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Copyright:  Gerd Rasquin  -  erstellt 1999, letztmalig bearbeitet am 1.1.2016

 

 

 

 

 

 

 

Martinskirche (Textgrafik)

 

 

Collage

 

Dieser Blick auf die Martinskapelle bot sich ab Mai 1987 (links oben). Im Sommer 1895 produzierte der Verlag E. Bothmann eine Postkarte (oben rechts).

Anlass war der neue Kirchturm, doch auch das Pastorat ist schon zu sehen, wie auch auf den beiden unteren Fotos (rechts vom Sommer 1913).

 

 

 

Mit der "Martinskapelle" besaß Horn seit 1886 erstmalig ein Gotteshaus. Das von dem bekannten Kirchenarchitekten Johannes Vollmer (1845‒1920) in Backstein ausgeführte Gebäude, wurde nach den herrschenden städtebaulichen Vorstellungen als freistehende Einheit konzipiert. Im Baustil stand sie in der Tradition der neugotischen Hannoverschen Schule, die den Backsteinbau Norddeutschlands zwischen 1850 und 1900 beeinflusst hat. Nach Grundsteinlegung am 11. April konnte die kleine Glocke im Giebel der neuen Kapelle bereits am 11. November zum ersten Gottesdienst einladen. In Anwesenheit der Kirchspielherren sowie der Senatoren Dr. J.G. Mönckeberg und Adolph Ferdinand Hertz hielt Carl Schetelig, als zweiter Pastor für Hamm und Horn, an diesem Tag seine erste Predigt. Der Bau hatte 35.000 Mark gekostet und besaß 400 Sitzplätze, doch noch fehlten Turm und Orgel.

 

Seit 1693 mussten die Einwohner Horns den langen Weg zur Dreifaltigkeitskirche nach Hamm gehen, was für viele alternde Menschen immer beschwerlicher wurde.

 

Am 16. Mai 1894 begann die Firma Feck & Söhne mit dem Bau des Kirchturms und schon am 30. September, als Horn zu einem Stadtteils Hamburgs wurde, konnte die Turmweihe stattfinden und am 16. Oktober auch das neue Pastorat bezogen werden. Aus der Martinskapelle war nun die Martinskirche geworden!

 

Am 24. Oktober 1998 stellte die Hamburger Kulturbehörde das vom Krieg verschonte Gebäude unter Denkmalschutz.

 

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Für die Bevölkerung Horns und Hamms predigten seit dem 19. Jahrhundert folgende Pastoren:

 

Hermann Mumssen wurde am 18. September 1804 als Sohn des Weinhänd­lers Hermann Mumssen (1770‒1813) in Hamburg geboren. Er besuchte das Johanneum zu Hamburg und von 1822 bis 1823 das "Gymnasium Academicum". Anschließend war er Student der Theologie in Göttingen und ab dem 13. Juli 1826 Predigtamt-Kandidat des Hamburger geistlichen Ministeriums. Am 27. September 1830 wurde er zum "Pastor zu Hamm und Horn" ge­wählt. 1837 gründete Mumssen den "Verein für Christliche Armenpflege in Hamm und Horn“. Als volkstümlicher, humorvoller Prediger war er in seiner Hamm/Horner Gemeinde sehr beliebt und auch mit Johann Hinrich Wichern befreundet, dessen segensreiche Tätigkeit im Rauhen Hause er mit Anteilnahme verfolgte und eifrig unterstützte.

In erster Ehe heiratete Mumssen am 19. April 1831 Johanna Evers, die aber schon 1847 starb. Aus dieser Ehe stammt Wilhelm Eugen, später Professor am Johanneum (9.10.1835–29.6.1887). Seinerzeit wohnte er in Hamm, Pastorathaus Nr. 40. Seine zweite Ehe schloss er am 12. Juli 1848 mit Anna Wilhelmine Wappäus (1813‒1879). Mumssen starb am 25. April 1859 und wurde auf dem Friedhof der Dreifaltigkeitskirche am Hornerweg begraben. Die Grabplatte ist heute noch gut zu lesen.

 

Ernst Adolph Moraht, jüngerer Sohn eines Hamburger Arztes, wurde am 27. Oktober 1833 in Hamburg geboren. Nach Besuch einer Privatschule, absolvierte er das Johanneum und akademische Gymnasium in Hamburg, ließ sich 1852 als Student der Theologie und Philosophie an der Universität in Bonn immatrikulieren. Nach Studienaufenthalten an den Univer­sitäten Erlangen, Göttingen und Rostock, promovierte er an letzte­rer zum Doktor der Philosophie. In Hamburg bestand er schließlich das Amtsexamen als Theologe und bekam folglich schon Predigten und Bibelstunden übertragen.

Nach einjähriger Tätigkeit als Kandidat für das Predigeramt studierte er an der Georgia Augusta-Universität zu Göttingen. Dort lernte er im Hause des Professors Havemann dessen Tochter Marie kennen, die er 1855 heiratete.

Im Jahre 1859 wurde Moraht als Nachfolger von Pastor Mumssen "Pastor zu Hamm und Horn". Durch seine volkstümlichen Predigten war Moraht in ganz Hamburg bekannt. Auf seine Initiative gründete das Hamm-Horner Armenkollegium die sogenannten "Gotteswohnungen" an der Fischerstraße, die am 16. Oktober 1876 eingeweiht werden konnten. Am 20. Oktober 1879 starb Pastor Moraht an einer Infektion, die er sich am Krankenbett einer seiner Konfirmandinnen geholt hatte. Sein Grabmal auf dem Friedhof der Hammer Kirche besteht aus einem viereckigen Marmorsockel mit Kreuz und Inschriften. Im Oktober 1899 wurden die "Gotteswohnungen" in "Morahtstift" umbenannt, und auch der Fischerstraße erteilte man gleichzeitig den offiziellen Namen "Morahtstraße". Anlass dafür war der 20. Todestag des einst so beliebten Horner Pastors. Nachdem die Morahtstraße 1962 aufgehoben wurde, sollte bald ein anderer Weg für die Erinnerung an ihn sorgen: Der "Morahtstieg", am 16. Dezember 1964 benannter Fußweg, rechts der neuen U-Bahnstation "Rauhes Haus" angelegt, um den Fahrgästen einen schnellen Zugang zum Horner Weg zu ermöglichen. Allerdings gehört dieser kleine Geesthangweg schon zum Stadtteil Hamm.

