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Copyright:  Gerd Rasquin - Februar 2008



Störche in Horn (Textgrafik)

Das "Mutterhaus" im Jahre 1850. Bild von M. Kurz, heute im Besitz der Geschichtswerkstatt Horn

Zahlreiche Bilder alter Gebäude sind uns erhalten geblieben, doch nur auf zwei Strohdächern haben einst Störche genistet. Feuchtgebiete wie die Marsch und somit Brutplatzangebote waren im 19. Jahrhundert ja reichlich im Land vorhanden, und so konnten sich die noch großen Vogelbestände auf viele Dörfer verteilen.

Bereits eine Zeichnung von 1836 dokumentiert ein Nest auf dem „Mutterhaus“, dem seinerzeit höchstmöglichen Brutplatz der Gegend. Dieses im Jahr zuvor auf dem Areal des Rauhen Hauses fertig gestellte Gebäude mit Nestplattform lag geradezu ideal. Kein Wunder also, dass hier schon gleich ein Storchenpärchen erschien. Ob es schon vorher in Horn genistet und sich hier nur für eine geeignetere Stelle entschieden hatte ist nicht überliefert. Die Freude im Rauhen Haus über die neuen „Mitbewohner“ wird sicher groß gewesen sein!


Um 1900 gab es auf dem südlichen Strohdachende noch ein zweites Nest. Vermutlich hat ein "Nachfahre" des ersten Storchenpärchens das alte Nest nicht mehr in seinem Zustand akzeptiert, denn zwei Paare werden wohl kaum so dicht nebeneinander gebrütet haben. Das letzte Storchenpaar im Rauhen Haus nistete übrigens 1911, wie Archivar Wolfgang G. Fischer belegen konnte.

Schon immer freuten sich die Menschen, wenn Störche auf den Dächern ihrer Häuser nisteten, denn sie galten als Glücks- und Kinderbringer. Manche trafen schon Anfang März aus Afrika ein, gewöhnlich zuerst das Männchen und meist dann, wenn die Leute noch schliefen. Somit wussten die meisten im oft noch verschneiten Dorf gar nicht, dass der Storch schon da war, denn der lag ermüdet von seiner langen „Flugreise“ zusammengekauert in der alten Nestmulde und ruhte sich aus. Nur Menschen mit leichtem Schlaf hatten manchmal sein kurzes Klappern vernommen, Adebars alljährliches Ankunftsritual. Wenige Tage später erreichte gewöhnlich auch die Störchin das Nest, dann wurde geklappert und verbeugt. Der Altstorch hob einen Reisigstecken auf, legte ihn an den Nestrand und Frau Störchin wusste natürlich genau, was das bedeutete! Die Brutzeit begann unterschiedlich und somit wurden manche Jungstörche erst Anfang August flügge.

Bauernhaus mit Nest

Horns zweites Storchenpärchen nistete auf einem Bauernhaus, das vermutlich der Landmann Friedrich Wilhelm Niese nach 1826 an der Horner Landstraße Nr. 214 errichten ließ. Es stand gegenüber der heutigen Wichern-Buchhandlung. Auf dem Foto von 1912 hockt der Storch noch auf seinem Nest, doch eine Aufnahme vom Frühjahr 1928 dokumentiert nur noch ein leeres Dach. War es durch die Arbeiten an der Marschaufhöhung ab März 1927 vielleicht so unruhig geworden, dass die Tiere andere Brutorte aufsuchten?


Wieder hatte Horn ein Stück seines einst dörflichen Idylls verloren, und für immer vorbei war auch die alljährliche Freude der Kinder auf ihre Klapperstörche…

Horn-Chronik