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­­­­Copyright:  Gerd Rasquin - Erstellt 1999, letztmalig bearbeitet im August 2017

 

 

Blohms Park

Villa Blohm vor dem Ersten Weltkrieg

 

Die erste Horner Flurkarte von 1751 dokumentiert vier Grundstücke auf einem Areal, das wir heute als Blohm’s Park kennen. Das westliche war seinerzeit unbebaut und diente als Vorgarten mit Teich für das gegenüberliegende Anwesen der Familie Konau, am Südrand der Landstraße. Ein etwa 25 Meter breites Grundstück mit Sommersitz grenzte rechts an und daran ein weiteres mit zwei Häusern. Der östliche Teil, einschließlich heutiger Hertogestraße, gehörte Phillip Christoph de Hertoghe, dessen Familie hier schon seit 1630 ein Landhaus besaß. Dieses Areal wird erstmals um 1600 im Grundbuch wie folgt erwähnt: "4 M. Marschlandes bei Hinrich Schröder mit 1 Kate, den Geestkamp, 2 Blöcke, dem Gehege u. al. pertin" (und allerlei Zubehör). Erster bekannter Eigentümer war der 1544 geborene Dirick van Eitzen, Hamburger Bürgermeister von 1589–†1598. Nachdem auch die Witwe verstorben war, wurde ihr Sohn Albert am 10. Mai 1614 ins Grundbuch eingetragen. Der war seit 1610 Senator und von 1623 bis zu seinem Tod ebenfalls Hamburger Bürgermeister.

 

 Albert van Eitzen (6.9.1578–4.5.1653)

 

Am 14. Januar 1630 verkaufte Albert von Eitzen sein Grundstück an Hans de Hertoghe, dessen Familiengeschichte sich wie folgt darstellt:

Ein 1441 in Tienen (heute Belgien) geborener Wouter de Hertoghe und seine Ehefrau Anna van Immerseel hatten einen Sohn, der Anthon hieß (1470–†1518) und Sara van Montenaken heiratete, die 1510 einen Sohn gebar. Dieser Wouter (1510–†1589 in Middelburg) zog in seiner Jugend nach Antwerpen, wo er sein Geld als Gewandschneider und Tuchhändler verdiente. Mit Ehefrau Elisabeth van Eversdijk (1520–1585) bekam er vier Kinder. Ihr erster Sohn hieß Abraham (†1607), der sein ganzes Leben in Antwerpen verbrachte, während Schwester Maria später mit ihrem Mann in Rouen wohnte. Cornelis zog es nach Hamburg, doch der jüngste Sohn Hans starb bereits vor der Einnahme Antwerpens. Eines seiner drei Kinder nannte er ebenfalls Hans, der später nach Hamburg zog, wo er als Hans d.Ä. bezeichnet wurde.

 

Es war Hans (Jean) de Hertoghe (7.2.1567–9.9.1626), Sohn des Seidenkramers Joan de Hertoghe (†1575) und Elisabeth van Nuys (†1574), die 1565 in Antwerpen geheiratet hatten. Seine Schwestern Anna und Elisabeth kamen 1568 bzw. 1569 zur Welt. Während sie in der Heimat blieben, zog Hans mit seinen Eltern später nach Hamburg, wo er am 7.10.1599 Johanna Mahuys (†31.8.1625) heiratete, mit der er neun Kinder bekam. Eins erhielt den Vornamen des Vaters.

 

Seit 1567 hatte eine brutale Verfolgung der Mennoniten unter dem spanischen Kardinal Alba begonnen und viele flohen. Bereits vor der Eroberung Antwerpens durch die Spanier, am 17. August 1585, folgte eine zweite Flüchtlingswelle, mit der auch Cornelis (1545–†7.1.1612) das sichere Hamburg erreichte. Er war Kaufmann im Iberienhandel, bekleidete anno 1600 das Ehrenamt des Niederländischen Armen-Vorstehers und war ab 1608 Jurat an der Hamburger Kirche St. Petri. Noch in seiner Heimatstadt Antwerpen hatte er Elisabeth van Achelen (†8.5.1603) geheiratet, wo auch Hans (24.12.1580–27.9.1638) und Isabeau (4.2.1583–17.2.1662) geboren wurden. Die Familie wohnte in Hamburg, besaß aber kein Sommerhaus in Horn. Isabeau (Isabella) heiratete später den Kaufmann Rudolf Amsinck (9.11.1577–1.12.1636) mit dem sie neun Töchter und fünf Söhne bekam.

