Make your own free website on Tripod.com

­­­­Copyright:  Gerd Rasquin - November 2011

 

 

 

 

 

 

 

Wo der Rhiemsweg beginnt, bietet sich auch heute noch diese Ansicht einer 1893–1898 erbauten Häuserzeile.

 

 

Seit alten Zeiten führte dieser einst schmale Geesthangweg vom westlichen Dorfrand schräg hinauf zum Ackerland, dem Großen Kamp. Der Volksmund nannte ihn "Hohlerweg", ein seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch amtlicher Name. Erster Katen am Weg war das "Rauhe Haus", eine irgendwann im Dorf entstandene Bezeichnung. Es könnte ein Brinksitz gewesen sein, denn das dazugehörige Grundstück war noch um 1751 recht klein. Möglicherweise haben hier zeitweilig auch Hirten der benachbarten Bullenkoppel gewohnt, war das Haus vergleichbar mit dem Hirtenkaten am Bauerberg, wo Schweine und Kühe gehütet wurden.

 

 

Erster uns bekannter Grundeigentümer am Hohlerweg war seit dem 30. November 1598 Jacob Schröder. Er bewirtschaftete einen Hof, der südlich heutiger Ostwiese des Blohm’s Parks lag. Söhne und Enkel besaßen die stets unbebauten Grundstücke am Geesthang noch bis zum 21. April 1760. Die weiteren Grundeigentümer hießen dann Rücker, Krogmann und de Chapeaurouge.

 

Kurz bevor die Wohnhäuser auf dem obersten Foto entstanden, hatte man den Weg von drei auf sieben Meter verbreitert, von 1:18 auf 1:22 verflacht und dann gepflastert. Bis auf das linke, bereits im Frühling 1894 bezogene Gebäude mit den Hausnummern 46–52, besaßen die Nummern 24–44 unterschiedliche Fassaden. Alle hatten im oberen Stockwerk drei Fenster und jeweils unten links den Eingang. Vom rückseitigen Gartenbereich konnten die Bewohner weit gen Süden in die Marsch blicken, denn noch war die Horner Landstraße nicht mit Großwohnhäusern bebaut. Die meisten Häuser wurden im Krieg zwar schwer beschädigt oder brannten aus, doch schon bald machte man sie wieder bewohnbar. Die Häuser 30 bis 36 jedoch waren so zerstört, dass man sie völlig neu aufbauen musste, wobei Nummer 30 wenigstens noch Teile der alten Fassade zurückerhielt.

 

Ein staatsseitig hergestelltes Siel (Abwasserkanal) gab es bereits seit 1893. Es verband die Siele Horner Landstraße und Horner Weg. Am 1. Oktober 1899 war der Hohlerweg in "Rudolphstraße" umbenannt worden, weil bereits in der Hamburger Neustadt bei der Michaeliskirche ein "Hohlerweg" existierte, und die Baudeputation im selben Jahr beschlossen hatte, gleiche oder ähnlich lautende Straßennamen bei sich bietender Gelegenheit zu beseitigen. Oben auf dem Geesthang verlief die dort unbebaute Rudolphstraße noch bis zur Fischerstraße, die auch im Herbst 1899 umbenannt worden war und fortan Morahtstraße hieß.

 

Anmerkung: Der Name "Rudolph" wurde mit dem von Karoline Rudolphi geleiteten "Erziehungsinstitut für junge Demoiselles" in Verbindung gebracht, die vermutlich seit 1785–1803 an der Hammerlandstraße Nr. 75 oben auf der Geest lag. Dann zog die Pensionsvorsteherin mit ihrem Institut nach Heidelberg, weil in Hamburg alles zu teuer wurde.

 

Viele Kinder nannten die Straße übrigens "Rudolphsberg", weil man dort im Winter so schön Schlitten fahren konnte. Autos gab es ja bis Ende der 1920er Jahre nur sehr wenige, und die kamen den Geesthang dann bald nicht mehr herauf, so glatt war es oft durch die spielenden Kinder geworden.

 

Nachdem man die Rudolphstraße im Jahre 1929 bis zum Bauerberg verlängert hatte, erhielt sie am 16. Juli ihren neuen Namen "Beim Rauhen Hause". Der bis dato zwischen Morahtstraße und Hertogestraße verlaufende ungepflasterte und unbenannte Weg hieß im Volksmund "Liebesallee". Hier standen keine Gaslaternen und die alten Bäume vom Blohm’s Park schützten vor neugierigen Blicken. Ein schönes Plätzchen also für Verliebte, besonders an warmen Sommertagen.

 

 

Im Jahre 1910 entstand dieses Foto an der Ecke Horner Landstraße/Rudolphstraße

 


Horn-Chronik