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Im Herbst 1998 erstellt und ständig ergänzt, letztmalig im November 2016.

 

 

 

Unsere heutige nordelbische Landschaft wurde gestaltet, als die Gletscher der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit) auf der Linie Rahlstedt–Stemwarde–Grande zum Stehen kamen und ihre mitgeführten Gesteins- und Sandmassen in Form bewegter Höhenzüge ablagerten. Beim Abschmelzen vor 11.500 Jahren entstanden dann riesige Sandflächen, die uns heute als Geest bekannt sind. Auch in Horn braucht man nur einen Meter tief zu graben, um auf feinsten weißen Sand zu stoßen, wie er an den Stränden der Ostsee zu finden ist. Beim Abwasserkanalbau im Jahre 2008 fand man in 18 Metern Tiefe unter dem Sandkamp sogar Bernsteine, die aber wohl aus der Saale-Eiszeit stammten, 300.000 bis 130.000 Jahre vor unserer Zeit.

Beerensammler und Jäger könnten bereits zur mittleren Steinzeit unsere Landschaft durchstreift haben, doch in Horn fand man bislang nicht einmal irgendetwas aus der frühen nachchristlichen Zeit. Auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens und im südlichen Schleswig-Holstein lebten jahrhundertelang Sachsen, ein westgermanischer Volksstamm. Die Menschen im Raum um Alster und Bille wurden  Stormare genannt.

Nachdem das Gebiet anno 810 ins Fränkische Reich Karls des Großen (747814) eingegliedert worden war, entstand zur Sicherung des eroberten Territoriums die Hammaburg. Mit der Errichtung einer kleinen Holzkirche, im Jahre 831 zum Bischofsitz unter Ansgar (801–865) erhoben, begann die Christianisierung der noch dünn besiedelten heidnischen Gebiete nördlich der Elbe. Hamburg sollte jedoch noch lange ein unbedeutender Siedlungsort bleiben. Noch um 1100 lebten hier lediglich fünfhundert bis eintausend  Menschen.

Erst im Jahre 1111, als Graf Adolph I. von Schauenburg (*vor 1280, †13.11.1130) Holstein und Stormarn vom Sachsenherzog Lothar III. von Supplinburg (10751137) als Lehen erhalten hatte, wurde eine wirtschaftliche Entwicklung spürbar, denn die Schauenburger (ab etwa 1480 "Schaumburger" geschrieben) statteten ihr Territorium bald systematisch mit Städten aus.

Es waren schwere Zeiten, denn nach außen mussten Dänen und Slawen abgewehrt, nach innen aber sollte eine echte Landesherrschaft aufgebaut werden. Schon Graf Adolf II. (1128‒6.7.1164) konnte die Schauenburger Herrschaft* in Holstein und Wagrien sicherstellen, gründete im Jahre 1143 Lübeck, Nachfolger Adolf III. (1160‒3.1.1225) anno 1188 die Hamburger Neustadt.

*In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts spalteten sich die Schauenburger in verschiedene Linien auf, genannt nach den neugegründeten Städten. Es gab nun die "Kieler", die "Itzehoer", die "Plöner", die "Rendsburger" und die "Pinneberger" Linie. Begründer der Kieler Linie war Johann I. (1229–20.4.1263), die Söhne Adolf V. (1252–1308) und Johann II. (1253–1321) wurden seine Nachfolger. Anfangs besaßen diese beiden Grafen-Brüder gemeinsam ein zusammenhängendes Gebiet, das von der Elbe in der Kremper Marsch bis an die Ostsee bei Kiel reichte und viele holsteinische, stormarnische und wagrische Kirchspiele umfasste. Später kam noch der südöstliche Teil Stormarns an der Bille hinzu. Nach einigen Jahren gemeinsamer Herrschaft teilten sie 1273 jedoch das Gebiet. Horn gehörte nun zum Herrschaftsbereich Adolf V. (siehe 1306).

Unweit des befestigten Hamburgs siedelten sich bald immer mehr Menschen an. Der Uferrand des Elbe-Urstromtals war ein idealer Lebensraum, mit weitem Marschland im Süden sowie Teichen, Wiesen und reichem alten Baumbestand auf der Geest. Dem horn-artigen Ausläufer des einstigen Hammer Waldes könnte der heutige Stadtteil seinen Namen verdanken.

Zu Besitz- und Eigentumsverhältnissen in Hamburg und näherer Umgebung gibt es erst seit Einführung des Grundbuchwesens im Jahre 1243 spärliche Hinweise. Rechtsgeschäfte trug der Stadtnotar ins Stadtbuch ein. Erster namentlich bekannter Stadtnotar in der Zeit von 1236‒1269 war Jordan von Boizenburg. Seit 1248 weist ein "Stadterbebuch" die Hamburger Grundbesitzer aus. Horn betreffend wurde im 13. Jahrhundert aber noch nichts vermerkt. Das sollte sich erst mit dem Landerbebuch von 1527 ändern.

1247

In Zusammenhang mit Hamburg wurde erstmalig der Begriff  "Hospital zum Heiligen Geist" urkundlich erwähnt. Hierbei kümmerten sich Klosterfrauen um Arme und Kranke. Das Gebäude befand sich vor der ältesten westlichen Stadtmauer am Ende des Großen Burstah. Das Hospital sollte in den folgenden Jahrhunderten auch in Horn von Bedeutung sein, allerdings nur im Rahmen von Grundeigentum und Verpachtung.

1255

Am 18. März vereinbarten Hamburg und Lübeck die Herausgabe einer gemeinsamen Währung und regelten deren Silbergehalt. Die aufgrund dieser Münzkonvention entstandene lübisch-hamburgische Mark wurde in kurzer Zeit zur gebräuchlichsten Währung im Einflussbereich der Hanse. Jede Mark gemünzten Silbers war 192 Pfennige wert. Der Begriff "Mark" kennzeichnete eine Gewichtseinheit für Edelmetalle.

Erstmalige Erwähnung der heutigen Hamburger Hauptkirche St. Jacobi, anfangs nur eine kleine Kapelle. Bis zum Jahre 1629 war St. Jacobi zuständige Pfarrkirche für Horn.

1258

Vom Deichtor bis Billwärder wurde der gesamte Hammerbrook eingedeicht, um das Gebiet vor dem Hochwasser von Elbe und Bille zu schützen und somit auch nutzbar zu machen.

1270

In einem Nekrologium (Kirchenbuch mit Totenverzeichnis) ist unter dem 21. April folgende Eintragung zu finden: "Anno Domini obiit Bruno prepositus Lubicensis et scolasticus Hammenburgensis, qui dedit ecclesie duo frusta in palude circa Horne, de quibus dabitur sua memoria."  Übersetzt: "Im Jahre des Herrn starb Bruno, Lübecker Probst und Hamburger Gelehrter. Seiner gedenk vermachte er der Kirche zwei Landstücke im Marschland bei Horn."    Probst Bruno war bereits 1239 in Zusammenhang mit der Steinbeker Kirche erwähnt worden.

1306

Erstmalige urkundliche Erwähnung Horns, als Graf Adolf V. (1252‒1308) dem Hamburger "Hospital zum Heiligen Geist" das Eigentum an einem Hof (curia) "in Horne" und die Gerichtsbarkeit darüber bestätigte. Den Hof besaß vorher der Ritter Heinrich von Wedel (†23.5.1346), der ihn wiederum vom Hamburger Domherrn Siegfried von Herslo (†7.10.1303) erworben hatte. In Horn müsste es demnach schon mindestens in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts einen Hof auf dem Geesthang gegeben haben, doch seine genaue Lage und die späterer Höfe und Katen lässt sich bis 1663 nur vermuten.

Anmerkung: Das Rittergeschlecht des altsächsischen Bauernadels "von Wedel" hatte in Lehnsabhängigkeit von den Schaumburger Grafen großen Grundbesitz in Stormarn erworben. Nachdem Heinrich von Wedel seinen Horner Hof abgegeben hatte, erwarb er noch im selben Jahr zweieinhalb Hufen in Steinbeck. Er und sein Bruder Johannes waren die Kinder von Nikolaus und Mechthild von Wedel.

Im "Register zum Erbebuch von St. Jacobi" wird Horn von 1274–1454 nicht erwähnt, wohl aber die Orte Hamme, Hammerbroke, Osterbroke und Steenbeke. Dabei war unser Heimatgebiet seinerzeit noch so dünn besiedelt, dass schon drei Katen für eine Erwähnung als Ort ausgereicht hätten. Hamburg hatte derzeit erst etwa 5.000 Einwohner.

1319

Graf Adolf VI. (1256–13.5.1315) verkaufte die Gerichtsbarkeit über Hamm und Horn für 200 Mark an den Ratsherrn Heinrich Blomenberch und seinen Schwiegersohn Heinrich von Nesse. Später wurden beide Dörfer jedoch wieder eingelöst.

1346

Im Sommer bestätigte Johann III. (*um 1297–27.9.1359), Graf von Holstein und Stormarn, dem Hamburger Bürger Hellingbern von Hetfelt seinen Horner Grundbesitz, der vermutlich aus Gärten und Wiesen am südöstlichen Dorfrand bestand.

1347 

29. Juni: Graf Johann III. bestätigte dem Hamburger Bürger Daniel vom Berge den Zehnten zweier Höfe in Horn und die Gerichtsbarkeit darüber.

In Mitteleuropa breitete sich die Pest aus, auch "Schwarzer Tod" genannt. Zwölf genuesische Handelsschiffe, von der Schwarzmeerküste kommend, hatten Anfang Dezember 1347 ihre Ladung im Hafen von Messina (Sizilien) gelöscht. Wenig später grassierte in ganz Unteritalien eine furchtbare Krankheit. Die Menschen bekamen Beulen in der Leistengegend und unter den Achseln, begannen unter extremen Schmerzen Blut zu spucken, und ihre Haut bedeckte sich als Folge innerer Blutungen mit dunklen Flecken. Wenige Tage später starben sie am "Schwarzen Tod", wie man die Beulenpest und ihre besonders tückische Variante die Lungenpest seinerzeit nannte. Im Jahre 1349 erreichte die Seuche Hamburg. Von 21 Ratsherren starben 16, doch Bürgermeister Nicolaus Fransoyser blieb verschont.

