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Copyright:  Gerd Rasquin  -  September 2007

 

 

 

 

 

 

Die Geschichte vom Eisernen Löwen (Textgrafik)

 

Löwe vor dem Ohlendorff'schen PalaisGärtnerfamilie

 

Im Jahre 1874 war in Hamburg-Hamm, gleich nördlich des heutigen U-Bahnhofs Burgstraße, für 450.000 Goldmark ein prächtiges Palais im Renaissancestil entstanden, das "Guano-König" Heinrich Freiherr von Ohlendorff (17.3.1836-3.7.1928) gehörte. Mit einem Maskenball am 6. Februar 1875 stellte er sein neues Domizil einer aus Rang und Namen bestehenden Öffentlichkeit vor. Reich geworden war er durch Vogelmist, denn peruanischer Guano war seinerzeit ein wertvolles Düngemittel.

 

Ohlendorff, Sohn des ersten Direktors des 1820 gegründeten Botanischen Gartens, war am 28. Januar 1860 auch an der Gründung der "Zoologischen Gesellschaft zu Hamburg" beteiligt, die am 17. Mai 1863 einen Tierpark auf dem Gelände des späteren "Planten un Blomen" eröffnete, und deren Präsident er einmal werden sollte. So hatte der König der Tiere für ihn eine ganz besondere Bedeutung und musste selbstverständlich zur Freitreppe seines neuen Palais gehören. Gleich zwei dieser gusseisernen Plastiken, schon in der Antike herrschaftliche Symbole für Wohlstand und Macht, ließ Ohlendorff anfertigen. Wer die breite Treppe hinaufstieg sah rechts den sitzenden und links einen kauernden Löwen.

 

Am Derby-Sonntag 1875 begann im Ohlendorff'schen Palais die Tradition des so genannten "Rennfrühstücks", die sich bis 1914 fortsetzte. Der reiche Kaufmann war nämlich dem Galopp-Rennsport verbunden, zwischen 1878 und 1919 sogar Vorstands- und Ehrenmitglied des Hamburger Renn-Clubs. Am Derby-Sonntag 1878 hatte das Rennfrühstück einen besonders hohen Gast: Ulysses Simpson Grant, von 1869 bis 1877 achtzehnter Präsident der USA!

 

Ohlendorffs Ernennung zum erblichen Stand des Freiherrn stammt aus dem Jahre 1889. Es war der Dank des damaligen Kaisers Wilhelm II. dafür, dass er sich für den Zollanschluss Hamburgs an das Deutsche Reich eingesetzt hatte.

 

Die Ohlendorffs waren eine große Familie, denn zwischen 1865 und 1880 wurden zehn Kinder geboren. Zwei Jahre nach dem Tod des Vaters verkaufte Sohn Hans das Anwesen 1930 für 685.000 Mark an Hamburg. Bald darauf eröffnet man den "Ohlendorff'schen Park" als öffentliche Grünanlage.

 

Im Juli 1943 wurde das schöne Palais völlig zerstört. Als "letzte Säulen verschwundener Pracht" blieben nur die beiden Löwen. Nach Kriegsende transportierte man sie auf das Betriebsgelände im Hammer Park. Der kauernde Löwe verschwand später spurlos, der andere wurde auf einem Rollbrett zum "Blohm's Park" gezogen. Dort stand er viele Jahre lang auf dem Vorplatz des Gärtnerhauses, in dem seit 1956 Arno Behrens mit seiner Familie wohnte. Vermutlich hat der ihn auch hierher gebracht, was er jedoch nicht bestätigen wollte. Anfang der 1960er Jahre stellte man den Löwen neben die uralte Eiche am neuen Kinderspielplatz, der auf dem Gelände der ehemaligen Freilichtbühne entstanden war.

 

Sabrina Szeroka vom Horner TV mit Löwe und Eiche

 

Der alte Löwe muss wahrlich bessere Zeiten erlebt haben, denn Löcher in seinem "Pelz" und die zeittypischen Farbschmierereien lassen ihn recht traurig aussehen. Täglich jedoch kommen viele Menschen vorbei, die sich an ihm erfreuen. Wie damals im Februar 1875, an seinem wohl stolzesten Tag…