 

Für Horn interessant aber wurde später nur der ebenfalls im Iberienhandel tätige Hans de Hertoghe, verheiratet mit der Kaufmannstochter Sara Amsinck (1.2.1582–1.2.1647). Ihre Kinder hießen: Johanna (23.8.1603–29.4.1686), die am 21.1.1628 Frans Bostelmann heiratete; Sara (25.1.1605–13.11.1678), seit dem 18.11.1622 verheiratet mit Andreas Berenberg (9.10.1595–10.12.1661); Cornelia (7.2.1608–23.7.1629), die am 6.10.1628 Paul Berenberg (18.12.1593–8.7.1652) geheiratet hatte, doch schon bei der Geburt ihres ersten Kindes starb und Wilhelm (28.9.1614–19.8.1680), seit dem 6.1.1640 mit Helene van Overbeke (15.12.1615–11.9.1679) vermählt. In den Jahren 1649 und 1664 war er Niederländischer Armen-Vorsteher, wie auch sein Sohn, Dr. jur. Wilhelm (1647–5.9.1720) in den Jahren 1689, 1697, 1698, 1704 und 1716. Nach dem Tod des Vaters wollte er das Landhaus in Horn aber nicht übernehmen, sondern liebäugelte mit einem weitaus größeren Anwesen auf Billwerder, das er als wohlhabend gewordener Mann im Jahre 1684 auch erwerben konnte. 1693 heiratete er Susanna Ochs und schon 1694 wurde ihr erstes Kind geboren, das den Vornamen von Vater und Großvater erhielt. Der kleine Wilhelm besuchte das Johanneum, studierte später in Giessen und Jena die Rechte und kehrte 1721 nach Hamburg zurück. Hier arbeitete er als Advokat und las juristische Privatkollegien, bezeichnete sich selbst als "Licentiat". Schon im Jahr darauf starb der 28-Jährige, als ihm ein Kästchen auf den Kopf gefallen war, das nicht fest auf dem Bücherschrank stand. Heiraten konnte er deshalb nicht mehr. Seine Schwester Sara Cornelia vermählte sich am 18. Januar 1731 mit Vinzent Claussen (ca. 17051766), doch Kinder sind nicht bekannt.

Zwei weitere Kinder von Hans de Hertoghe waren Susanna (4.7.1617–19.5.1674), seit dem 13.1.1651 verheiratet mit Rudolf Berenberg (1623–1672) und Magdalene (12.7.1619–4.4.1694), die am 3.4.1654 mit dem Überseekaufmann Johann (John) Berenberg (11.7.1622–30.4.1699) vermählt wurde. Sie bekamen zwei Töchter.

 

Hans de Hertoghe bekleidete in den Jahren 1619, 1623 und 1637 das Ehrenamt des Niederländischen Armen-Vorstehers, war 1626 Kirchgeschworener zu St. Petri und erwarb am 14. Januar 1630 ein Grundstück westlich des Bauerbergs, Höhe heutiger Hertogestraße. Nachdem er 1638 verstorben war, lebte die Witwe noch bis †1647 im Haus, gemeinsam mit ihrem Sohn Wilhelm und seiner Ehefrau Helene. Sie starb am 11. September 1679, er am 19. August 1680. Beide hatten vermutlich zwei Söhne, von denen der eine Peter (†1712) hieß, im Jahre 1681 Niederländischer Armen-Vorsteher. Das Horner Grundbuch erwähnt ihn am 14. Mai 1709 im Zusammenhang mit Landeigentum in Horn. Unter demselben Datum ist auch ein Hans de Hertoghe eingetragen, doch wissen wir nicht, ob auch beide im Horner Landhaus wohnten. Sicher ist nur, dass Philipp Christoph de Hertoghe 1727 neuer Grundeigentümer geworden war, in jenem Jahr auch Niederländischer Armen-Vorsteher.