1350

Auch bei vielen einfachen Leuten wurden jetzt Familiennamen üblich.

1362 

16. Januar: Die Sturmflut "Grote Mandrenke" soll im Elbbereich einhunderttausend Tote gefordert haben, doch die gefährdete Horner Marsch war seinerzeit noch nicht besiedelt.

1372

Ab 6. Januar fiel viel Schnee und es begann ein harter Winter. Der Herbst aber war trocken und bescherte eine gute Ernte.

1383 

18. Oktober: Erstmalige Erwähnung Horns als Dorf. In einer Urkunde hatte der holsteinische Graf Adolf  VII. (*um 1327‒26.1.1390) unter anderem geschrieben, dass er dem Rath der Stadt Hamburg und ihren Nachkommen "den ganzen Hammerbrok mit dem dorpe, dat geheten is Horne" für 650 Mark Pfennige verkauft, sich aber das Wiederkaufsrecht vorbehält.

1407/1408

Sehr strenger Winter, in Deutschland auch "Der große Winter" genannt. Er begann am 11. November und endete am 27. Januar. Alle Flüsse waren stark vereist und vielfach sogar zugefroren. Am 28. Januar setzte starkes Tauwetter ein, das für starke Überschwemmungen sorgte.

1410

Der Rat der Stadt Hamburg fasste seine Erwerbungen in Hamm und Horn sowie die Deichgenossenschaft des Hammerbrooks unter einer einheitlichen Verwaltung zusammen, der Landherrenschaft von Hamm und Horn. Sie betraf ein weit größeres Gebiet als die beiden heutigen Stadtteile. Zu ihr gehörten der Borgesch und das Neue Werk (heute St. Georg), das Borgfeld, der Hammerbrook vom Deichtor bis zum Ausschläger Weg, die Kuhmühle, Papenwerder (heute Uhlenhorst) sowie Fuhlsbüttel, umgeben von klösterlichem Gebiet.

Die Bürgerschaft beklagte sich im März 1595, dass alle Bürgermeister die Ämter jährlich nicht nach Alter und Wahlzeit an die Ratsherren verteilten, sondern nach Gunst und Freundschaft. Wenn Ratsherren den Bürgermeistern widersprächen gab man ihnen die geringsten und schlechtesten Ämter; die aber mit ihnen hielten, die besten und bequemsten. Darum sollten die Ämter nach Wahlzeit und Dienstalter der Ratsherren auf Lebenszeit vergeben werden. Verstürbe einer im Amte, sollte der nächste im Amte folgen. Nun fand sich, dass das Dienstalter der Landherren von Hamm und Horn und der Mühlenherren in Fuhlsbüttel das gleiche war.

Anmerkung: Der Jurist Kurt Koepke (†25.12.2008) meinte einst dazu, dass die Bezeichnung "Landherrenschaft von Hamm und Horn" eigentlich eine Anmaßung war, denn die sieben Höfe des Domkapitels unterstanden den Landherren in keiner Weise. Aus dem Nebeneinander zweier Grundherren in einem Dorfe ergaben sich aber immer wieder Probleme. Deshalb verkaufte das Domkapitel seinen Besitz im Jahre 1566 an den Hamburger Rat, weil… die zertheilte Jurisdiction auf Dauer nitt hat können exercireth werden".

1412

22. November: Große Sturmflut am "Cäcilientag". Trotz geschätzter dreißigtausend Toter hatte es in Horn wohl keine Opfer gegeben, denn die Marsch war immer noch nicht besiedelt, diente lediglich als Acker- und Weideland.

1459 

4. Dezember: Im Alter von 58 Jahren starb in Kiel der letzte Schaumburger Graf holsteinisch-rendsburgischer Linie, der kinderlos gebliebene Adolf VIII. Um Schleswig und Holstein zusammenzuhalten, wählten die Stände beider Länder (Adel, Städte und einige kirchliche Einrichtungen) am 5. März 1460 seinen Neffen, König Christian I. von Dänemark, zum Herzog von Schleswig und Grafen von Holstein. Die Ansprüche des eigentlich erbberechtigten Schaumburgers Otto II. der Linie Holstein-Pinneberg wurden übergangen. Die Grafschaft Holstein blieb Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und wurde am 14. Februar 1474 vom habsburgischen Kaiser Friedrich III. in Rothenburg ob der Tauber als reichsunmittelbares Lehen zum Herzogtum Holstein erhoben. Der dänische König Christian I. wurde dadurch als Herzog von Holstein zum Lehnsmann des Kaisers, nachdem er in Ripen die Rechte des Adels in den Herzogtümern Holstein und Schleswig bestätigt hatte. Seit dem 5. März 1460 begann bei den heutigen Straßen Horner Brückenweg und Legienstraße also das dänische Herzogtums Holstein, über 400 Jahre lang eine für Hamburg nicht gerade konfliktfreie Zeit.

1464

Das "Hospital zum Heiligen Geist" verkaufte seinen Hof in Horn an die Familie Soltow (Soltau), die jahrhundertelang auch in Jenfeld Bauerngeschichte schreiben sollte. Dort ist erstmals 1492 ein Henning Soltow urkundlich nachweisbar. Der Hof in Horn bestand aus den später als "Großer bzw. Kleiner Pachthof" bezeichneten Arealen nebst Marschland.

Hamburg wurde wieder einmal von der Pest heimgesucht. Von etwa 10.000 Einwohnern starb rund ein Zehntel.

1465

Der mecklenburgische Adlige Albert Brämbse soll acht Häuser und vier Scheunen Horns niedergebrannt und sich damit am Leiter des Hamburger Domkapitels Dekan Hinrich Pommert gerächt haben, der über ihn den Kirchenbann ausgesprochen hatte.

1490/1491

Sehr kalter Winter.

1513

Schon Mitte November begann ein sehr strenger Winter, der bis zum 15. Januar dauerte. Vielerorts konnte man die Elbe zu Fuß sicher überqueren.

1529

Hamburg und damit auch die Landherrenschaft von Hamm und Horn schlossen sich der Reformation Martin Luthers an. Horns zuständiges Kirchspiel St. Jacobi wurde evangelisch und selbstständig (siehe auch 1255).

1534

Seit diesem Jahr gab es ein "Landbuch", in dem fortan alle Eigentumswechsel vermerkt wurden. Der erste Protokollant (Actuar) trug alles seit 1527 nach. Dieses Landbuch wurde auch "Verlassungsbuch" oder "Landerbebuch" genannt und war ein Vorläufer unseres heutigen Grundbuchs.

1554

Hamm und Horns ältestes Landbuch enthielt erstmals einen die Hohle Rönne betreffenden Eintrag: "Veer morgen landes so da belegen sin bi der holen Rönne twischen Herrn Peter van Spreckelsen und des rades lande von dem Heerwege beth an den Bilstrom".

Anmerkung: Peter van Spreckelsen war Hamburger Bürgermeister in den Jahren 1538–1553.

1557 

10. Februar: Die Frau des Horner Hufners Arends wurde bei der Hohlen Rönne von einem Wolf zerfleischt, der urplötzlich aus dem dortigen Gehölz sprang. Sie starb drei Tage später an ihren schweren Verletzungen. Auf Anordnung des Landherrn jagte man den Wolf, spürte ihn auf dem Gehöft von Jasper Buchwald in Horn auf, tötete das Tier und hängte es an eine Eiche am Heerweg (Horner Landstraße).

Anmerkung: Hamburger Landherren nahmen die Rechte der Stadt wahr und wurden hierbei von Land- und Bauernvögten unterstützt, die wiederum mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattet waren. Die Landherren waren Mitglieder des Hamburger Rats, also Ratsherren, heute als Senatoren bezeichnet.

1568

Nach dem Hofbesitzer Hermann Soltow verstorben war, wurden mehrere Morgen Landes an die Erben verteilt. Weiter unter 1615!

1573

Extrem kalter Winter in Deutschland. Der Bodensee war bis zum 1. April sechzig Tage lang vollständig zugefroren!

1600

Hamburg hatte etwa 40.000 Einwohner. Eine Landkarte, die auch umliegende Dörfer zeigt, weist in Horn fünfzehn Gebäude aus. Südlich des Heerweges, zwischen heutiger Hertogestraße und Nedderndorfer Weg, erkennt man sechs Objekte, gegenüber an der Ecke Bauerberg noch einmal vier. Die restlichen Häuser stehen am Bauerberg, der seinerzeit jedoch nur bis Höhe heutiger O’Swaldstraße bebaut war. Rechnet man für jedes Haus fünf bis acht Bewohner, lebten damals wohl etwa einhundert Menschen im Dorf. Eine 1588 entstandene Ansicht des Hamburger Umlands im Altonaer Museum lässt allerdings Zweifel aufkommen, ob die schlichte Karte von 1600 überhaupt zeitnah entstanden und damit aussagekräftig ist.

Anfang des 17. Jahrhunderts verlor Horn mehr und mehr seinen rein dörflichen Charakter. Aus dem engbebauten Hamburg mit seinen schmalen, verschmutzten Straßen und dem ständigen Gestank der Abwässer und Fäkalien, die noch ungeklärt in Gossen und Fleete entsorgt wurden, zog es wohlhabende Bürger immer mehr ins Grüne. Sie ließen sich Gartenhäuser, ja sogar richtige kleine Paläste errichten. „Hier genoss der unruhige Kaufmann mit seiner Familie die Früchte des Reichtums im Schoße einer von ihm selbst erschaffenen, geerbten oder erkauften Natur. Im Frühling und Sommer waren diese Gärten bewohnt, doch nicht alle die ganze Woche durch."

1607/1608

"Der große Winter" dauerte vom 21. Dezember bis zum 20. Januar. Sämtliche Flüsse sowie Ostsee und Bodensee waren vollständig zugefroren.

1611

Brinksitzer durften nur eine Kuh besitzen, diese jedoch nicht auf die Gemeindeweide treiben, die allgemein ohnehin auch für Pferde, Schafe und Ziegen ausgeschlossen war.

