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Copyright:  Gerd Rasquin - Oktober 2006

 

 

 

 

 

Kleines Spritzenhaus (Textgrafik)

 

Horner Spritzenhaus im Jahre 1913

 

An der Westecke Pagenfelderstraße/Horner Landstraße lag einst der „Kleine Pachthof“, auf dessem östlichen Arealrand dieses schmucke Spritzenhaus stand.

 

Die Einwohner der Ortsgemeinschaften waren jahrhundertelang auch Rettungs- und Hilfsgemeinschaften. Alle beteiligten sich an den Lösch- und Rettungsarbeiten, doch einst waren nur Feuerpatschen, Ledereimer, Leitern und große Feuerhaken zum Einreißen von Wänden und Dächern vorhanden. Bei Ausbruch eines Feuers wurde laut geschrien und somit Knechte, Mägde sowie Nachbarn alarmiert.

 

Feste Spritzenmannschaften, ähnlich wie sie heute in den Freiwilligen Feuerwehren bestehen, wurden in Hamburg erst 1728 gebildet. Hier gab es ab 1750 erstmals in Deutschland auch ständig besetzte Feuerwachen. Die bezahlten Mannschaften waren mit festen weißen Leinenkitteln uniformiert und wurden daher von den Hamburgern „Wittkittel genannt“. Jeder dieser Feuerwehrmänner war verpflichtet, eine Lampe, eine fünf Meter lange Leiter, eine Patsche (Besen mit einem Sack überdeckt), einen Feuerhaken und zwei lederne Wassereimer bereit zu halten. Außerdem wurden Hämmer, Bundäxte, Sägen und Brechstangen eingesetzt. Doch auch die „Wittkittel“ konnte nicht verhindern, dass 1842 zwei Drittel des Hamburger Stadtkerns niederbrannten.

 

Für die Landherrenschaften war diese Katastrophe Anlass genug, sich über einen geeigneten Brandschutz Gedanken zu machen. Am 20. Juni 1846 wurde die „Verordnung in Ansehung der von den Dorfbewohnern bei Feuersbrünsten im Geestgebiet zu leistenden Hülfe“ bekannt gemacht. Diese regelte auch das Strafmaß bei Nichterscheinen oder Verspätung. Verantwortlich für alles war stets der Dorfvogt.

 

Ab 1. Mai 1868 gab es in Hamburg die Deputation für das Feuerlöschwesen mit acht Löschverbänden. „1. Löschdistrict“ war das Hamburger Stadtgebiet, und vermutlich zur gleichen Zeit errichtete man am östlichen Rand des Kleinen Pachthofs ein Spritzenhaus, denn auf der neuen Dorfkarte jenes Jahres ist es eingezeichnet und benannt. Der oben am Bauerberg Nr. 75 wohnende Landwirt Decke hatte 56 Jahre lang seine Pferde für die Spritze gestellt, sie auch meist selbst zu den Brandorten gefahren. Die freiwilligen Feuerwehrleute trugen beim Einsatz einen weißen Kittel, im Volksmund deshalb auch „Wittkittels“ genannt

 

In den folgenden Jahrzehnten entwickelten sich zwar Technik und Leistungsfähigkeit, gegen Großbrände nach Blitzeinschlag oder vorsätzliche Feuerlegung war man aber immer noch machtlos. So auch in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1909, als das große Hofgebäude der Bauernfamilie Krogmann an der Horner Landstraße Nr. 110 niederbrannte. Das Reetdach dieses damals ältesten Horner Bauernhauses aus dem Jahre 1663 stand beim Eintreffen der „Wittkittels“ schon derart in Flammen, dass nur die Tiere und benachbarte Baulichkeiten gerettet werden konnten.

 

In den 1920er Jahren, als das Spritzenhaus ausgedient hatte, weil es nun größere und motorgetriebene Löschfahrzeuge gab, besaß Wilhelm Wiencken hier eine Autoreparatur-Werkstatt. Schon im Spätherbst 1926 musste das kleine Gebäude dem Bau eines vierstöckigen Wohnhauses mit den Eingängen Nr. 205/207 weichen.

 

Historischer Löschwagen

 

Die Horner Handdruckspritzen von 1868 werden etwa so ausgesehen haben, wie dieses gut erhaltene Museumsstück.