 

Dem Tagebuch des in Hamburg geborenen Predigers Lorenz Maneke (27.6.1681‒25.8.1757) aus Schaprode auf Rügen verdanken wir eine Beschreibung des Grundstücks. Er reiste am 23. September 1745 in einer von zwei Pferden gezogenen Kutsche mit Knecht, Ehefrau Sophia Agnes sowie den Töchtern Catharina Dorothea (*1722), Ulrica Maria (*1725) und Sophia Georgia (*1730) zu seinen in Hamburg im Zuckerbäckergeschäft tätigen Zwillingsbrüdern Jochim und Jürgen, die derzeit aber in Jürgens Landhaus auf Billwerder wohnten, wo die Familie am 1. Oktober ankam. Freudig empfangen verbrachte sie hier und in Hamburg erlebnisreiche Tage. Am 10. Oktober (Sonntag) fuhr die Familie mit Jürgens Ehefrau Martha (1700‒1755) samt Tochter Agnetha Catharina (11) und Sohn Hermann (12) in zwei Kutschen nach Hamm, wo man in der Dorfschaft Horn den prächtigen Garten des Herrn Philipp Christoph de Hertoghe erreichte, der sie zu einem Rundgang auf seinem Anwesen einlud. Maneke schrieb später in sein Tagebuch:

 

 

„Traten daselbst ab in des reichen Kaufmanns Herrn de Hartogs Garten, der an Schönheit, Pracht und Magnificenze alle Hamburgischen Gärten, auch sogar den kostbaren Garten des Herrn Jobst von Overbeck ganz übertrifft. Gewiß, wo ich jemals was Rares in der Welt zu sehen bekommen habe, so auf diesem Garten. Ein sehr prächtig Palais mit einer Zugbrücke, stand in demselben mitten in einem sehr großen Karpfen-Teiche auf hohen steinernen Pfeilern. Hiernächst fand sich daselbst eine ganz neu erbauete Grotte, deren Wände nicht allein mit köstlichen Perlen, Muscheln und Mineralien vortrefflich ausgezieret waren, sondern auch mit vielen springenden Fontainen prangeten, so, bei der großen Sonnenhitze, uns die ausnehmendste Erfrischung gaben. Das sich auf diesem Garten befindliche Orangerie-Haus sah mehr einer Kirche als einem Hause ähnlich und war mit Zitronen und Apfel de chine-Bäumen, nebst anderen raren Gewächsen aus Afrika und Amerika ganz angefüllet und ward um derentwillen täglich mit sechs Oefen gehitzet, damit die Früchte möchten reif werden. So waren auch sonsten noch in des Herrn de Hartogs Garten sehr viele herrliche Fontainen und Springbrunnen, welche der Inspector bei unserer Anwesenheit alle miteinander springen ließ, so daß wir nicht wußten, wo wir sollten zuerst unsere Augen hinschlagen. Und nächst bei diesem unvergleichlichen Garten war ein großer weitläufiger Thiergarten, worin Rehe, Hirsche und Hasen in großer Menge liefen, imgleichen ein prächtiges hohes Vogelhaus von dicken eisernen Stangen, worin viele asiatische, afrikanische und amerikanische Vögel zu sehen waren und welche des Winters in warmen Zimmern aufbehalten werden. Bei dem Eingange der Garten-Thüre lag ein angekleideter Affe an der Kette, der viele kurzweilige Possen machte. Der Inspector berichtete uns, daß dem Herrn de Hartog, dieses alles in gutem Stande zu erhalten, jährlich über 2000 Reichsthaler koste; weil er aber mehr als eine Million reich, und dabei keine Kinder, so estimire er solches nicht.“

 

Nachdem Philipp Christoph de Hertoghe 1755 verstorben war, wohnte die Witwe noch bis zu ihrem Tod im Haus. Sie war die Schwester des Hamburger Kaufmanns Johann Friedrich Droop, dem seit 1737 ein großes Sommerhaus an der Landstraße gehörte (heute Höhe Nr. 206). Letztmalig erwähnt wurde die Witwe am 29. Mai 1760, als "Bauernvogt Bostelmann und Konsorten beim Landherren vorstellig wurden, um die Erlaubnis zum Vogelschießen einzuholen, das wegen Schadhaftigkeit der Stange seit 1751 nicht mehr stattfinden konnte". In dem Bericht hieß es weiter: "Vogel und Schilde verwahrte das Jahr über die Witwe de Hertoghe in ihrem Haus, wofür sie den Gewinn und drei Reichstaler erhielt". Als sie 1763 starb endeten auch 133 Jahre Horner Familiengeschichte. Keine andere Hamburger Kaufmannsfamilie zuvor oder danach war hier über so lange Zeit ansässig!