Anmerkung: "Brink" war ein dörflicher Außenbereich. Brinksitzer, oft die zweiten und dritten Söhne von Hufnern, besaßen meist nur ein Haus auf kleinem Grundstück. Die Schicht der Brinksitzer oder auch Brinkbesitzer entstand im frühen 16. Jahrhundert. Ihre Rechte im Dorf waren gering. Immer wieder gab es Streitigkeiten mit den mächtigeren Hofbesitzern, wenn sie ihre Kuh auf die Gemeinweide trieben. Eintragungen im Landbuch dokumentieren diese Vorfälle noch in den Jahren 1661, 1689, 1703 und 1711.

1614 

10. Mai: Albert van Eitzen (Hamburger Bürgermeister von 1623–1653) erwarb den östlichen Teil des heutigen "Blohm’s Park" von seinem Vater Dirick (seinerzeitiger Name für Dietrich). Auch er war Hamburger Bürgermeister in den Jahren 1589–1598. Dieses Areal wird erstmals im Grundbuch wie  folgt erwähnt: "4 M. Marschlandes bei Hinrich Schröder mit 1 Kate, den Geestkamp, 2 Blöcke, dem Gehege u. al. pertin" (und allerlei Zubehör).

1615 

Hieronymus Vogeler (Hamburger Bürgermeister von 1609–1642) erwarb im Namen der Stadt das gesamte Horner Grundeigentum der Witwe Marie Soltow (geborene von Hulda), die mit Johann Soltow verheiratet war. Es bestand aus zwei Höfen, die beide "Hufnergerechtsame" besaßen, nebst zugehörigem Marschland. Weiter unter 1622!

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/pachthof.htm

1617 

Für 4.600 Mark erwarb der Hamburger Kaufmann Jacob Steffens vier Morgen Marschland mit Haus, Hof und Teich.

Das alljährliche Rothlandgericht fand in diesem Jahr in Horn statt und zwar im Hause des Bauernvogts Diedrich Kröger.

1618 

Beginn des Dreißigjährigen Krieges.

1619

2. März: Der Rat der Stadt gründete die "Hamburger Bank". Sie bestand bis zum 31. Dezember 1875.

Am 13. April erwarb der Landmann Behn ein großes Grundstück am Bauerberg, nördlich der heutigen Straße "Beim Rauhen Hause".

1622

Mit dem Vertrag vom 30. August zwischen den Oberalten des Heilig-Geist-Hospitals und den Verordneten der Kämmerei, kam der Austausch des Heiligen-Geist-Feldes gegen Landbesitz in Horn zustande, da die Stadt das Gelände vor dem Millertor für Befestigungszwecke benötigte. Dafür erhielt das Hospital die beiden ehemaligen Soltow'schen Höfe in Horn, für die es eine jährliche Rente von 1.500 Mark Courant zahlen musste. Zudem forderte die Stadt jährlich 24 Wispel Roggen. Weil zu einem Hof jedoch mehr Land gehörte, wurden sie fortan als "Großer- bzw. Kleiner Pachthof" bezeichnet. Den Begriff "Pachthof" gibt es für Horn also erst seit dieser Zeit!

1625 

26. Februar: "Fastelabend-Flut", auch Eisflut genannt.

1629

Die Bewohner Horns, bisher in der Hamburger Hauptkirche Sankt Jacobi eingepfarrt, gehörten nun zur Siechenkirche der Vorstadt Sankt Jürgen (Namensvariante von Georg). Weil aber viele Horner an ihrer alten Kirche hingen, gingen die meisten dort weiterhin zum Gottesdienst. 25 Jahre lang wurde das stillschweigend geduldet, bis die Generation der "Jacobianer" fast ausgestorben war. Dann sprach der Landherr ein Machtwort (siehe 1654).

1630

Am 14. Januar erwarb Hans de Hertoghe ein bis dato Albert van Eitzen (Hamburger Bürgermeister von 1623–1653) gehörendes Areal, vom Grundbuch wie  folgt beschrieben: "4 M. Marschlandes bei Hinrich Schröder mit 1 Kate, den Geestkamp, 2 Blöcke, dem Gehege u. al. pertin" (und allerlei Zubehör).

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/blohm.htm

1633

24. Januar: Von diesem Tag berichtet eine Sage, dass ein Horner Bauer mit einem kranken Finger täglich nach Hamburg gehen musste. Wegen starker Schmerzen ruhte er sich am Borgfelder Geesthang aus. Plötzlich sah er neben sich Wasser aus der Wiese hervorsprudeln. Er tauchte den Finger ein, und gleich darauf ließen die Schmerzen nach. Die Quelle wurde als "Gesundbrunnen" bekannt.

1634

Durch eine große Sturmflut verloren die reichen niederländischen Kaufleute Rudolf und Arnold Amsinck ein Vermögen von 700.000 Mark, ohne allerdings bankrottzugehen. Die drei reichsten Kaufleute waren seinerzeit Hans de Hertoghe, Jan de Greve und Jürgen Schröttering, der bei seinem Tod angeblich eine Millionen Mark hinterließ.

Die Steinbecker Kirchenchronik vermerkte die Einwohnerzahlen der östlichen drei Nachbardörfer: Steinbeck 175, Schiffbeck 96 und Öjendorf 88. Da es in Horn und Hamm noch keine Kirchen gab, wurde vermutlich auch nie gezählt. Ausgehend von 631 Einwohnern im Jahre 1810, dürften in Horn seinerzeit etwa 150 Menschen gelebt haben, ausschließlich entlang des Heerwegs und am südlichen Bauerberg.

1645

Einem strengen Winter folgte ein schöner warmer Sommer (gemäß Helgoländer Chronik).

1648

Mit dem Westfälischen Frieden endet der Dreißigjährige Krieg. Dank seiner Befestigungsanlagen blieb Hamburg von den Grausamkeiten dieser Epoche verschont und war aus ihr als die wohlhabendste und bevölkerungsreichste Stadt des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" hervorgegangen.

In der Dorfschaft Horn gab es sechs Höfe, Hamm besaß zehn.

1654

Der Landherr befahl, dass die Horner und Hammer Bevölkerung "sich zu keiner anderen als der Kirche St. Jürgen begeben, noch anderswo als dort begraben werden darf". Da Jürgen eine deutsche Sprachvariante des Namens Georg ist, setzte sich später diese Bezeichnung und auch die Benennung des Stadtteils durch.

1656

Am Bauerberg (Höhe heutiger O’Swaldstraße) ließ Jacob Behn ein großes Hofgebäude im niedersächsischen Landhausstil errichten (ausgewiesen auf der Flurkarte von 1751). Jacob war Sohn des Grunderwerbers (siehe 1619). Die Behns besaßen das Hofareal bis zum 8. Mai 1754.

1657/58

Sehr strenger Winter, der sogar die Ostsee zufrieren ließ.

1659

Horn erhielt sein erstes Schulhaus. Auf der obersten Haustürschwelle stand: "Anfangs scheint es bunt und kraus, Kommt doch endlich schön heraus, Fällt der Segen in das Haus". Auf einer Tafel in der Schulstube soll "1659 J.A." (Jacob Ahlers, dritter Schulhalter) gestanden haben. Vorher hatten zwei sogenannte Hausinformatoren in einer Schulstube des neuen Hofes von Jacob Behn Unterricht erteilt. Alexander Plinck, seit dem 15. Mai 1767 Hammer Landvogt (†8.6.1804), berichtete später: Die Horner Schule aber existiere auf eine besondere Art. Sie ist 34 Jahre eher als die Hammer Kirche erbauet. Damalige Gartenbesitzer und vorzüglich die Oberalten haben ein freywilliges Geschenk hergegeben, ...und ist Mark Courant 384 und 8 Schillinge collectieret worden". Das Bauholz kam aus der Horner Waldung, die seinerzeit auf dem Areal der heutigen Galopp-Rennbahn lag.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/schulen.htm

1663

Am Heerweg, später Horner Landstraße Nr. 110, ließ Hinrich Schröder ein Hofgebäude im niedersächsischen Landhausstil errichten, was die Balkeninschrift bewies. Es brannte am 25. August 1909 ab (siehe auch 1909).

1665

In diesem Jahr sollen der Hirtenkaten am nördlichen Bauerberg und auch der Katen am Bauerberg Nr. 15 entstanden sein. Beide wurden im März 1929 abgebrochen.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/katen.htm

Der Jungfernstieg wurde zur Flaniermeile umgebaut.

1669

Erstmalige Erwähnung einer Mühle. Im Kirchenbuch des Kirchspiels Steinbeck findet man unter dem 25.10.1669 folgenden Eintrag: "Michael Jerren aus Herzhorn, wohnhaft in Horn vor Hamburg, Arbeiter an der Schnürmacher Mühle, heiratet Anna Magen, Tochter des Schnürmachers Clauß Magen aus Herzhorn". Weil der Besitzer aber ursprünglich kein Müller war, sprach man im Dorf seinerzeit leicht spöttisch von der "Schnürmacher Mühle". Vermutlich war Clauß Magen um 1645 nach Horn gezogen und hatte auf dem Geesthang, 230 Meter östlich des Letzten Hellers, eine Galerie-Windmühle im holländischen Stil errichten lassen.

1673

Hamburg erhielt erstmals eine öffentliche Straßenbeleuchtung, bestehend aus 400 Tranlampen.

1674

Vom 17. Januar bis zum 14. März herrschte eisige Kälte, wie schon seit Menschengedenken nicht mehr (gemäß Helgoländer Chronik).

1685

19. März: Vor dem Hause seines Schwiegervaters Asmus Wetken, in der Nähe des Bauerbergs, sollte der bekannte Hamburger Kaufmann Hieronymus Snitger (*11.9.1648, enthauptet am 4.10.1686) vom kaiserliche Residenten entführt werden, was aber misslang. Seit 1929 erinnern in Horn die kleinen Straßen "Snitgerreihe" und seit 1931 auch der "Snitgerstieg" an ihn.