 

Otto Palmer, vorher Pastor in Altona, wurde am 8. Juni 1880 vom Gemeindevorstand der Dreifaltigkeitskirche zum neuen Pastor von Hamm und Horn gewählt. Palmer war seinerzeit ein sehr geschätzter und bedeutender Kanzelredner. Seine überragende Predigtgabe lockte so viele Gläubige in die Hammer Kirche, dass sie im Jahre 1883 durch einen südlichen Anbau erweitert werden musste. Nach dem Fortgang des damaligen Hilfspredigers Pastor Reich war Pastor Palmer nicht nur für Nord- und Süd-Hamm, sondern außerdem auch noch für Horn allein zuständig. Da diese Mehrbelas­tung für einen Geistlichen zu groß war, schrieb man die Stelle eines Hilfspredigers aus. 1833 gelang es Palmer einen Nach­folger für Pastor Reich zu finden. Es war der Haselauer Pastor Carl Schetelig.

Das benachbarte Horn besaß damals noch keine eigene Predigtstätte. Daraufhin wurde in der Kirchengemeinde, in der Stadt und an ande­ren Stellen eine Sammlung zur Finanzierung des Kirchenbaues in Horn durchgeführt. Pastor Palmer war besonders begabt für seine kirchlichen Arbeiten und Pläne die notwendigen Geldmittel zu er­bitten und auch zu erhalten. Schließlich war der Betrag von rund 30. 000 Mark erreicht. Für diese Summe konnte eine einfache, aber würdige Kapelle mit 400 Sitzplätzen errichtet werden, die am 11. November 1886 als Martinskapelle in Horn eingeweiht wurde.

Aus gesundheitlichen Gründen trat Pastor Palmer 1903 vorzeitig in den Ruhestand. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Kurort Nervi an der Riviera, um dort Linderung seines Leidens zu suchen, aber auch um der kleinen deutschen Gemeinde und den Kurgästen als Seelsorger beizustehen. Im Februar 1905 starb er dort und wurde in seine Heimat über­führt. Seine Ruhestätte fand er auf dem neuen Hammer Friedhof in Eilbek. Nach dessen Aufhebung wurden seine sterblichen Überreste auf dem alten Friedhof der Dreifaltigkeitskirche am Horner Weg beigesetzt.

 

Carl Johannes Christian Hermann Schetelig wurde 1849 geboren. Nach seinem theologischen Studium und Ablegung der notwendigen Prüfungen vor der Generalsuperintendantur und dem Konsistorium in Kiel, war Carl Schetelig zunächst Hauslehrer auf Gut Rastorf in Holstein bei der gräflichen Familie zu Rantzau. Von 1867 bis 1883 amtierte er als Pastor in Haselau bei Uetersen in der Haseldorfer Marsch. Im Protokoll der Kirchenvorstandssitzung der Dreifaltigkeitskirche zu Hamm vom 23. August 1883 heißt es unter anderem: „Herr Pastor Palmer referierte, dass es ihm gelungen sei, in der Person des Pastors Carl Schetelig zu Haselau einen Hilfsprediger zu finden, der auf die ihm mitgeteilten Bedingungen bereit sei, am 1. Oktober 1883 in dieses Amt einzutreten.“ Nach Verlesung der Zeugnisse fügte der Kirchenvorsteher Konsul Burchard hinzu, dass er im Sommer Pastor Schetelig in Haselau predigen gehört hatte und bestätigte den günstigen Eindruck der Zeugnisse über die Predigtweise und Amtsführung aus eigener Wahrnehmung.

Nach Genehmigung durch den Kirchenrat konnte Pastor Schetelig dann zum "Hilfsprediger von Hamm und Horn" ernannt und durch Pastor Palmer der Gemeinde vorgestellt werden. Horn war nun sein eigent­licher Pfarrbezirk. Nach 29 Jahren Seelsorge trat Pastor Schetelig 1911 in den Ruhestand. Zunehmende Gedächtnisschwäche und ein Augenleiden, das später zur vollständigen Erblindung führte, zwangen ihn dazu. Am Erntedankfest 1912 hielt Pastor Schetelig seine Abschiedspre­digt über Psalm 103, Vers 1‒5 und 15‒22. Das Thema der Predigt war "Lobe den Herrn, meine Seele". Damit beschloss er seine 36-jährige segens­reiche Amtstätigkeit als evangelischer Pastor in Holstein und in Hamburg. Pastor Carl Schetelig starb am 20. März 1920 und wurde auf dem neuen Hammer Friedhof an der Wandsbeker Chaussee in Eilbek beigesetzt. Nach dessen Aufhebung und Umgestaltung zum Jacobipark erhielt Schetelig seine letzte Ruhestätte auf dem alten Hammer Fried­hof am Horner Weg. Die Grabstätte ziert eine schlichte Gedenk­platte. An ihn erinnert seit dem 16. Juli 1929 der "Scheteligsweg" zwischen den im selben Jahr angelegten Straßen "Bei der Martinskirche" und "Beim Pachthof".


Horn-Chronik (Textgrafik)