 

Neuer Grundeigentümer wurde "Etatsrath" (Staatsrat) Carl Friedrich Richardi (†1803), dessen Stadtwohnung an der Großen Drehbahn Nr. 392 lag. Im Garten seines Sommerhauses ließ er 1781 Denkmäler für Denner, Hagedorn, Telemann und 1787 für Sonnin aufstellen. Weitere Grundeigentümer waren: Johann Heinrich Berckemeyer (1794 bis September 1825), Landmann Johann Hinrich Stelter (1825–†1848) und Georg Wilhelm Carstens (1848–1861), der an die Burgfelderstraße Nr. 24 zog. Laut Adressbuch (künftig "AB" geschrieben) war er "Hausmakler und privilegirter Herausgeber der hiesigen Geld- und Wechsel-Course" und hatte zuvor an der Hammer Landstraße Nr. 117 gewohnt. Von 1859–1861 steht er auch als Vogt in den AB. Nachfolgender Grundeigentümer war der Hausmakler Johannes Bade, doch im Straßenverzeichnis der AB fehlt bis 1869 die Hausnummer. Was war wohl geschehen? Bade könnte von seinem Geschäft am Alsterdamm Nr. 9 aus spekuliert, aber keinen Käufer für das alte Haus gefunden haben. Seit 1870 jedenfalls steht er als Bewohner im AB. Nach seinem Tod im Jahre 1878 verkauften die Erben das Grundstück 1880 an den Schlachtermeister Weichard Jacob Eberhard, doch bewohnt wurde das Landhaus seit 1879 vom Kaufmann N.R. Fienemann und seit 1881 von J.H.C. Benthaak. Im Jahre 1882 bezog Eberhard sein Haus selbst, doch verkaufte er es 1889 und zog an die Buchtstraße Nr. 4. Neuer Grundeigentümer wurde Gustav Beit aus der Chemiefabrik "Beit & Philippi" vom Neuen Jungfernstieg Nr. 15, doch wollte er hier nicht wohnen, sondern das Haus vermieten. Mit dem Firmeninhaber Hermann Brauss fand er 1890 einen Interessenten, der sich sogar einen Gärtner leisten konnte: Von 1892–1897 war das Carl Reimann und von 1897–1899 Carl Schiller. Im Jahre 1899 zog Martin Wiede ins Haus, der die Immobilie im Jahr darauf auch erwarb, gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm. Während Martin mit seiner Familie im Haus wohnen blieb, hatte sich Wilhelm gleich westlich daneben eine neue Villa errichten lassen (siehe Nr. 125). Das alte Landhaus, mit Wohnräumen für die jeweiligen Kutscher im hinteren Teil, wurde 1910 abgebrochen, um die Hertogestraße anzulegen.

 

 

 

Horns erste Flurkarte von 1751 zeigt das im Teich stehende Palais und ein im klassizistischen Stil erbautes

stattliches Landhaus, ähnlich dem der Familie Duncker an der Horner Landstraße 246 (rechts).

Auf der Dorfkarte von 1826 ist das Palais nicht mehr zu sehen, dafür aber ein doppelt so großer Teich.

 

