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­­­­Copyright:  Gerd Rasquin  -  September 2007, letztmalig bearbeitet im Februar 2018

 

 

 

 

 

 

Die Geschichte vom Eisernen Löwen (Textgrafik)

 

Löwe vor dem Ohlendorff'schen PalaisGärtnerfamilie

 

Seit dem 13. Mai 1872 (Grundsteinlegung) war auf einem 62.000 qm großen Grundstück, gleich nördlich des heutigen U-Bahnhofs Burgstraße, für 450.000 Goldmark ein prächtiges Palais im Renaissancestil entstanden, das dem Kaufmann und Freiherrn Heinrich Jacob Bernhard von Ohlendorff (17.3.1836‒3.7.1928) gehörte. Im Spätsommer 1874 hatte er es mit Ehefrau Elisabeth und seinen neun Kindern bezogen und am 6. Februar 1875 einer aus Rang und Namen bestehenden Öffentlichkeit, im Rahmen eines Maskenballs, vorgestellt. Reich geworden war er durch den Handel mit peruanischem Vogelmist, einem seinerzeit wertvollen Düngemittel. Das brachte ihm auch den Namen "Guano-König" ein.

 

Ohlendorff, Sohn des ersten Direktors des 1820 gegründeten Botanischen Gartens, war am 28. Januar 1860 auch an der Gründung der "Zoologischen Gesellschaft zu Hamburg" beteiligt, die am 17. Mai 1863 einen Tierpark auf dem Gelände des späteren "Planten un Blomen" eröffnete, und deren Präsident er 31 Jahre lang war. Gleich zwei eiserne Löwenplastiken hatte er für die Freitreppe zu seinem Palais anfertigen lassen. Rechts saß dann ein sitzender und links ein kauernder Löwe.

 

Ohlendorff war auch dem Galopp-Rennsport sehr verbunden, zwischen 1878 und 1919 sogar Vorstands- und Ehrenmitglied des Hamburger Renn-Clubs. Am Derby-Sonntag, dem 11. Juli 1875, begann im Palais eine Tradition, die bis 1914 andauern sollte und als "Rennfrühstück" bekannt wurde. 1878 kam ein besonders hoher Gast: Ulysses Simpson Grant, von 1869 bis 1877 der 18. Präsident der USA! Ohlendorff hatte ihn zum 4. Juli (Independence Day), zusammen mit dem Konsul und weiteren in der Hansestadt lebenden Amerikanern eingeladen. Weil die Grants aber schon am 6. Juli in Kopenhagen erwartet wurden und somit nicht am Tag darauf das Derby auf der Horner Rennbahn besuchen konnten, hatte Ohlendorff das "Rennfrühstück" einfach um einen Tag vorverlegt.

 

Zwei Jahre nach dem Tod des Vaters verkaufte Sohn Hans das Anwesen 1930 für 685.000 Mark an Hamburg. Bald darauf wurde der "Ohlendorff'schen Park" eine öffentliche Grünanlage.

 

Im Juli 1943 wurde das schöne Palais völlig zerstört. Als "letzte Säulen verschwundener Pracht" blieben nur die beiden Löwen. Nach Kriegsende transportierte man sie auf das Betriebsgelände im Hammer Park. Der kauernde Löwe verschwand später spurlos, der andere wurde auf einem Rollbrett zum "Blohm's Park" gezogen. Dort stand er viele Jahre lang auf dem Vorplatz des Gärtnerhauses, in dem seit 1956 Arno Behrens mit seiner Familie wohnte. Vermutlich hat der ihn auch hierher gebracht, was er jedoch nicht bestätigen wollte. Anfang der 1960er Jahre stellte man den Löwen neben den ältesten Baum in Horn, die uralte Eiche am neuen Kinderspielplatz, der auf dem Gelände der ehemaligen Freilichtbühne entstanden war.

 

Sabrina Szeroka vom Horner TV mit Löwe und Eiche

 

Der alte Löwe muss wahrlich bessere Zeiten erlebt haben, denn Löcher in seinem "Pelz" und die zeittypischen Farbschmierereien lassen ihn recht traurig aussehen. Täglich jedoch kommen viele Menschen vorbei, die sich an ihm erfreuen. Wie damals im Februar 1875, an seinem wohl stolzesten Tag…