalter wurden in Gebieten des heutigen Deutschlands Pferderennen abgehalten, doch meistens handelte es sich um sogenannte Feldumritte, höfische Rennen oder Privatveranstaltungen. Jährliche Pferderennen richtete erst der Rennverein Bad Doberan ab 1822 aus. Dann folgte Berlin, das am 18. Juni 1829 erste Rennen veranstaltete.

Pferderennen in unserem nordelbischen Raum fanden erstmals am 18. und 20. Juli 1835 auf den Feldern östlich des Wandsbeker Gehölzes statt (obige Lithografie von 1841). Die einstige Rennbahn muss man sich heute auf dem Areal der Douaumont-Kaserne am Holstenhofweg vorstellen. Die Tribünen fassten mehr als dreitausend Zuschauer. Mit den politischen Wirren um 1848 endete alles. Nur eine Rennbahnstraße erinnerte noch bis 1937 an die einstige Zeit. Nach dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 musste sie umbenannt werden und heißt noch heute "Bovestraße".

Anmerkung: Als Wandsbek, Altona, Bergedorf, Harburg etc. seit April 1937 zu Hamburg gehörten, mussten für alle Straßen selben Namens Lösungen gefunden werden, und es durfte folglich auch nur eine Rennbahnstraße geben. Verständlicherweise entschied man sich nicht für Wandsbek sondern Horn.

 

1852: Am 23. Februar gründeten einige Herren den "Hamburg-Lokstedter Renn-Club", hier fortan HRC geschrieben. Die Bahn in Lokstedt erwies sich aber gleich als zu klein, sodass man nach einem geeigneteren Areal suchen musste. Nachdem nun der Herzog von Schleswig-Holstein-Augustenburg 1854 einen beachtlichen Preis für das nächste Rennen ausgesetzt hatte, beeilten sich die verantwortlichen "Sportsmen". Unweit der alten Wandsbecker Rennbahn erwarb man am 25. April 1855 die nicht mehr genutzte Horner Gemeindeweide und ließ sie noch im Frühling zu einer Galopp-Rennbahn ausbauen. Diese besaß einen Umfang von 3.000 Ellen (1 Elle = 62,6 cm) und erhielt eine 150 Fuß (49,97 m) breite Bahn. Bereits am 27. Juli konnte die "Horner Renncoppel" eingeweiht werden, startete um 16 Uhr das erste Pferderennen. Auch tags darauf und am Sonntag fanden Rennen statt. Bestes Pferd war "Koh-i-noor" (Berg des Lichts), von Baron Biel in Zierow gezogen. Es erhielt einen Preis von 100 Louis d’or, ausgesetzt vom Herzog von Schleswig-Holstein-Augustenburg. Der Hengst hatte schon im Jahr zuvor das Unions-Rennen in Berlin gewonnen.

 

Einlass-Karte von 1855Derby im Jahre 1888

 

Für die ersten Renntage stand zwar schon eine bedeckte kleine Tribüne zur Verfügung, doch bis zu den Rennen im nächsten Jahr war eine repräsentativere fertig geworden. Für die Rennen 1873 hatte diese Holztribüne zwei baugleiche Flügel mit zusätzlich 1.824 Plätzen erhalten, wie auf der Lithografie der Derbytage von 1888 zu sehen. Anno 1856 war auch der Zeitpunkt gekommen, den Stadtteil Lokstedt aus dem Namen zu nehmen und sich umzubenennen in "Hamburger Renn-Club" (fortan HRC geschrieben). Ein Jahr später fand das erste "Große Hamburger Jagdrennen" statt. Es führte über 5.650 Meter. Drei Jahre hintereinander siegte Leutnant Passow mit der irischen Stute Jayne Eyre. Der sich traditionsreicher Rennen stets verpflichtet fühlende HRC, hat zu allen Zeiten an dieser bedeutenden Hindernisprüfung festgehalten, obwohl sich Titel und Distanzen im Laufe der Jahre oftmals änderten. Von 1926–1930 hieß es beispielsweise "Erinnerungs-Jagdrennen". Auch die Distanzen schwankten über die Jahre, lagen zwischen 5.650 und 4.000 Metern.