Auf der Flurkarte von 1751 steht gleich westlich des Hertoghischen Anwesens ein einstöckiges Haus direkt an der Landstraße. Wem es derzeit gehörte ist nicht bekannt, doch 1771 soll es der Kaufmann Albert Hinrich Adamy (1739–12.3.1799) erworben haben, dessen Hamburger Geschäftsräume an der Gröningerstraße C1 Nr. 63 lagen. Im Jahre 1766 hatte er Margaretha Krohn (1742–1809) geheiratet. Eine Tochter ist noch bekannt. Es war Margarethe Henriette (31.05.1769–09.11.1802), die 1796 den Kaufmann Peter Philipp Schmidt geheiratet hatte. Zum Stammbaum der Adamys gehörten auch Andreas Valentin, getauft am 18. Juli 1745, †12.11.1781, seit dem 16. März 1773 verheiratet mit Wilhelmine Schultz (Juli 1750–10.4.1824) und Bruder Georg Heinrich.  Beide hatten an der Kleinen Beckerstraße die Firma "Adamy Gebrüder" gegründet, die aber im August 1803 bankrott ging. Der alte Adamy wird noch bis zu seinem Tod im Horner Landhaus gewohnt haben, denn ein Protokoll der Landherrenschaft Hamm und Horn von 1797 dokumentiert eine Klage über Aufgrabungen in seinem Garten durch Arbeiter des Nachbarn Johann Hinrich Berckemeyer. Ob die Erben ihr Horner Landhaus noch weiter als Sommersitz bewohnten oder es verkauft hatten, ließ sich bislang nicht erforschen. Eine Karte von 1808 dokumentiert nördlich des verschwundenen alten Landhauses Baulichkeiten, die langgestreckt von Nord nach Süd verlaufen. Leider lässt sich nicht sagen, ob sie noch zu Zeiten der Familie Adamy oder eines nachfolgenden Eigentümers errichtet worden waren.

 

Im Jahre 1816 erwarb der Kaufmann Heinrich Johann Merck (27.2.1770–23.10.1853) das Grundstück. Aus seiner Geburtsstadt Schweinfurt hatte es ihn 1793 nach Hamburg gezogen, wo er mit industriell gefertigten englischen Baumwollgarnen handelte. Während der Kontinentalsperre durch Napoleon erwarb er durch Schmuggel ein bedeutendes Vermögen und war 1813 schon so reich, dass er zusammen mit anderen einen großen Teil der von den Franzosen geforderten hohen Kontributionen zahlen konnte. Speicher und Kontor seiner Firma befanden sich in einem Teil des sogenannten Mortzenhauses in der Straße "Alter Wandrahm", das er 1810 erworben hatte. Aus seiner Heirat mit Maria Catharina Danckert (13.2.1771–8.7.1809) am 9.11.1802 gingen vier Kinder hervor: Heinrich Johann (15.7.1804–18.3.1835), Maria Carolina Friederica (3.7.1806–9.12.1884), Marie Pauline (20.3.1808–23.3.1861) und Carl Hermann (3.5.1809–16.10.1880), später Syndikus zu Hamburg. Nachdem seine Frau kurz nach der Geburt von Carl Hermann gestorben war, heiratete Merck am 14. Oktober 1810 Marianne Rohlffs (12.10.1780–14.4.1853). Mit ihr bekam er die Kinder: Ernst (20.11.1811–6.7.1863), später Kaufmann und Finanzminister des Deutschen Parlaments von 1848 sowie 1863 Mitgründer des Zoologischen Gartens in Hamburg), Molly (10.12.1812–26.10.1897) und Theodor (3.10.1816–21.11.1889), der am 8. Juli 1851 die Hamburger Kaufmannstochter Emilie Amsinck heiratete und Mitinhaber der väterlichen Firma war.

 

Schon vor der Geburt Theodors war das Sommerhaus der Mercks an der Hammerlandstraße Nr. 45 (Hausnummer bis 1868) zu klein geworden, und so erwarb man das einst Albert Hinrich Adamy und seiner Frau Margaretha gehörende Landhaus im Nachbardorf Horn. Aus jener Zeit steht noch heute eine Stiel-Eiche mit einem Stammumfang von fast viereinhalb Metern. Die Dorfkarte von 1826 zeigt zwar immer noch die alten Gebäudeumrisse, doch eine Lithografie von 1836 dokumentiert bereits ein neues Landhaus, das der angesehene Architekt und Baumeister Franz Gustav Joachim Forsmann (1795–1878) im Jahre 1834 errichtet hatte. Merck, der am 3. März 1820 Hamburger Senator wurde, pflegte im geräumigen Gartenhaus auch eine bedeutende Kakteensammlung, deren gedruckter Katalog sogar im Ausland bekannt war. Ein halbes Jahr nach dem Tod seiner Ehefrau starb auch der nunmehr 83-jährige Merck. Sein Sohn Dr. Carl Hermann verwaltete das Erbe, denn noch fünf weitere Kinder hatten ja Ansprüche. Es lag also im Interesse aller, die Immobilie so schnell wie möglich zu verkaufen. Mit dem Grafen Solm fand er 1854 einen Interessenten, den eine zeitgenössische Lithografie von Wilhelm Heuer als Eigentümer dokumentiert. Über den Grafen ist leider nichts bekannt, und auch die AB wiesen seinen Namen nie aus. Die Familiengruft der Mercks befindet sich noch heute im Jakobipark, der 1848 als Friedhof der Hauptkirche St. Jakobi in Hamburg-Eilbeck angelegt worden war.