1686

Der dänische König Christian V. erschien vor Hamburg. Vom 21. bis 26. Juni griff er die Stadt an. Am 22. Oktober kam es aber zu einem Vergleich, der die Belagerung beendete. Um vor zukünftigen Gefahren dieser Art besser gewappnet zu sein, ließ Hamburg im Jahr darauf an seinen Grenzen Wachthäuschen errichten. Ein solches entstand auch an der Grenze zu Schiffbeck, wo Holstein begann, seit 1475 ein dänisches Herzogtum. Zur Finanzierung der dort stationierten Soldaten wurde Wegegeld erhoben, weshalb man den Ort später wohl als "Letzter Heller" bezeichnete. Eine Karte vom 5. September 1808 weist diese Wache beym Letztenheller erstmals aus.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/heller.htm

1689

Brinksitzer erhielten das Recht, ihre Kuh fortan auf die Gemeindeweide treiben zu dürfen, allerdings nur so lange es die Hufner gestatten.

1692

Am 7. und 8. Juli fand im Garten des Hamburger Bürgermeisters Ludwig Becceler (12.11.1644–30.6.1722) ein gesellschaftliches Fest statt, auf dem auch viele Gartenlieder gesungen wurden.

1693

29. August: Einweihung der Ham und Hörner Kirche zur heiligen Dreyfaltigkeit (Grundsteinlegung durch den Landherrn und Senator Matthias Bartels am 28. Juli 1692), die etwa 100 Fuß hoch war und zwei Glocken sowie eine Turmuhr besaß. Auch ein "Gottesacker" für die Toten der Dörfer Hamm und Horn war angelegt worden. Vorher bestattete man auf dem Friedhof in St. Georg (siehe 1654). Die Gesamtbaukosten von 30.145 Mark hatten Ratsherren, Oberalte und Lustgartenbesitzer aufgebracht. Zum ersten Pastor hatte der Landherr am 13. Juni Franz Hartkopf (22.12.1659–22.12.1707) berufen. In einem Verzeichnis Hamburger Persönlichkeiten von 1719 findet man den Eintrag: "Andreas Elers, Hamburger Pastor in Hamm und Horn/Voc: 1698, den 3. Mai."

1700

Hamburg übernahm den Gregorianischen Kalender. Auf den 18. Februar (Donnerstag) folgte der 1. März (Montag). Das galt auch für die Landherrenschaften.

1701 

Im Januar wurden in der preußischen Hauptstadt Berlin erstmals Wettertemperaturen gemessen (Monatsmittel 4,2° minus). Erst seit 1856 geschah das auch im Königreich Hannover. Die Temperaturen für Hamburg wurden erst seit dem 1. Januar 1891 aufgezeichnet.

14. April: Ein "Reglement zum Waldwesen" wird erforderlich, weil die Rodung von Bäumen solchen Umfang angenommen hat, dass man kaum noch von einem Holzbestand reden kann.

1709

Im Februar begann eine extrem kalte Zeit mit viel Schneefall und Temperaturen bis zu 18 Grad minus in Norddeutschland. Die Monatsmitteltemperatur lag in Berlin-Tempelhof bei 13,2 Grad minus. Wie ein Chronist berichtete, war die Oder bis Ostern (31.3.) zugefroren. Der deutsche Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit nahm die tiefste Temperatur (-17,8 Grad) seiner Heimatstadt Danzig zum Anlass, den Nullpunkt des schon existierenden Quecksilberthermometers festzulegen, dass später in Europa allgemeine Anwendung fand.

In einem Horner Grundbuchauszug vom 14. Mai wird die Lage eines Flurstücks wie folgt beschrieben: "…mit drauf stehendem Hause bei der holen Rönne am Felde beim Schlagbaum belegen." Ein Landbucheintrag vom selben Tag dokumentiert erstmalig die Bezeichnung "Heerstraße", vermutlich aufgrund einer kürzlich abgeschlossenen Verbreiterung und Befestigung zwischen Steintor und dem Letzten Heller.

Anmerkung: Da der Wasserlauf der "Hohlen Rönne" seinerzeit nahe der Wandsbeker Grenze begann, wird der erwähnte Schlagbaum wohl am heute nicht mehr vorhandenen Weg nach Wandsbek gestanden haben, das seinerzeit zum dänischen Herzogtum Holstein gehörte.

1712

Dänische Truppen besetzten Horn, Hamm, Billwärder und Barmbek. Mit dieser Aktion versuchte der dänische König Friedrich IV. die Hansestadt Hamburg zu erpressen. Sie sollte ihm den Feldzug gegen den schwedischen König finanzieren. Es war die Zeit des Großen Nordischen Krieges (1700–1721).

Am 30. September brach in Hamburg die Beulenpest aus. Bis zu ihrem Erlöschen im März 1714 waren zehntausend Menschen gestorben. Horn und östliche Gebiete blieben aber verschont.

1721

Am 29. April erschien in Hamburg erstmals eine Tageszeitung. Anfänglich hieß sie noch "Holsteinischer Correspondent", doch schon drei Jahre später "Hamburgischer Correspondent". Verleger war Hermann Heinrich Holle aus Schiffbeck (siehe 1712).

1722

Aus diesem Jahr ist der "Eid der Bauer-Vögte in Hamm und Horn" dokumentiert: Ich lobe und schwere zu Gott dem Allmächtigen, daß ich Einem Hochedlen und Hochweisen Rath der Stadt Hamburg, nebst dem p.t. verordneten Landherrn, treu, hold und gehorsam seyn, ihr Bestes suchen und Schaden abwenden, auch auf deren Hölzungen, Gränzen, Scheidungen, Wege und Stege fleißig Acht haben, und alles ferner thun will, was einem getreuen und rechtschaffenen Bauer-Vogt zukommt und gebühret: So wahr mir Gott helfe und sein heilig Wort".

Anmerkung: Die Schreibweise entspricht dem Original-Dokument. Die Abkürzung p.t. steht für "pro tempore" und bedeutet "auf Zeit".

1729

Matthias Mutzenbecher (1653–1735) wurde bis 1735 erster Landherr zu Hamm und Horn.

1730/31

Sehr strenger und schneereicher Winter.

1731

Seit diesem Jahr gab es u.a. für Hamm und Horn eine "Feuercasse, genannt die Verbesserte". Hauseigentümer sollten zwei lederne Eimer, einen Feuerstülper und eine Handspritze besitzen. Im Brandfall wurden die Sprühen im Landgebiet selbst und die nächstgelegenen Stadtspritzen herbeigeholt.

1740

Am 9. Januar setzte eisige Kälte ein, die mit geringen Unterbrechungen bis zum 23. April andauerte. Der Winter war sogar noch strenger, als der des Jahres 1730/31. Bei Wittenberge war die Eisschicht der Elbe 1,30 Meter dick. Am 3. Mai kehrten Frost und Schnee sogar noch einmal zurück.

1741

Der bisherige Bauernvogt Claus Schröder überließ das Amt seinem Sohn Hans Jacob (bis 1753). Über die Aufgaben des Vogts gab ein Schriftstück ("Pro Memoria") Auskunft:  „Es ist in Horn immer üblich gewesen, dass die Landleute alle Vierteljahr auf einem Sonntag zusammenkommen, der Kuhhirte bläst mit seinem Horn und alsdann versammeln sich Hufner und Käthner - aber keine Brinksitzer - bei einem Tisch und Bank unter freiem Himmel, welche Gegend der Bauerberg genannt wird. Der Bauernvogt hält seine Anrede und stellt ihnen die Angelegenheiten des Dorfes vor, und alsdann wird beratschlaget".

1742

Neuer Landherr für Hamm und Horn wurde Barthold Heinrich Brockes (22.9.1680–16.1.1747).

Gründung der Horner Brüderschaft "Die getreue Freundschaft in Not und Tod". Sie existierte bis 1860.

1745

Am 21. März entstand eine Karte, die Horn erstmals genauer zeigte. Zwar waren sämtliche Baulichkeiten nur als kleine Rechtecke und Quadrate eingezeichnet, doch ihre Lage stimmte mit späteren Karten in etwa überein. Im Gegensatz zur Flurkarte von 1751 war auf dem "Kleinen Pachthof" noch kein Bauernhaus zu sehen, nicht einmal eine Arealgrenze. Auch die von Fotos bekannten sächsischen Landhäuser auf dem "Großen Pachthof" fehlten, nur die Häuser Nr. 12 und 42 am Bauerberg sowie der Hirtenkaten sind dokumentiert. Ein Rätsel hierbei bleibt die alte Scheune mit Wohnteil am Bauerberg Nr. 18. Sollte sie wirklich erst zwischen 1745 und 1751 erbaut worden sein?

Im Sommer beschrieb ein Zeitzeuge das Hertoghische Anwesen (heute das östliche Drittel des Blohm’s Parks): "Die Pracht der Anlage übertrifft alle Gärten Hamburgs. Die Zugbrücke zum Palais führt über einen Karpfenteich. Im von sechs Öfen beheizten Orangeriehaus werden Südfrüchte gezüchtet, und in einem anderen Teil des Parks gibt es Hirsche, Rehe und Hasen sowie ein Vogelhaus mit exotischen Tieren."

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/blohm.htm

1748

Neuer Horner Schulhalter wurde Thomas Boehler (29). Bis zum 6. Juni 1790 hatte er den Kindern Unterricht erteilt.

1751

Erste Flurkarte von Horn, im Auftrag des "Hospitals zum Heiligen Geist", angefertigt von Johann Jacob Ramborger im Maßstab von ca. 1:7000. Er bezeichnete sie als "Apris von der Dorfschaft Horn und die daran grentzenden Gegenden", mit der Anmerkung "Diese Feld-Gemarckte bestehet eigentlich in 6 Hoff- und 16 Kath-Städen". Sämtliche Baulichkeiten hatte er recht detailliert gezeichnet, Straßen- und Wegenamen gab es noch nicht. Ramborger (†1789) war nicht nur Kartograph und Zimmermeister, sondern von 1752–1771 vom Oberaltenkollegium, für ein Jahresgehalt von 600 Mark bei freier Wohnung, als Baumeister und Aufseher über alle Gebäude des Hospitals zum Heiligen Geist angestellt worden. Am 14. Mai 1750 hatte er in seinem Haus am Neuer Weg in der Hamburger Altstadt Maria Margaretha Wacker geheiratet, die im Mai 1780 im Alter von 53 Jahren verstarb. Aus der Ehe waren acht Söhne und zwei Töchter hervorgegangen.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/1751.htm

1752

Die erste Flurkarte von Horn wurde von einem unbekannten Künstler farbig abgemalt. Sie entsprach weitgehend dem Original von Ramborger. Wie stets zu jener Zeit ließ man wichtige Dokumente zumindest einmal kopieren, um sie vor Brand und Diebstahl geschützt fernab des Originals aufzubewahren.