 

1862: Erstmals "Großes Hamburger Handicap", bei dem zwölf Pferde eine halbe Deutsche Meile (3.766 Meter) laufen mussten. Es siegte Eduard Moll's vierjähriger brauner Hengst "Guiding Star" unter Jockey Long.

 

Am 11. Juli 1869 fand das erste Norddeutsche Derby statt. Mit schönen Karossen, eleganten Equipagen (Kutschen) und in Kremsern* und fuhr man bei strahlend blauem Himmel nach Horn. Sieger wurde "Investment", geritten vom englischen Jockey W. Little. Im kleinen Feld von fünf Pferden wurde Rabulist Zweiter, dahinter kam Hamlet ins Ziel. Der Derbypreis betrug 1.400 Taler.

*Außerhalb der Stadttore Berlins wurde dem Fuhrunternehmer Simon Kremser im Jahre 1825 erlaubt, seine Pferdewagen für Stadtrundfahrten und Ausflüge einsetzen zu dürfen. Sie wurden bald überall "Kremser" genannt.

 

1870: Nachdem die Renntage immer mehr Volksfestcharakter bekamen ließ HRC-Gründungsmitglied Eduard Moll eine kleine Bretterbude aufstellen: Deutschlands erster Totalisator! Er wurde zur zusätzlichen Einnahmequelle für die Veranstalter, zumal seinerzeit Frühlings-, Sommer- und Herbstrennen stattfanden.

 

1873 hatte man die Tribüne um 1.824 Plätze erweitert und das alte Gebäude auf dem Sattelplatz durch ein neues aus Holz ersetzt. Für die Derbytage 1874 stellte man dann zusätzlich einen hölzernen Pavillon auf. Damen-Garderobe nebst "Closet" sowie ein Büfett waren hier untergebracht. Am 20. und 21. September fanden weitere Pferderennen statt.

 

1875 ließen die Verantwortlichen des Rennclubs am Weg nach Wandsbeck (später Rennbahnstraße Nr. 101) eine "Trainier-Anstalt" nebst Wohnhaus errichten. Das aus Erd- und Dachgeschoss bestehende Stallgebäude war 31,43 x 10,25 Meter groß und sieben Meter hoch. Im Erdgeschoss gab es 16 Pferdeboxen, im Dachgeschoss wurden Hafer und Stroh deponiert. Am 11. Juli fand das Deutsche Derby statt und erstmals am Morgen desselben Tages ein sich zur Tradition entwickelndes Ereignis: Das "Rennfrühstück" im kürzlich errichteten prächtigen Palais des derzeit reichsten Hamburger Kaufmanns Heinrich Jacob Bernhard von Ohlendorff. Es lag gleich nördlich des heutigen U-Bahnhofs "Burgstraße". Ohlendorff war dem Derby sehr verbunden, zwischen 1878 und 1919 sogar Vorstands- und Ehrenmitglied des Hamburger Renn-Clubs.

 

1877: Der "Große Hamburger Ausgleich" durfte sich "Jubiläums-Rennen" nennen, denn der HRC war 25 Jahre alt geworden.

 

1878: Das "Rennfrühstück" im Ohlendorff'schen Palais fand diesmal einen Tag vor dem Deutschen Derby statt. Grund dafür war der Besuch von Ulysses Simpson Grant, dem 18. Präsidenten der USA von 1869‒1877, der mit Ehefrau Julia auf Kurzbesuch in Hamburg weilte, nachdem er in Berlin Gespräche mit Kanzler Otto von Bismarck geführt hatte. Am 4. Juli, dem "Independence Day", hielt Grant im Ohlendorff'schen Palais vor dem Konsul und weiteren in der Hansestadt lebenden Amerikanern eine Rede. Die Grants übernachteten im Palais, doch weil sie schon am 6. Juli in Kopenhagen erwartet wurden und somit nicht am Tag darauf das Derby auf der Horner Rennbahn besuchen konnten, hatte Ohlendorff sein "Rennfrühstück" einfach um einen Tag vorverlegt. 