 

Am 8. Oktober 1858 verkaufte Graf Solm sein 28.877 qm großes Anwesen an den Kaufmann Friedrich Julius Leser vom Alsterwall Nr. 4, der das Landhaus jedoch nur in den wärmeren Monaten nutzte. Im Spätsommer 1872 ließ er am nördlichen Arealrand ein Stallgebäude nebst Kutscherwohnung errichten und den Eiskeller überdachen. Auch das frei stehende strohgedeckte Eishaus konnte bis Ende Oktober erneuert werden und bestand nun aus Fachwerk und einem Schieferdach.

 

Im Frühjahr 1875 wurde Ludwig Friedrich Blohm (13.1.1837–26.3.1911) neuer Grundeigentümer. Sein Vater Georg (9.11.1801–6.3.1878) war 1825 nach Saint-Thomas in die Karibik ausgewandert und vier Jahre darauf nach La Guayra gezogen, um dort ein Handelsgeschäft zu gründen. Als sich bald der große Erfolg einstellte, gelang die Familie zu Ansehen und Einfluss. Am 28.5.1834 heiratete Georg Blohm seine Verlobte Anna Margaretha Lind (14.12.1807–10.10.1878), die in Dänisch-Westindien geboren wurde. Der erworbene Wohlstand ermöglichte es Blohm, bereits im Alter von 42 Jahren in seine Heimatstadt Lübeck zurückzukehren, um so einen ordnungsgemäßen Schulbesuch für seine vier Söhne sicherzustellen. Die beiden ältesten, Georg Heinrich (14.7.1835–16.1.1909) und Ludwig Friedrich, führten später die begonnenen Handelsaktivitäten in Venezuela und Hamburg fort. Ihre Schifffahrtsgesellschaft z.B. beförderte Post zwischen La Guayra, Puerto Cabello, St. Thomas (Dänische Antillen) und Curacao. Um 1863 gab diese sogar eigene Briefmarken heraus! Wilhelm, der dritte Sohn, wurde Gutsherr auf Viecheln in Mecklenburg, und Hermann Blohm (23.6.1848–12.3.1930) gründete am 5. April 1877 zusammen mit Ernst Voss in Hamburg das spätere Weltunternehmen "Blohm & Voss".

 

Seit dem 14. August 1876 besaß das Weinhaus eine Warmwasserheizung, und am 25. Februar 1878 wurde auch noch ein Fruchthaus fertiggestellt. Nachdem die Villa im Jahre 1889 vergrößert worden war, erstrahlte auch ihr Äußeres in neuem Glanz. Über der Veranda gab es einen großen Balkon, und das jetzt höhere Dach hatte man mit schmiedeeisernem Zierrat versehen. 1896 wurden Remise und Pferdestall derart erweitert und umgebaut, dass auch Obergärtner Rudolf Bünger sowie Kutscher und Stallbursche hier wohnen konnten. Ein Jahr darauf entstand ein noch größeres Gewächshaus. In seiner Ausgabe vom 8. Dezember 1900 lobte das "Hamburger Fremdenblatt" den Park mit seinen wertvollen Pflanzen und gefüllten Gewächshäusern: Dieser Garten braucht den Vergleich mit den berühmtesten Gartenbesitzungen in Harvestehude nicht zu scheuen.“ Schon ein paar Monate später erhielt das Anwesen elektrische Beleuchtung. Als am 29. August 1903 das Gerüst des Gewächshauses einstürzte, wurden drei Arbeiter unter den Trümmern begraben. Zwei verletzten sich dabei schwer, einer leicht.