1753

Der Horner Bauernvogt Hans Jacob Schröder wurde vom Landvogt wegen seines unordentlichen Lebenswandels abgesetzt. Sein Nachfolger war bis 1776 Jacob Bostelmann.

1754

8. Mai: Der Landmann Richters erwarb das Hofareal am westlichen Bauerberg gegenüber dem Pachthofgelände.

1755

Ein kalter Winter. Die Monatsmitteltemperaturen lagen im Januar und Februar bei sechs Grad unter Null.

1757

In Berlin-Tempelhof maß man den heißesten Juli seit der Wetteraufzeichnung. Bis heute wurde die Durchschnittstemperatur von 23,9° in Norddeutschland nie mehr erreicht. Erst der Juli 2006 sollte einmal ähnlich heiß werden.

1758

In diesem Jahr versuchte man der Bettlerplage zu begegnen, indem man zwei Aufseher anstellte, sogenannte "Wegeschauer". Sie hatten die tägliche Aufgabe, zu stets wechselnder Zeit, auf dem Wege zwischen Tor Nr. 1 (heute "Berliner Tor") und dem Letzten Heller auf die Bettler zu achten. Während der eine stadtwärts ging, machte der andere den Weg nach Horn hinaus. Jeder erhielt dafür wöchentlich fünf Mark Courant. Das Geld brachten die Einwohner in einer freiwilligen Sammlung auf.

1760

29. Mai: Erstmalige Erwähnung der Vogelstange, im norddeutschen Raum oft Papagoyenboom genannt, als sich Bauernvogt Jacob Bostelmann und Konsorten zum Landherren begeben, um die Erlaubnis zum Vogelschießen einzuholen. Wegen Schadhaftigkeit der Stange war seit 1751 nicht mehr geschossen worden“. Demnach wissen wir, dass dieser Brauch in Horn schon seit langem bestand. Die Wandsbeker Schützengilde beispielsweise wurde 1637 gegründet, die Harburger Schützen blicken sogar auf das Jahr 1528 zurück, und ältester Verein der Welt ist die Oldenburger "St. Johannis Toten- und Schützengilde von 1192". Mit dem Schießen durfte erst am Sonntag nach Trinitatis und nach Beendigung des nachmittäglichen Gottesdienstes begonnen werden, anno 1760 also am 8. Juni. Vogel und Schilde verwahrte die Witwe de Hertoghe in ihrem Haus. Über das Vogelschießen heißt es in einem Bericht: „Man errichtete eine hohe Stange, an der Tritte angebracht waren, um hinaufsteigen zu können. An einem mächtigen Haken war oben ein großer hölzerner Papagei befestigt, über dem sich ein viereckiger leinener Schirm befand, um die Geschosse aufzufangen. Mit einer großen Armbrust, die an einem Gerüst vor der Stange befestigt und höher oder niedriger zu schrauben war, schoss man nach dem Ziel. Die Spannung geschah mit einem klauenartigen Haken, der durch eine am Gerüst befindliche Winde angezogen wurde. Die Geschosse bestanden aus Bolzen von Holz und Blei und flogen mit großer Kraft gegen den Vogel.“ Die heutigen Straßennamen "Am Gojenboom", "Bei den Zelten" und "Sebastiangasse" (Patron der Schützen) erinnern an dieses einst so beliebte Volksvergnügen.

1763

Der Hertoghische Besitz am Geesthang wechselte nach 133 Jahren den Eigentümer. Das bereits vor 1751 erbaute große Landhaus bezog nun die Familie des "Etatsraths" (Staatsrats) Carl Friedrich Richardi.

1765

An der Horner Landstraße entstand ein einstöckiges Fachwerkhaus, in dem das erste Lokal "Schinkenkrug" eröffnete, nachdem der Landherr dem Wirt Neumann die Schenkfreiheit bewilligt hatte (siehe auch 1769). Als das Haus im November 1929 einer Straßenverbreiterung im Wege stand und deshalb abgebrochen werden musste, besaß es die Hausnummer 98.

1767

Der Januar war sehr kalt, seine Mitteltemperatur betrug 7,1° minus.

1769

Unter 19. August ließ der Landherr folgendes protokollieren: „Ist der Wirt Neumann in Horn, weil er an einem Sonntagabend in seinem Hause Komödie hat wollen spielen lassen, welches ich ihm aber noch vorher verbieten lassen, von mir in 5 Reichstaler Strafe genommen und ihm bei 50 Reichstaler Strafe untersagt worden, in Zukunft kein liederliches Gesindel bei sich zu beherbergen. Den Komödianten aber habe ich bei Strafe der Arretierung anbefohlen, sich sofort aus meiner Jurisdiktion wegzubegeben, welches auch von ihnen ungesäumt geschehen.“ (Siehe auch 1765).

1770

Eine Landkarte von Schiffbeck zeigt auch den östlichen Teil heutiger Horner Landstraße.

1771

Durch ein feuchtes Vorjahr, einen sehr nassen Winter und ein regenreiches Frühjahr war die Elbe stark angeschwollen. Trotz umfangreicher Vorkehrungen brachen seit dem 8. Juli viele Deiche, und am 13. Juli wurden schließlich auch die Horner Marsch sowie der gesamte Hammerbrook überflutet. Auf dem Heerweg (Horner Landstraße) konnte man jetzt mit Ewern und Kähnen fahren! Ihren Höhepunkt erreichte die Flut am 21. Juli mit 7,21 Metern über Null. Nachdem alles Wasser abgeflossen war, glich das Gebiet einer einzigen Sumpffläche. Ein Denkmal in Hamm erinnerte später an dieses Ereignis mit der Inschrift: Die Elbe, von den Regengüssen eines trüben Sommers angeschwollen, drang über unsere Fluren ein und stieg bis an die unten bezeichnete Linie. Den 21. Juli 1771.

1773

In diesem Jahr konnten die langjährigen Grenzstreitigkeiten zwischen Horn und der zu Dänemark gehörenden Dorfschaft Schiffbeck durch einen Grenzvergleich beseitigt worden.

1775

Der Landwirt Peter Behrmann ließ am nördlichen Bauerberg Nr. 14 (ab 1891 Hausnummer 53) ein großes Hofgebäude mit Wohnteil und Scheune errichten, das auf zahlreichen Fotos dokumentiert ist. Wegen Baufälligkeit musste es im Juni 1939 abgebrochen werden.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/behrmann.htm

1776

Der Januar war sehr kalt, seine Mitteltemperatur betrug 8,9° minus. Peter Bostelmann löste seinen Vater Jacob als Horner Bauernvogt ab.

1779

Im Protokoll der Landherrenschaft von Hamm und Horn ist zu lesen: ulich hatten nehmen wollen. ...Am 11. März wurden zwei Horner Einwohner, Bäcker Heide und Gärtner Johann Oft bestraft, weil sie sich eigenmächtig auf dem von ihnen bewohnten Gemeindegrund 3 bis 4 Scheffel Einsaat hatten umpflügen lassen und ohne Zustimmung der übrigen Eigner und ohne gehörige Besichtigung in Besitz bringen wollten. Beide zeigten an, dass sie bei ihren Gehöften gar kein Land besäßen, ungeachtet sie auch ein Recht auf Gemeindegrund hätten. Ihre Nachbarn aber, die ohnedem reichlich mit Ländereien versehen, hätten sich seit ein paar Jahren in eigenmächtiger Weise zehnmal soviel Land ausgepflügt als sie neulich hatten nehmen wollen. Dieses wurde bei der Besichtigung bestätigt und Capitän Nicolaus Hinrich Olbers beauftragt, eine richtige und spezifische Ausmessung dieser eigenmächtig aufgenommenen Ländereien vorzunehmen.“

Das erste Schulhaus musste wegen Baufälligkeit abgebrochen werden, weil die Dorfschaft immer nur widerwillig für das Allernotwendigste gesorgt hatte. Der Landherr stand soviel Gleichgültigkeit ratlos gegenüber, denn wer baute nun das neue Schulhaus? Die Dorfschaft lehnte ab. Die Hammer Kirche bedauerte ebenfalls, kein Geld dafür zu haben. Da wandte man sich in einer Bittschrift „an die Freigebigkeit der geliebten Mitbürger und vorzüglich derjenigen, welche ihre Gärten in Hamm und Horn haben.“ In kurzer Zeit war die nötige Summe beisammen. Der Ertrag wurde der Hammer Kirche zum Neubau zur Verfügung gestellt. Für 2589 Mark entstand an der Stelle des abgebrochenen alten Schulhauses der Neubau.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/schulen.htm

1780

Eine Flurkarte Horns wies erstmalig einen Straßennamen aus, den schon im Grundbuch von 1554 erwähnten Heerweg, heute die Horner Landstraße.

23. März: Verlosung von dorfeigenen Flurstücken im St. Marien-Magdalenen-Kloster. Auf Antrag der Hufner hatte der Landherr am 2. Oktober 1779 diese Auslosung unter allen Berechtigten genehmigt, zu denen auch Kätner gehörten, die allerdings mit geringerem Losanteil. Während das heute aus der Galopp-Rennbahn bestehende Areal weiterhin dorfeigene Gemeindeweide bleiben sollte, war das westlich angrenzende in 12 Koppeln und das östliche in 17 Koppeln aufgeteilt worden. Fortan sprach man von den "Hammer Koppeln" bzw. "Jüthorner Koppeln".