 

1880: Ein ungewöhnliches Rennpferd muss der in Dänemark gezogene Alexander gewesen sein, der an den drei Tagen des Meetings sowohl das "Große Hamburger Handicap" (3.800 m), das "Kleine Handicap" (2.000 m) als auch das "Gyldensteen-Handicap" (1.400 m) gewann. Das Rennen war auch für Pferde aus dem Ausland offen. Besonders erfolgreich waren die aus Österreich-Ungarn und Dänemark. Erst 1891 gewann mit dem Hengst Sienit erstmals ein Pferd aus deutscher Zucht.

 

1886: Unmittelbar südlich der alten Tribüne wurde am 13. Juli eine 32,50 Meter lange Holztribüne mit 554 Sitzplätzen fertiggestellt. Dieses in weniger als einem Monat auf massiven Unterpfeilern errichtete unbedachte Bauwerk kostete 3.000 Mark. Es wurde auch "Fußgänger-Tribüne" genannt, blieb allerdings nur wenige Jahre erhalten.

 

Der HRC hat in der langen Geschichte des Derbys manchen Zugriff auf diese Prüfung abwehren müssen. Schon in den 1880er Jahren gab es einflussreiche Leute, die das bedeutendste deutsche Zuchtrennen lieber in der Hauptstadt Berlin ausgetragen sehen wollten. Doch am Sonntag den 23. Juni 1889 fand in Hamburg zum 21. Mal ein Derby statt, von jetzt an "Deutsches Derby" genannt. Um diese Zeit hatte sich auch die Bezeichnung "Horner Rennbahn" durchgesetzt, auch wenn viele immer noch von der "Renncoppel" sprachen. Nach knapp vier Monaten Bauzeit war für 42.000 Mark auch rechtzeitig ein neues "Directions-Gebäude" mit Aussichtsplattform und Musik-Pavillon entstanden, wie auf dem Jahre später entstandenen Foto unten zu sehen. Neben dem Directions-Raum gab es noch jeweils einen für Jockeys, Trainer, Gentlemen, Waage, Casse, Presse, Post und Telegraphen sowie das Schiedsgericht. Für 20.000 Mark hatte man zudem ein neues Totalisator-Gebäude sowie ein Sattel- und Stallgebäude errichten lassen. Letztlich war noch ein provisorisches hölzernes Restaurationsgebäude entstanden, das man jedoch zwei Jahre später durch ein neues aus Eisenteilen ersetzte.

 

1892: Nachdem das Wettverbot in Deutschland aufgehoben worden war (Wetten galten zuvor als unmoralisch), entstand im Frühjahr für 25.840 Mark ein neues Totalisator-Gebäude aus Eisenteilen. Es wurde direkt neben dem alten erbaut und am 10. Juni fertig. Außerdem errichtete man für 9.000 Mark "Auszahlungscassen" aus Eisenfachwerk. Am 24. Juni begannen die Sommer-Rennen. Erstmalig wurde der "Große Hansa-Preis" ausgetragen, das bedeutende Pferderennen zum Auftakt der Derby-Woche. Es siegte das Pferd "Nickel" unter Jockey H. Barker.

 

1895: Der HRC ließ die Tribüne, auch "Schaubühne" genannt, umbauen.

 

1902: Im Rahmen der Derbywoche vom 15.‒23. Juni feierte der HRC sein 50-jähriges Bestehen mit einem "Jubiläums-Meeting". Am 19. Juni fanden vier Rennen statt: Das Jubiläums-Criterium (dotiert mit 40.000 Mark), das Jubiläums-Handicap (30.000 Mark), den Jubiläums-Preis (100.000 Mark) und das Jubiläums-Jagdrennen (30.000 Mark). Derbysieger am 22. Juni wurde MacDonald, geritten von Jockey Fred Taral.

 

Der Kaiser auf der Rennbahn

 

"Großer Hansa-Preis" am 17. Juni 1906: Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Johann Heinrich Burchard begrüßt Kaiser Wilhelm II.

