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Copyright:  Gerd Rasquin  -  Erstellt im Juni 2006, überarbeitet im November 2013

 

 

 

Postkarte von 1905  Blick auf Horn

 

Auf der Flurkarte von 1751 ist ein etwas straßenabseits gelegenes Landhaus eingezeichnet, das dem "Spökenkiekerhaus" gegenüber mit der Nr. 172 entsprach. Anno 1826 gehörte es Johann Jacob Cord Bostelmann und vermutlich befand sich hier schon seit Menschengedenken eine kleines Lokal, dem 1846 die Hausnummer 14 erteilt worden war. Uns bekannter erster Wirt war von mindestens 1836–†1851 Johann Christian Michael Kiehn, doch der Name seines Lokals ist nicht überliefert und auch nicht, was nach ihm geschah. Erst dem Adressbuch von 1860 entnehmen wir wieder einen Wirt, nämlich Johann Christian Nikolaus Kiehn, der den Gasthof "Zur Rennbahn" nannte, vier Jahre nach den ersten Pferderennen in Horn. 1863 war Theodor Frick neuer Gastwirt geworden, der auch eine Wirtschaft am Messberg Nr. 38 besaß. Warum er 1864 beide Gastwirtschaften aufgab ist nicht bekannt (er zog dann nach Nr. 22, wo er 1867 verstarb).

 

Noch im selben Jahr wurde Johann William Hoops neuer Betreiber. 1869 setzte er den  Zimmermann J.H.M. Keding aus Nr. 50 als Wirt ein, doch was geschah dann? Im Adressbuch von 1871 sind weder Keding, noch Hoops, noch die Nr. 14 vermerkt. Vermutlich gab es auf Hoops Grundstück bauliche Aktivitäten, denn das Adressbuch von 1872 vermerkt: "Hoops, J.W., Dintefabrik, Große Reichenstraße 4, Wohnung und Fabrik: Horn, Landstraße 14". Die Dintefabrik (Tintenfabrik) betrieb er hier bis ins Jahr 1875, dann ließ er J.P.H. Matthies als Wirt arbeiten. Nachdem Hoops die Fabrik an der Großen Reichenstraße an H. Battmer übergeben hatte, stand er seit 1876 wieder in seinem Horner Gasthof "Zur Rennbahn" hinter der Theke. Seit 1877 vermietete Hoops auch Wohnräume, so an den Krämer Carl Friedrich Theodor Schütt, die Witwe Wagner und von 1880–1882 an den Schutzmann Heinrich Krohn von der Polizeiwache Nr. 27 nebenan.            

 

Hoops gehörten auch die Grundstücke samt Häusern auf östlicher Seite des Bauerberg bis zum Ärar "Großer Pachthof". Als 1885 eines seiner Wohnhäuser abbrannte, das direkt an den Gasthof grenzte, wurde auch der in Mitleidenschaft gezogen. Wie groß die Schäden waren ist nicht überliefert, doch die Versicherung muss wohl gut gezahlt haben, denn noch im selben Jahr ließ Hoops die Areale neu bebauen und auch den Gasthof umgestalten. Der verandaähnliche flache Vorbau stammt aus jener Zeit. Seitdem sieht alles so aus, wie von Postkarten bekannt.

 

Nachdem der Kaiser erstmals am 21. Juni 1903 zum Deutschen Galoppderby nach Horn gekommen war, nannte der Wirt seinen 1885 errichteten großen Festsaal "Kaisersaal". Selbstverständlich war Wilhelm II. hier aber nie zu Gast. Der kam immer schon sehr früh um 8 Uhr mit dem Zug aus Berlin, stieg am Bahnhof Dammtor aus und dinierte später an der Alten Rabenstraße Nr. 30 beim preußischen Gesandten. Um 15 Uhr fuhr er dann mit einer von vier Schimmeln gezogenen Kutsche über Wandsbek zur Horner Rennbahn und verließ Hamburg noch am selben Abend auf seiner Yacht "Hohenzollern".

 

Nachdem der alte Hoops 1904 verstorben war, gab Sohn William seine erst 1903 übernommene Gastwirtschaft an der Eppendorfer Landstraße Nr. 6 auf und zog zurück nach Horn. Nebst Saalbauarbeiten ließ er auch das Äußere so schön herrichten, dass der "Gartenbau-Verein von Hamburg, Altona und Umgegend" die Blumendekoration der Veranda im Sommer 1905 mit einem Ehrenpreis auszeichnete!

 

Im Clubraum des Gasthofs hatten am Abend des 8. Februars 1905 zehn Herren den Hamburg-Horner Turnverein gegründet. Mehrere Sitzungen fanden hier statt und zahlreiche Veranstaltungen im "Kaisersaal". Die niedrige Bühne erlaubte beim Schauturnen am Reck allerdings nur Riesenfelgen mit angewinkelten Beinen :-)

 

Am 24. April 1912 wurde bei Hoops auch der "Tennis-Verein von Horn und Hamm" gegründet und Heinrich Johannes Emil zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die Vereinsfarben sollten Blau-Gelb-Blau sein. Seit 1923 war Hoops das Vereinslokal für den im selben Jahr gegründeten "Hamburg-Horner Sport-Verein".

 

Im rückseitigen Bereich lag ein Gebäude, in dem Fritz Rose 1932 das erste Kino Horns eröffnete. Leider aber wurden seine Derby-Lichtspiele und auch der Gasthof Ende Juli 1943 durch Bomben zerstört. Letzter Wirt war Oskar Hoops, der den Gasthof 1941 übernommen hatte. Nach Beseitigung aller Trümmer ließ Hans Mauer, Bruder von Johannes ("Eisen-Mauer"), ein dreistöckiges Wohnhaus errichten, das im Herbst 1954 bezogen werden konnte. An der Ecke Bauerberg eröffnete er sein Möbelgeschäft "Hans Mauer & Co.", in der Bevölkerung kurz "Möbel-Mauer" genannt, und den Geschäftraum rechts daneben bezog Oskar Hoops mit einem Lokal.

 

Postkarte mit Fotos vom Sommer 1905


Horn-Chronik  (Textgrafik)