21. September: Einweihung des zweiten Schulhauses. Beide Landherren, der Hammer Pastor, die beiden Kirchendeputierten und drei Kirchenjuraten wurden von zahlreichen Horner Einwohnern, allen Schulkindern und von Schulhalter Thomas Boehler (61) empfangen, der das Amt seit 1748 ausübte. Im Giebel über dem Eingang stand auf einer Sandsteinplatte: "Ao 1780 ist dieses Schulhaus durch milde Gaben erbauet". Neben der Schulstube gab es im Haus auch eine Lehrerwohnung und auf dem Grundstück selbstverständlich den "Kohlhof", wie man die kleinen Gemüsegärten seinerzeit nannte.

1781

Franz Nikolaus Rolffsen senior (17191802) schuf in diesem Jahr Kupferstiche von vier Denkmälern, die im Park des Etatrats Carl Friedrich Richardi standen, den bis 1763 die Familie de Hertoghe besessen hatte. Dazu gehörte ein monumentales Grabdenkmal im altrömischen Stil für den Komponisten Georg Philipp Telemann (16811767), eins für den Dichter Friedrich von Hagedorn (17081754) und ein weiteres für den berühmten Portraitmaler Balthasar Denner (16851749). Das vierte Monument für Ernst Georg Sonnin (17131794) muss allerdings von anderer Bedeutung gewesen sein, denn der Erbauer der Hamburger Michaeliskirche lebte derzeit ja noch.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/blohm.htm

1783

In einer unterhaltsamen Schrift "Hamburgs Annehmlichkeiten, von einem Ausländer beschrieben"  berichtete der Jurist und Historiker Johann Peter Willebrand (1719–1786): „Über den Schiffbecker Berg nach Hamburg wandernd, erreicht man beim Schlagbaum am Letzten In seiner Heller eine schöne gepflasterte Landstraße, die man auch als "Via consularis" bezeichnen könnte.“

1783/84

Im Dezember begann einer der kältesten und schneereichsten Winter seit Menschengedenken. Im Januar betrug die Durchschnittstemperatur 8,9° minus. Erst im letzten Februardrittel setzte eine plötzliche Eisschmelze ein.

1787

In diesem Jahr wurde einem Italiener erlaubt, „seine bei sich habenden Affen und Hunde im Neuen Werke, Hamm und Horn auf acht Tage sehen zu lassen“,  an Feiertagen allerdings erst nach beendetem Nachmittags-Gottesdienst.

Im Oktober erhielt Hans Joachim Kiesewetter die landherrliche Genehmigung, im Haus von Peter Bostelmanns in Horn sein Marionettentheater von Montag bis Freitag zeigen zu dürfen,   jedoch, dass alles friedsam und ordentlich zugehe.  Wer ohne Erlaubnis des Landherrn nur den Versuch wagte, etwas zu veranstalten, wurde in Strafe genommen (siehe auch 1769).

1788

Im Dezember begann der strengste Winter des Jahrhunderts, kälter als in den Jahren 1784/85 und 1740. In der Nacht vom 16. auf den 17. fiel das Thermometer in Bremen auf 35 Grad unter Null; da dürfte es in der Dorfschaft Horn fast ebenso kalt gewesen sein.

1790

6. Juni: Schulhalter Thomas Boehler (71) ging in den verdienten Ruhestand. Bereits seit 1748 hatte er die Dorfkinder unterrichtet, war zuletzt aber schon leicht verwirrt „und es bedurfte angemessener Worte, um diesen stets geschätzten Pädagogen den freiwilligen Schritt zu erleichtern.“

An der Heerstraße ließ sich der reiche Kaufmann und Reeder Friedrich Duncker ein stattliches Landhaus errichten. Bis zur Zerstörung im Krieg besaß es später die Hausnummer 246.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/park.htm

1791

Die "Hohle Rönne" wurde entwässert.

1792

22. Oktober: Der Lehrer Westphalen, vorher in Eppendorf tätig, wurde neuer Schulhalter. Er blieb Horn viele Jahre treu und konnte am 18. Juni 1826 sogar sein 50-jähriges Schulamtsjubiläum feiern.

1794

11. Oktober: Jacques de Chapeaurouge erwarb für 6.000 Mark Courant das Areal des heutigen Rauhen Hauses. Der westliche Teil gehörte vorher dem Landmann Jacob Schröder, den östlichen besaß seit 1780 Bauernvogt Bostelmann. Für die bereits am Südostrand existierende Kate, seit Menschengedenken von der Bevölkerung "Rauhes Haus" genannt, bezahlte Chapeaurouge noch einmal 9.600 Mark Courant. Der jetzt wohlhabende Kaufmann war im September 1764 von Genf nach Hamburg gezogen und wie er gern erzählte „nur mit einem Louisdor in der Tasche.“ Im Jahre 1773 hatte er den "Hammer Hof" gegründet.

1796

28. April: Die Oberalten verkauften im Marien-Magdalenen-Kloster 80 Stück Eichbäume an den Meistbietenden. Die Bäume sollten aber noch bis Ende Juli auf  ihrem in Horn gelegenen Großen Pachthof stehen bleiben. Der derzeitige Pächter hieß Barckhan.

1799

20. August: Der erste Alsterpavillon wurde von dem Franzosen Augustin Lancelot de Quatre Barbes eröffnet. Er war 100 groß, doch nur Gutbetuchte konnten sich einen Besuch in diesem Etablissement an der Binnenalster leisten. Es war übrigens auch das erste Eiscafe Deutschlands!

1800

Am "Hohlerweg", der heutigen Schule des Rauhen Hauses gegenüber, ließ die Kaufmannsfamilie de Chapeaurouge ein großes Landhaus errichten, das später die Hausnummer 42 erhielt.

1803

Mit einer Durchschnittstemperatur von fast 9° unter Null war der Januar sehr kalt. Auch 1805 und 1809 war der Januar mit minus 7 bzw. minus 6 Grad sehr kalt.

1804

Einrichtung einer Sonntagsschule für alle Kinder, „die wochentags in Fabriken oder sonstwie arbeiten müssen".

1805

6. Januar: Waldvogt Brinckmann zählte und taxierte die auf dem Heiligen-Geist-Hof in Horn stehenden Bäume. Acht im Garten (205 Mark) sowie fünf Buchen und 96 Eichen auf der Koppel (zusammen 561 Mark).

1806

9. Juni: Die Oberalten verkaufen auf ihrem in Horn gelegenen Heiligen-Geist-Hof 55 Stück Eichbäume an den Meistbietenden. Dabei wurden 357 Mark und 8 Schillinge erzielt.

19. November: Aus Bergedorf kommend, marschierten 2.600 Soldaten die Heerstraße entlang, um noch am selben Tag Hamburg zu besetzen. Sie standen unter Befehl des französischen Marschalls Edouard Mortier. Die damals 6-jährige Zeitzeugin Jette Duncker erinnerte sich später an Musik und fliegende Fahnen, als sie auf der Fensterbank ihres Elternhauses sitzend, den Vorbeizug der napoleonischen Okkupanten beobachtete. Mehr als sieben schwere Jahre brachen nun auch für Horn an, denn die Soldaten quartierten sich in den Häusern und Scheunen ein.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/franzosenzeit.htm

1808

5. September: Veröffentlichung einer Karte von 1806 mit Nachtragungen der Eigentumsverhältnisse südlich der Heerstraße (Horner Landstraße).

1810

Die erste Einwohnerzählung ergab für die Dorfschaft Horn 631 Menschen. In der Hansestadt Hamburg lebten derzeit etwa 130.000 Einwohner.

1811

In seinem Haus beim Schulteich (später als "Behrmann’s Teich" bekannt) gründete Hans Barthold Hellmers eine Stellmacherei, mit der er später an die Horner Landstraße Nr. 178/180 zog. 1882 entwickelte sie sich zur Wagen-, Pferdegeschirr- und Sattelfabrik. Kurz vor der Jahrhundertwende spezialisierte sich Hermann Adolph Hellmers auf Kommunalfahrzeuge wie Schneepflüge, Sprengwagen und Kehrmaschinen. Im 20. Jahrhundert nannte sich das Unternehmen "Wagenbau-Anstalt und Maschinen-Fabrik Hermann Hellmers". Nach der Zerstörung im Krieg zog das Unternehmen 1953 an den Billbrookdeich Nr. 60, wo es heute noch existiert.

1813

Heinrich Johann Rosenau übernimmt den Großen Pachthof, und Landwirt H.F. Behn bewirtschaftet fortan den Kleinen Pachthof.

Ab 7. Dezember brannten die napoleonischen Besatzer das Dorf Hamm nieder. Die dicken Mauern der Kirche hatten sie für Schießlöcher durchschlagen.

1814

15. Januar: In Kirchsteinbeck tauchten die ersten Kosaken der mit Österreich und Preußen gegen Napoleon verbündeten russischen Armee auf. Die "Hamburgischen Addreß-Comptoir-Nachrichten" berichteten am 13. März 1815, warum Horn als einzige Dorfschaft in Hamburgs östlicher Umgebung von Verwüstungen verschont blieb: „Für freies Schussfeld hatten die Franzosen Hamm mittlerweile fast vollständig niedergebrannt. Da wurde der dort mehrfach vertriebene Maler Andreas Schröder in seinem Versteck ganz zufällig Zeuge eines Gesprächs zweier französischer Offiziere, wonach auch Horn zerstört und abgebrannt werden sollte. Unter Lebensgefahr begab er sich am Abend des 25. Januars nach Schiffbeck zum russischen General Gogel und zeichnete vor den Stabsoffizieren die Wege nach Hamm mit Kreide auf einen Tisch. Damit rettete Schröder Horn, denn bevor die  Soldaten des Marschalls Louis-Nicolas d'Avoût es niederbrennen konnten, wurden sie tags darauf von 4.000 Russen angegriffen. Diese überwanden schnell das Verhau zwischen Horn und Hamm und befreiten bis Ende Januar auch ganz Hamburg. Die "Hamburgische Patriotische Gesellschaft" ehrte Andreas Schröder später mit der großen Goldenen Medaille!