 

1903: Am 14., 19, 21. und 22. Juni fanden insgesamt 21 Rennen statt. Erstmals besuchte auch Kaiser Wilhelm II. das Deutsche Derby am 21. Juni. Ob er an diesem Sonntag aber allein aus Liebe zum Pferdesport nach Hamburg kam darf wohl bezweifelt werden, denn Kaiser war er ja schon seit 15 Jahren. Warum sah man ihn nicht im Jahr zuvor beim "Jubiläums-Meeting", als der HRC sein 50-jähriges Bestehen feierte? Wilhelm II. war eben nicht so sehr dem Pferdesport, sondern vielmehr der Marine zugeneigt. Er verband den Derby-Besuch auch nur mit der Einweihung des Denkmals für seinen Großvater Wilhelm I. auf dem Hamburger Rathausmarkt am Tag zuvor. Allerdings hatte ihn die Atmosphäre auf der Horner Rennbahn wohl derart beeindruckt, dass er fortan alljährlich kam, nicht mehr zum Derby, sondern zur Eröffnung der Rennwoche, wenn der Große Hansa-Preis ausgetragen wurde. Im Jahre 1904 war es der 19. Juni. Seit 1907 fand am Tag des Hansa-Preises auch das "Kaiserin-Auguste-Viktoria-Jagdrennen" für Offiziere statt. Meist noch am selben Abend verließ der Kaiser auf seiner Yacht "Hohenzollern" die Hansestadt, um via Nord-Ostsee-Kanal zur "Kieler Woche" zu gelangen.

 

1906: Am 17. Juni schrieben die Hamburger Nachrichten u.a.: Seit langem ist es Tradition, daß Kaiser Wilhelm II. auf dem Wege zur Kieler Woche in der festlich geschmückten Hansestadt weilt, um teilzunehmen am großen Pferdesportereignis in Horn. Wie an allen Kaisertagen der letzten Jahre zogen am Sonntag Tausende und Abertausende zu der klassischen Rennbahn. Mit Mann und  Ross und Wagen marschierte halb Hamburg die Wandsbecker Chaussee entlang und fauchende Automoppels, klapprige Taxameter, elegante Equipagen und gelbe Käsewagen machten die bunteste Reihe. Weiß ist große Mode bei strahlendem Hohenzollernwetter. Der Kaiser, wie immer, in der Uniform der Königs-Ulanen.

 

1910: Nach der Derbywoche wurde die alte Tribüne von 1873 demontiert und ohne Dachaufsatz etwa siebzig Meter weiter südlich wieder aufgebaut.

 

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1912: Mit den Frühjahrsrennen am 28. April konnten die Neuanlagen auf der Horner Rennbahn eingeweiht werden. Dazu gehörte neben den beiden großen Tribünen aus Eisenbeton auch ein Tunnel unter dem Geläuf. Die Haupttribüne war 83 x 17 Meter groß und besaß 3.526 Plätze, davon 2.482 Sitzplätze. In jenem Jahr feierte der Hamburger Renn-Club sein 60-jähriges Bestehen.

 

1914: Am 21. Juni besuchte der Kaiser wieder den Großen Hansa-Preis. Tags zuvor war er zum Stapellauf der "Bismarck" nach Hamburg gekommen, dem seinerzeit weltgrößten Passagier-Dampfer. Beim Deutschen Galopp-Derby am 28. Juni, Wilhelm II. war schon in Kiel, bot die Horner Rennbahn wie immer ein glanzvolles Bild. Doch plötzlich war die freudige Stimmung wie weggeblasen. Voller Entsetzen hörte man die Nachricht von der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Frau in Sarajewo. Eine unheilvolle Vorahnung machte sich breit. Die Kapelle, die eben noch flotte Marschweisen intoniert hatte, verstummte. Selbst der Derbysieger Ariel ging ohne Tusch durchs Ziel. Alle verließen die Rennbahn schnell. Nur wenige Wochen später begann der Erste Weltkrieg.

 

Auch während der Kriegsjahre fanden Deutsche Derbys statt, nur der Kaiser hat sich hier nie wieder sehen lassen.

 

1919: Das Deutsche Derby fand in diesem Jahr nicht in Horn, sondern auf der Rennbahn Grunewald in Berlin statt. Zwischen 1920 und 1923 galoppierte in Horn auch die Inflation, zuletzt so schnell, dass man am Totalisator im Gewinnfall froh sein konnte, seinen Wetteinsatz wieder 'rausbekommen zu haben... Die unvorstellbar hohen Reparationsforderungen der Siegermächte gaben der "Weimarer Republik" keine Chance. Viele Damen der Gesellschaft trugen zwar immer noch große Hüte, die Bürger jedoch lebten mehr und mehr auf kleinem Fuß und unter den bald sechs Millionen Arbeitslosen gab es viele, die gern wieder einen Kaiser hätten. Sie brauchten nicht lange auf ihn zu warten...

