Copyright:  Gerd Rasquin  -  August 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

Tribünenweg (Textgrafik)

 

Foto der Ecke Rennbahnstraße/Tribünenweg

 

Ab Spätherbst 1902 bot sich dieser Blick in den Tribünenweg mit der neuen Häuserzeile. Die Gastwirtschaft war bereits im Frühjahr eröffnet worden.

 

 

Seit alten Zeiten lag nördlich des Bauerbergs die große Gemeindeweide. Etwa zwei Drittel dieses Gebietes wurde am 23. März 1780 im St. Marien-Magdalenen-Kloster unter den berechtigten Höfnern ausgelost. Dabei handelte es sich um die Hammer- bzw. Jüthorner Koppeln. Das mittlere Areal, seit 1855 die Pferderennbahn, blieb im Dorfbesitz.

 

Auf den Hammer Koppeln hatte auch J.H.B. Reinecke Grund erworben, der in Hamm eine Handlung für Baumaterialien besaß. Schräg gegenüber der Rennbahntribüne ließ er im Jahre 1877 eine Straße mit 44 Bäumen anlegen, die zu seinem gerade erbauten 150 Meter entfernten großen Landhaus führte. In Horn nannte man sie Reineckestraße.

 

Nachdem sein Sohn, der Abbruch-Übernehmer G.E.L. Reinecke, den Grundbesitz an die "Neue Baugenossenschaft von 1900 zu Hamburg" verkauft hatte, ließ diese die Straße zuerst südlich bebauen. Auf jeweils 368,5 qm großen Grundstücken entstanden dreizehn 8,50 Meter breite villenartige Häuser mit den Nummern 3-27, die bis Weihnachten 1901 bezogen werden konnten. Grund genug, die bisherige Reineckestraße genau am 25. Dezember in "Tribünenweg" umzubenennen. Aus einer Straße war jetzt ein Weg geworden!

 

Das ehemals den Reineckes gehörende Landhaus, bis dato ohne eigene Hausnummer der Rennbahnstraße zugeordnet, erhielt nun die Nr. 39. Bis Ende 1902 konnten auch die Häuser Nr. 29, 31, 33 und 35 bezogen werden. Während die Straßensüdseite jetzt lückenlos bebaut war, gab es gegenüber - noch fast drei Jahrzehnte lang - viele freie Plätze.

 

Alle Häuser auf südlicher Seite wurden im Krieg zerstört. Einige sind dann zwar in den erhaltenen Teilen noch kurze Zeit bewohnt worden, doch Anfang der 50er Jahre enttrümmerte man die Grundstücke. Restliche Ruinen wurden beseitigt, auf den nun freien Flächen Mehrfamilienhäuser errichtet. Heute ist nur noch das Ende 1902 erbaute, im Krieg stark beschädigte Haus Nr. 8 des "Canalaufsehers" A.A.M.J. Westphalen so weit erhalten, dass zumindest die alte Frontfassade bis zur ersten Etage an den ursprünglichen Zustand erinnert.


 

Horn-Chronik (Textgrafik)