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Copyright:  Gerd Rasquin  -  Oktober 2009

 

 

 

 

 

 

Foto der Prediger-Seminare

 

Mit dem „Prediger-Seminar der Deutschen Baptisten“ an der Rennbahnstraße Nr. 115 verschwand im Spätsommer 2000 wieder ein Stück altes Horn. Am 26. September fiel die letzte Mauer. Doch schauen wir einmal zurück, sehr weit zurück...

 

Bis Mitte 1874 gab es an der Rennbahnstraße noch kein Haus, nur die Gastwirtschaft "Kiekenkaten", doch sie lag schon auf Wandsbeker Gebiet, gleich rechts außerhalb des Fotos. Die Straße hatte ihren Vorläufer in einem um 1750 angelegten schnurgeraden Weg, der Mitte zweier Entwässerungskanäle verlief. Im Dorf nannte man ihn "Weg nach Wandsbek", doch an Bedeutung gewann er erst ab 1855, nachdem die "Horner Renncoppel" entstanden war.

 

Im Jahre 1887 erwarben die Baptisten ein Horner Grundstück, das direkt an der Wandsbeker Grenze lag. Der amerikanische Unternehmer John Rockefeller hatte ihnen hierfür 5.000 Dollar geschenkt. Auch er war Baptist und galt seinerzeit als reichster Mensch der Welt. Schon am 6. Juli 1887 war Grundsteinlegungsfeier, und am 6. September des folgenden Jahres konnte das erste eigene Seminargebäude eingeweiht werden. Die Baukosten betrugen 108.565 Mark und wurden halb durch die Bundes-Gemeinden, halb durch Beihilfen aus Amerika gedeckt. Bis 1888 wurde in der Hamburger Baptistenkirche an der Böhmkenstraße unterrichtet. Anfangs hieß die Einrichtung noch „Missions- und Predigerschule“. Erst ab 1898 bezeichnete man das Gebäude in Horn als „Prediger-Seminar“.

 

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts reichten die Räume nicht mehr aus und man entschloss sich, ein weiteres großes Gebäude zu errichten. Markante Fassadenteile des 1915 fertiggestellten Hauses waren eine Dachbodenfenster-Rosette mit zwei Putten und einem Eulenpärchen sowie die goldbemalten Lettern.

 

Als man das Gebäude für die Trasse der neuen Autobahn nach Lübeck abbrechen musste, wurde am 5. März 1936 die Bleikassette der Grundsteinlegungsfeier vom 6. Juli 1887 freigelegt und geöffnet. Die in ihr enthaltenen zwölf Dokumente wurden durch neue ergänzt. Bei der Schlusssteinfeier am 12. März 1936 fügte man die Kassette im Eingang des Internats links in die Mauer ein.

 

Ersatz für das alte Seminargebäude schafften drei rückseitig des zweiten Seminars errichtete große Häuser, die am 3. September 1936 ihrer Bestimmung übergeben werden konnten. Seminarleiter war seinerzeit Studiendirektor Neuschäfer.

 

Im Krieg wurde alles schwer beschädigt. Zwar brannte das Hauptgebäude an der Rennbahnstraße in den äußeren Bauteilen ab, die Stahlbetondecken im mittleren Teil und sämtliche Kellerräume waren aber erhalten geblieben. Nach viel Selbsthilfe erhielt man 1947 aus dem Rheinland eine komplette Dachkonstruktion nebst zugehöriger Pfannen als Schenkung. Schon ein Jahr später wurde das Seminar wieder bezogen und bis zum Oktober 1997 genutzt.

 

Nach Abbruch aller Gebäude im September 2000 entstand hier eine Filiale der Lebensmittelkette "LIDL".

 

Foto aus dem Jahre 2000Rosette

 

Anfang September 2000 entstanden diese letzten Aufnahmen.

 

 

Videobild vom letzten Tag

 

25. September 2000, der Tag bevor auch diese Gebäudereste fielen.