 

Nachdem Blohm gestorben war, lebte die Witwe noch bis zu ihrem Tod am 28. Oktober 1916 in der Villa. Sie wird wohl keine Räume vermietet haben, denn die AB vermerkten keine sonstigen Bewohner. Erst unter den neuen Eigentümern Peter Siemsen und Professor Eduard Arning zogen am 15. Oktober 1919 Albert Carl Eduard Fleck (1861‒1920) und seine Ehefrau Emma Caroline (1862‒1824) ins Dachgeschoss. Ihre Kinder waren Elsa Maria (1888), Helene Martha Margarethe (1892), Olga Elisabeth (1895) Kurt Johann (1900) und Heinrich Hans (1904). Zwei bereits verstorbene Kinder waren Emma Katharina (1890–1907) und Albert Wilhelm (1893 geboren, aber am 3. Juni 1918 im Krieg gefallen). Weitere Mietparteien waren in der Kellerwohnung der Bürobeamte August Ey (†1921), danach die Witwe, im Erdgeschoss der Prokurist Martin Schubarth und im Obergeschoss der Prokurist H. Peters sowie Kaufmann Rudolf Wassmann.

 

Im Frühjahr 1921 wurden Wintergarten und das Gewächshaus nebst Kuppelhalle abgebrochen.

 

Der Park könnte heute auch "Hinrichsen Park" heißen, denn letzter Grundbesitzer war Claus Heinrich Hinrichsen, der das Grundstück im Januar 1922 von Blohm’s Erben erwarb und hier einzog. In den wenigen Jahren als Eigentümer konnte Hinrichsen das Gelände jedoch nicht neu prägen. Seine Absicht, es mit kleinen Villen im Stil der westlich des Parks gelegenen Feck’schen Häuser bebauen zu lassen, stieß auf den Widerstand der Genehmigungsbehörden, die immer wieder neue Auflagen machten. Am 21. August 1928 überließ Hinrichsen die Immobilie der Finanzdeputation Hamburg und bekam dafür das von den Straßen Beim Pachthof, Pagenfelder Straße, Bei der Martinskirche und Scheteligsweg begrenzte Grundstück. Er selbst wohnte noch einige Jahre als Pächter in der alten Villa.

 

Zunehmend verwilderte der Park, und erst 1934 machte die Stadt aus dem Areal für 67.000 Mark eine öffentliche Grünanlage, begrenzt im Norden von der Straße Beim Rauhen Hause, im Osten von der Hertogestraße, im Süden von der Horner Landstraße und im Westen von einem Fußweg, der ab 15. Juli 1929 "Kernbek" heißt, einst auch als "Brauertwiete" oder "Weg Nr. 389" bezeichnet worden war. An der Nordostecke der Westwiese, im Bauwinkel von Pferdestall und Remise (Kutschenraum), luden jetzt idyllische Sitzreihen zum Verweilen ein. Den ehemaligen Parkteich hatte man zugeschüttet und in der Senke eine Freilichtbühne angelegt, die bald so begehrt war, dass sie erweitert werden musste. Alljährliche Volksbelustigungen, Kinderfeste sowie Schul- und Vereinsvorführungen blieben den Zeitzeugen noch lange in schöner Erinnerung. Hier formierten sich auch die beliebten Musik- und Laternenumzüge, um sich später am selben Ort wieder aufzulösen.

 

Bis zu ihrer Zerstörung im Jahre 1943 war in der "Villa Blohm" die Kreisleitung des Kreises V. der NSDAP untergebracht. Dazu gehörte die Deutsche Arbeits-Front (D.A.F.) und die N.S.-Rechtsbetreuungsstelle. Bis Kriegsende wurde noch in einer Baracke weitergearbeitet.