 

Die Bomben des Zweiten Weltkriegs bedrohten und beschädigten auch die Horner Rennbahn. Da verlegte man das Derby kurzerhand vor die Tore Berlins nach "Hoppegarten", wo es 1943 und 1944 stattfand. Nach der Kapitulation im Mai 1945 fiel die Traditionsveranstaltung erstmals aus. Doch wer vom Pferd fällt, springt ganz schnell wieder in den Sattel: Im Jahre 1946 bereits bot sich München als Derbystadt an, 1947 Köln. Ein Jahr darauf erschien folgender Bericht:

„Auf Grund einer Überprüfung der Horner Rennbahn hat das Direktorium nunmehr die Abhaltung des Derby-Meetings in Hamburg genehmigt, da alle Voraussetzungen zu einem einwandfreien Verlauf der Rennen erfüllt sind. Nach einer, durch starke Kriegsschäden bedingten fünfjährigen Pause, wird das 79. Deutsche Derby wieder auf dem klassischen Boden des Horner Moores gelaufen werden. Die unermüdliche Arbeit der verantwortlichen Männer des HRC hat damit einen verdienten Lohn gefunden. In echt hanseatischer Großzügigkeit wurden alle Schwierigkeiten überwunden, zumal auch Stadt und Senat ­ an der Spitze der sportfreudige Bürgermeister Brauer ­ die Bestrebungen des Clubs nach Möglichkeit unterstützten und förderten. Die Horner Rennbahn entspricht wieder allen Anforderungen einer rennsportlichen Großveranstaltung. Das 25 Meter breite Geläuf befindet sich schon jetzt in dem aus früheren Jahren gewohnten tadellosen Zustand. Die Berieselungsanlage, Startmaschine und Zeitmessung sind wiederhergestellt. Das Waagegebäude sowie die erste und ein Teil der weiten Tribüne sind erfreulicherweise erhalten geblieben oder konnten bereits wieder für eine volle Ausnutzung hergestellt werden, sodass auch bei dem zu erwartenden Massenbesuch jeder eine gute Sicht haben möge­­. Ein großer Restaurationsbetrieb sowie zahlreiche Totalisatorkassen werden im Innenraum der Bahn in Zelten Platz finden. Die Jagdbahn ist gleichfalls wiederhergestellt und mit neuen Hindernissen versehen. Für die Unterbringung der Pferde und des Begleitpersonals stehen in Horn 129 Boxen zur Verfügung. Weitere hundert Pferde können gegebenenfalls in den Boxen der früheren Borsteler Rennbahn untergebracht werden...“

 

 

Ende Juli 1952 zog ich als kleiner Junge nach Horn in den gerade fertiggestellten großen Block an der Ecke Sievekingsallee/Rennbahnstraße. Jetzt begann "meine" Derbyzeit. Leider waren die Renntage jenes Jahres schon vorbei, aber dafür konnte ich 1953 die Premiere des bald berühmten Jockeys Hein Bollow auf seinem Pferd Allasch vom Gestüt Schlenderhan miterleben. Bollow siegte auch bei den Derbys von 1954, 1956 und 1962. Im Jahre 1953 berichtete erstmals das Fernsehen, denn den "Zauberspiegel" gab es im Nachkriegs-Deutschland erst seit Weihnachten 1952.

 

Aus der Gründerzeit des "HRC" steht heute kein Gebäude mehr. Nur die große Tribüne von 1912 und der Tunnel unter dem Geläuf sind noch Zeugen der Kaiserzeit. Die Tradition des Derbys in Hamburg soll fortgesetzt werden, trotz finanzieller und anderer Probleme der letzten Jahre. Somit wird der Stadtteil auch in Zukunft ein Begriff bleiben:

                    „Ach, aus Horn kommen Sie, da wo immer das Derby stattfindet?!“