25. April: Unter dem Pseudonym "Eduard Kruse" schloss sich die in Bremen geborene Anna Lühring (3.8.179625.8.1866) dem Lützowschen Freikorps an, um weiter gegen die Franzosen kämpfen zu können. Als Schneiderin in einem Hamburger Konfektionshaus verdiente sich Anna Lühring später ihren Lebensunterhalt und heiratete 1821 den Kellner und Lohndiener Wilhelm Lucks aus Altona. Ihr einziges Kind starb früh, und auch ihr Ehemann verstarb bereits 1832. Zuletzt wohnte Anna Lucks an der Horner Landstraße Nr. 176. Ihr zu Ehren gibt es in Horn den "Anna-Lühring-Weg" sowie seit 1910 einen Gedenkstein neben der Hammer Kirche, den der "Hamburger Krieger-Verband" setzen ließ. Im Jahre 1934 erschien ein Roman von Georg von der Vring, der in Anlehnung an das Leben von Anna Lühring geschrieben wurde. Er hieß "Schwarzer Jäger Johanna" und wurde im selben Jahr sogar verfilmt. Die Darsteller waren Marianne Hoppe, Paul Hartmann, Gustav Gründgens und Fita Benkhoff.

1815

Ausbesserung des Weges von Horn nach Wandsbek (späterer Rennbahnstraße).

1816

Der spätere Hamburger Senator Heinrich Johann Merck (27.2.177023.10.1853) erwarb das mittlere Drittel des heute als "Blohm’s Park" bekannten Geländes und ließ ein großes Landhaus errichten.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/blohm.htm

1823

In Berlin-Tempelhof maß man im Januar eine Durchschnittstemperatur von 11,6° minus. Wegen des allgemein milderen Klimas in der preußischen Hauptstadt darf man davon ausgehen, dass es in Hamburg noch kälter war.

1825

3./4. Februar: Die bis dato höchste Sturmflut an der deutschen Nordseeküste und im Elbegebiet, deren Welle einen Scheitelwasserstand von 5,24 Metern über Normalnull am Pegel von St. Pauli erreichte. Nach zahlreichen Deichbrüchen u.a. auch im Bereich des Hammerbrooks kam es zu teils großen Schäden. Die Höhe der Hochwasserschutzanlagen wurde danach auf 5,70 Meter über Normalnull festgelegt.

1826

Auf dem Geesthang am Hohlerweg legte Gärtner Johann Friedrich Jannack (1760–1827) einen "Wintergarten" an, der sich in einem nördlichen Anbau seiner strohgedeckten Bauernkate befand, die man in Horn seit Menschengendenken als "Rauhes Haus" bezeichnete. Vermutlich lebte er hier schon seit 1795 als Gärtner des Grundeigentümers Jacob de Chapeaurouge, zusammen mit Frau und drei Töchtern. Das  Hamburger Adressbuch vermerkte ihn erstmals 1805 mit der Berufsbezeichnung "Handelsgärtner und Wild", im Jahr darauf zusätzlich auch noch als "Wirth". Seit 1810 wurde Jannack jedoch nicht mehr in den Adressbüchern erwähnt. Der Grund ist nicht bekannt. Erst 1825 ist unter "Jannack" wieder zu lesen: "Bäume-, Pflanzen- und Blumenhandlung in Horn, auch eine Niederlage in der Paulsstraße, vom Speersort links im zweyten Hause". Seit 1827 vermerken die Sonderseiten: Jannack’s Wintergarten besteht aus einem auf einer Anhöhe geschmackvoll angelegten schönen Garten, sowie einem 60 Fuß* (17,19 m) langen Salon, der auf jeder Seite ein Gewächshaus von 50 Fuß (14,32 m) Länge hat. Hier findet man einen beachtlichen Vorrath schöner seltener Stauden und Blumen. Im Salon selbst sind Orange- und Citronen-Bäume von nicht gewöhnlicher Größe aufgestellt. Der Eindruck, den diese reiche, üppig prangende Vegetation in den Wintermonaten gewährt, ist überraschend, und verschafft dem freundlichen Locale, in welchem man sich überdies einer guten Bewirthung erfreuet, viele Besuche seitens der besseren Gesellschaft Hamburgs."

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/rauheshaus.htm

Im September und Oktober entstand unter der Leitung des Stadt-Ingenieurs Paridom Gottlob Heinrich eine farbige "Charte des Dorfes Horn mit den dazugehörigen Geest-Ländereyen". Aus demselben Jahr existiert auch noch eine maßstabsgetreuere schwarzweiße Grundrisskarte. Am westlichen Dorfrand sieht man erstmals den Gasthof Neuer Schinkenkrug, der zwischen 1830 und 1850 für seine sogenannten Blutegel-Börsen weithin bekannt wurde. Die von der Medizin seinerzeit sehr geschätzten Tierchen wurden von "Ihlenfängern" erst aus dem Osten Deutschlands, später sogar aus Russland geholt.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/krug.htm

1828

Die "Landherrenschaft von Hamm und Horn" ist 1.036,164 Quadrat-Ruten groß und umfasst einen Teil der Vorstadt St. Georg, den Stadtdeich, grünen Deich, Hammerdeich, Hammerbrook, Hammer Baum und Schlachterhof sowie das Burgfeld, die Lohmühle, Kuhmühle und Mundsburg. Zudem noch Schürbeck und Uhlenhorst (auf dem Papenwärder). Dieser ganze Distrikt ist zu St. Georg eingepfarrt. Hinzu kommen die Dorfschaften von Hamm und Horn, deren Bewohner in ihrer seit Herbst 1693 bestehenden eigenen Kirche eingepfarrt sind. Getrennt von allem liegt das älteste, schon 1283 an Hamburg verkaufte hamburgische Dorf Fuhlsbüttel, das zu Eppendorf eingepfarrt ist. Landherren sind der zweite und dritte Senator, doch in der Regel verwaltet der ältere alles allein. Beiden untergeben sind ein vor Hamm wohnender Landvogt und ein Sandvogt.

In Horn gab es zu jener Zeit eine durch Dampf betriebene Baumwollspinnerei.

1829

Dem Hamburger Adressbuch dieses Jahres kann man im Personenverzeichnis eine erste Horner Hausnummer entnehmen. Es ist die Nr. 36 für die Farbenfabrik von Friedrich Eduard Behrens an der Heerstraße (heute Horner Landstraße).

1830

Schon Anfang Januar setzte strenge Kälte in ganz Deutschland ein, die bis um den 20. Februar andauerte. Die Alster war zugefroren und wie immer ein beliebter Ort, seine Freizeit zu verbringen.

Horn und Hamm gehören fortan zur "Landherrenschaft der Geestlande". Jetzt ging man verstärkt gegen eine Bettlerplage vor, die auch für viele andere Gebiete in und um Hamburg zum Problem geworden war. Die Horner Bettlerherberge im "Hirtenkaten" wurde fortan streng beaufsichtigt.

Bereits seit dem letzten Jahr regulierte und pflasterte man die Heerstraße (Horner Landstraße). Davon soll eine Akte Nr. 1255 über die Arbeiten vor Gottfried Schraders Garten existieren.

27. September: Hermann Mumssen (18.9.1804–25.4.1859) wurde Pastor für Hamm und Horn. Er war sehr beliebt, predigte volkstümlich und humorvoll.

1831

Nachdem die Heerstraße durch Hamm und Horn umfangreich renoviert worden war, standen am Hammer Baum und Letzten Heller sogenannte "Weggeldhäuser", in denen seit dem 1. Januar 1831 für Pferdefuhrwerke "Chausseegeld" erhoben wurde. Gleichzeitig hatte man die Heerstraße ab Letztem Heller bis nach Schiffbeck als "Pflasterbahn" fortgeführt und im Rahmen dieser Baumaßnahmen bedeutend abgeflacht.

1832

8. Dezember: Hochzeit von Hans-Ernst Saalfeld und Catharina Richters.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/blutbuche.htm

1833

In diesem Jahr kritisierten die Privilegierten wöchentlichen Gemeinnützigen Nachrichten von und für Hamburg: Die bisherige Art der Nummerierung der Häuser bietet ein Chaos, aus welchem man sich selbst mit Hilfe des Adressbuches kaum herauszufinden vermag."

Im selben und darauffolgenden Jahr wurden Hamburgs Gebäude nach den Straßen nummeriert, in denen sie sich befanden und zwar fortlaufend auf der linken, stadtzentrumnäheren Seite und auf der anderen wieder zurück. Die Nummerierung nach geraden und ungeraden Zahlen erfolgte erst viel später, in Horn 1881. Mit der rasanten Vergrößerung der Stadt durch die Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts und den damit verbundenen Eingemeindungen von früheren Dörfern nach Hamburg, trat zunehmend das Problem von doppelten Straßennamen auf. Nachdem 1894 eine ganze Reihe von Vororten Hamburger Stadtteile geworden waren, tauchten manche Straßennamen nun sogar drei- und viermal auf. 1899 wurden daher 130 Straßen umbenannt und zum Teil zusammengezogen. Altona erlebte 1928 eine ähnlich große Umbenennungsaktion, als eine Reihe von Landgemeinden, darunter die meisten Elbvororte, mit der Stadt vereinigt wurden. Auch in Harburg und Wandsbek wechselten aus diesem Grund einige Namen. In der "Weimarer Republik" ersetzte man viele Straßenschilder aus dem Bereich der Hohenzollern-Monarchie durch Namen verdienter Demokraten, die 1933 wiederum NS-Größen Platz machen mussten. 1938 wurden auch alle verdienten Juden von Hamburgs Straßenschildern verbannt. In den Jahren 1947‒1952 erfolgte dann die größte Umbenennungsaktion, die Hamburg bis dato gesehen hatte. 1.613 Straßen bekamen neue Namen.

18. Juni: Der Landherr Christian Daniel Benecke (7.5.1768‒5.3.1851) gab zur Löschung der Feuersbrünste in Hamm und Horn genaue Anweisungen bekannt. Feueraufseher für Horn waren derzeit Jacob Krogmann und Hinrich Stelter. Ihr Amt endete erst mit dem Tode.