 

"Blohm’s Park" hatte sehr unter dem Krieg gelitten, wurde aber leider nicht so großzügig erneuert wie der Hammer Park. Nachdem die Reste der zerstörten Villa im Frühjahr 1950 gesprengt und beseitigt worden waren, begannen gleichenorts Ende November die Bauarbeiten für das Jugend-Europa-Haus. Sie Idee hierzu hatte der dänische Theologe und Dramatiker Karl Nielsen, der hier die Zusammenarbeit zwischen den Völkern fördern wollte. Unter dem Vorsitz von Professor Sieverts vom Seminar für Jugendstrafrecht war der "Verein Jugend-Europa-Haus" gegründet worden und zwar auf Anregung der Dänischen Gesellschaft für zwischenvölkische Zusammenarbeit "Mellemfolkeligt Samvirke", die schon seit langem ein solches Haus in Hamburg errichten wollte. Treffen sollten sich hier einheimische und zu Gast in der Hansestadt weilende Jugendliche. Ein dänischer Zimmermann und freiwillige Helfer der Organisation "Internationaler Zivildienst" setzten alles zügig um, sodass schon am 1. März 1951 die Eröffnungsfeier stattfinden konnte. Die Menschen des Stadtteils schätzten das im Stil eines Norwegerhauses erbaute "JEH", denn für Kinder und Jugendliche war es Treffpunkt in einer noch immer düsteren Trümmerlandschaft. Im Jahre 1959 erweiterte man das Haus und beschäftigte fortan zwei Mitarbeiter. Nachmittags war Frau Steen für die Kinder zuständig, abends Herr Brahms für die Jugendlichen (seit April 1964 Herr Schuster). An Tanzabenden spielten Rock- und Beatbands und über alle Ereignisse informierte die von Heinz Dofflein herausgegebene Heimzeitung "Punkt". Gerd Rasquin (22), später Pädagoge und Heimatforscher, gründete hier 1966 als Interessengruppenleiter "Circus Blomi", den ersten Kinderzirkus in Deutschland!

 

Aus dem heruntergekommenen Areal der ehemaligen Freilichtbühne war Anfang der 1960er Jahre ein Kinderspielplatz geworden, und an der Nordostecke des Parks entstand 1970 zusätzlich ein Waldspielplatz. Mit einer Schachecke und Skatplätzen war aber auch an die Erwachsenen gedacht worden.

 

Das Jugend-Europa-Haus wurde 1967 zur Dänisch-Deutschen Akademie, und nach 16-jähriger erfolgreicher Arbeit übergab Pastor Karl Nielsen (72) im Mai die Leitung des Hauses an seinen Landsmann Børge Mølgaard Madsen (*29.5.1920). Von Januar 1970 bis 1998 war dann Carl Nyholm Direktor.

 

Der neben dem Tagungsraum liegende östliche Bereich wurde 1982 abgebrochen und durch einen großen Neubau ersetzt, den man am 4. November 1983 festlich einweihen konnte. Bei den Umbauarbeiten war man übrigens nicht nur auf Backsteinmauern der einstigen Villa gestoßen, sondern auch auf ihren ehemaligen Brunnen. Der war so tief, dass man nicht bis auf den Boden hinunterblicken konnte. Er befand sich einst innerhalb der Villa, denn erst ab 1874 gab es in Horn eine städtische Wasserversorgung. Der Brunnen wurde seinerzeit aber nicht zugeschüttet, sondern mit einer Betondecke versehen, über welcher heute der Tagungsraum liegt. Nachdem Dänemark die Akademie im Frühjahr 1999 aus finanziellen Gründen aufgeben musste, wurde Hamburg am 1. Juni Eigentümer des Objekts, das sich fortan Europa Gästehaus nannte.

 

Collage

 

Ehemaliges Gartenhaus - Landkarte von 1826 - Villa Blohm von der Marsch aus gesehen - Remise - Villa 1937 - Hangwiese

Freilichtbühne in den 1950er Jahren - Jugend-Europa-Haus 1967 (einst Standort der Villa) - Löwe und Eiche im Spätsommer 2001

 

An vergangene Zeiten erinnert heute nur noch weniges:  Der Name Blohm, die Hertogestraße und die den einstigen Parkteich umsäumenden alten Bäume aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Neben der wunderschönen Doppel-Blutbuche auch Horns ältester Baum, eine Eiche mit fast viereinhalb Metern Stammumfang, die wohl Grundeigentümer Merck 1817 als zehnjähriges Bäumchen setzen ließ. Man findet sie direkt neben einer Löwen-Plastik, die seit Herbst 1874 bis Juli 1943 zur Freitreppe des Ohlendorff’schen Palais an der Burgstraße in Hamburg-Hamm gehörte. Doch das ist eine andere Geschichte, nämlich die vom

 

"Eisernen Löwen"