12. September: Gründung der Stiftung "Das Rauhe Haus" von Johann Hinrich Wichern (21.4.1808–7.4.1881). Auf dem Grundbesitz der Familie Sieveking, die dem jungen Theologen ein sechs Morgen großes Areal mit alter Wohnkate überlassen hatte, sollte diese "Rettungsanstalt für sittlich verwahrloste Kinder" in den folgenden Jahren weit über Hamburgs Grenzen hinaus Bedeutung erlangen. In seinem ersten Jahresbericht, erstattet in einer öffentlichen Versammlung im April 1835, schilderte Wichern: Nachdem ich zum 1. November 1833 das von Alters her sogenannte "Rauhe Haus" mit meiner Mutter und Schwester bezogen hatte, traten am 8. desselben Monats die ersten drei Knaben ins Rettungshaus. Ganz allmählich sammelten sich bis zum 31. December zwölf Knaben im Alter von 5 bis 18 Jahren, zu denen später noch zwei hinzukamen. Bis auf Einen waren sie sämtlich in gänzlicher Verwahrlosung und Verwilderung aufgewachsen. Acht von diesen vierzehn waren außer der Ehe geboren, die ehelichen aber, bis auf zwei, unter dem Einfluss verbrecherischer oder frevelhafter und trunkfälliger Eltern oder sonst in einem unehrbaren Hauswesen groß geworden. Durch Bettelei und andere Anleitung hatten mehrere es bis zur Gewohnheit des hartnäckigsten Lügens und im Stehlen bis zu dem Grade gebracht, dass einer derselben sich in seinem 12ten Jahre schon zu 92 Diebstählen vor der Polizei bekannte. Mit sieben von diesen Knaben hatten Eltern, Armenpfleger und Schullehrer oder selbst die Obrigkeit vergebens versucht, sie zu bändigen und zum Gehorsam zu bringen. Die roheste, übermüthigste Kraft, gepaart mit dem entschiedensten Willen, frei zu sein, und geübt in den kühnsten Versuchen, sich diese Freiheit zu verschaffen, kamen dadurch in unmittelbare Berührung mit von allem Bösen völlig abhängigen Naturen. Einer dieser Burschen hatte bereits in einer Kette gelegen und sich von ihr zu befreien gewusst, während ein anderer, der mit sieben anderen zusammen gestohlen hatte, durch stumme Sünden bereits halb blödsinnig geworden, hier ankam." Anmerkung: Dies ist nur der erste Abschnitt des Berichts.

1834

Neunummerierung aller Hamburger Straßen. Auch Horner Bewohner findet man erstmalig im Adressbuch, allerdings nur ein paar bekannte Personen ohne Hausnummernangabe, wie beispielsweise "Jahns jun. Joh. Aug. in Horn" (Wirt des Gasthofs "Schinkenkrug"). Doch immer noch steht seit 1829 die Farbenfabrik von Friedrich Eduard Behrens mit der Hausnummer 36 im Personenverzeichnis, auch derzeit ohne Straßennennung.

12. April: Eröffnung der "Hammer und Horner Sparcasse". Die Hamburger Nachrichten schrieben dazu: Der Zweck dieser Sparcasse ist, Ersparnisse zum Besten der Einleger unentgeltlich zu verwalten. In jeder Sitzung nimmt die Sparcasse Einlagen von 4 bis zu 50 Schillingen in jeder in Hamburg geltenden Münzsorte an und zwar an jedem Sonnabend. Ausbezahlt wird am ersten Sonnabend eines jeden Monats und zwar eine Stunde vor der Annahme, doch muß derselben eine Aufkündigung von wenigstens 14 Tagen vorhergehen. Jeder Einleger, welcher ein Guthaben von 5 Schillingen und darüber hat, erhalt Zinsen davon. Die jährlichen Zinsen betragen 1 Schilling von 1 Thaler. Das Annahme-Bureau ist im Hause des Bauervogts Herrn Burmester in Hamm".

Die Schule erhielt einen zusätzlichen Klassenraum in Form eines in Fachwerk erstellten südlichen Anbaus.

Am 20. Juli wurde mit dem "Schweizerhaus" das erste neue Gebäude des Rauhen Hauses eingeweiht.

1835

Auf den Feldern östlich des Wandsbeker Gehölzes, wo heute die Douaumont-Kaserne liegt, fanden am 18. und 20. Juli die ersten Pferderennen in unserem nordelbischen Raum statt. Diese bis 1848 jährlich ausgetragenen Veranstaltungen mit Volksfestcharakter dürfen als Vorläufer des Derbys auf der Horner Rennbahn bezeichnet werden (siehe 1855).

27. Juli: Erste öffentliche Personenbeförderung zwischen Horn und der Stadt. Für vier Schillinge fuhr man mit der "Journalière von Hamm und Horn", einem bequemen bedeckten Wagen, gezogen von vier Pferden, der zweimal täglich verkehrte. Die erste Fahrt begann um 8 Uhr beim Schinkenkrug, dessen Eigentümer Gastwirt Johann August Jahns jun. (41) war. Das beliebte Ausflugslokal, bekannt auch durch seine alljährlichen "Blutegelbörsen", war nun noch attraktiver geworden, denn selbstverständlich besaß es jetzt auch eine eigene Haltestelle. Die Journalière besorgte auch pünktlich jede Art von Aufträgen und Bestellungen. Mittags fuhr sie wieder von der St. Petri Kirche zurück nach Horn. Seit dem 20. Oktober 1840 konnte man auch zweimal ab Schiffbeck und sonntags sogar vom Letzten Heller weiter bis Billwärderhude und St. Annenhof (Billwärder) fahren. Die Linie betrieb Jahns bis zum 31. Juli 1844, verkaufte sie dann an die Firma "Basson & Co." und beschränkte sich nur noch auf Fracht- und Postbeförderung zwischen Hamburg und Horn, sowie auf seine jetzt täglich verkehrende Anschluss-Omnibus-Linie vom Letzten Heller nach Billwärder. Johann August Jahns starb am 18. Januar 1849.

Parallel zur Journalière betrieb die Firma "Basson & Co." seit dem 28. Juni 1840 eine Pferde-Omnibuslinie nach Horn, die von der Straße "Ness" über die Große Reichenstraße bis zum Steintor und dann weiter über die Hammer Landstraße bis zum Letzten Heller führte. Jeweils zwölf Personen konnten transportiert werden, und für Raucher waren vier Sitze auf dem Dach gleich hinterm Kutscher vorgesehen. Erst ab 1851 gab es ein spezielles Raucherabteil. Vier Schillinge kostete die Fahrt vom Altonaer Schauspielhaus über St. Petri bis nach Horn zum "Letzter Heller", dem beliebten Ausflugslokal an der Ostgrenze des Dorfes. Von hier bis nach Hamburg fuhren die Wagen im Sommer von morgens um 7 ½ Uhr bis abends 8 ½ Uhr alle ½ Stunde, im Winter von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr alle Stunde. Wer nach Altona weiterfahren wollte, konnte das ganzjährig alle Viertelstunde bis abends um 9 ½ Uhr. Abonnements-Karten nach Hamm und Horn kosteten pro Dutzend 2 Mark und 10 Schillinge. Mit den Pferde-Omnibussen konnten nun auch die einfachen Bürger dem penetranten Gestank des engbebauten Hamburgs kurzzeitig entfliehen.

29. Oktober: Auf dem Areal des Rauhen Hauses wird das "Mutterhaus" eingeweiht. Architekt war der bekannte Alexis de Chateauneuf (17991853). Als erstes Gebäude in Horn erhielt es einen Blitzableiter. Nachdem Wichern zwei Jahre in der uralten Kate "Rauhes Haus" gewohnt hatte, zieht er nun hier ein. Das ab 1852 nur noch "Grüne Tanne" genannte Mutterhaus brannte zwar am 24. März 1936 aus, doch weil das Fachwerk erhalten geblieben war, konnte es anschließend wiederhergestellt werden.

1836

Im Hamburger Adressbuch von 1836 ist zu lesen: „Es ist eine erfreuliche Erscheinung, wenn das Gute und Nützliche, welches sich gewöhnlich zuerst in den Städten entwickelt, sich auch baldigst auf dem Lande verbreitet und dort Nachahmer findet. So war es mit der Sparcasse. Nachdem dieses Institut im Jahre 1827 in Hamburg begründet war, konnte die Nützlichkeit desselben den Bewohnern von Hamm und Horn nicht lange verborgen bleiben, und deshalb traten einige von ihnen zusammen und errichteten im Jahre 1834 unter dem Schutze und der so gütigen als thätigen Fürsorge des damaligen Landherrn, Herrn Bürgermeister Benecke, die "Hammer und Horner Sparcasse". Sie ist ganz nach dem Muster der hamburgischen eingerichtet, wird von 2 Directoren, 12 Verwaltern und 2 Revisoren administrirt, hat es sich aber zum Gesetze gemacht, bis zu 4 Schillinge herunter anzunehmen. Das Annahme-Bureau ist in Hamm beim Vogt, Herrn Burmester."

Auf dem gerade erbauten "Mutterhaus" brütete ein Storchenpaar. Jahrzehnte noch sollten Storchengenerationen diesen bevorzugten Ort aufsuchen.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/stoerche.htm

1. Juli: Johann Theobald Riefesell wurde geboren. Dem späteren Bleistiftmaler verdankt auch Horn Zeichnungen vom Schinkenkrug 1881 und von der alten Schmiede an der Ecke Horner Landstraße/Bauerberg aus dem Jahre 1888. Riefesell starb am 19. Januar 1895.

1837

Im Personenverzeichnis des Hamburger Adressbuchs tauchten für Horn fortan zahlreiche Hausnummern auf, so beispielsweise: "Krogmann, Jacob, Horn no. 84". Gemeint war immer die Landstraße, denn alle anderen Wege waren zu unbedeutend. Die meisten Häuser an der Landstraße schienen jedoch noch keine Nummer zu besitzen, denn hinter den Bewohnern stand lediglich "Marschseite" oder "Geestseite".

1839

Am 7. Oktober wurde der Betsaal des Rauhen Hauses eingeweiht. Kurze Zeit später erlebte der Adventskranz hier seine Geburtsstunde. Es war noch ein Holzkranz mit vielen kleinen Kerzen, jedoch ohne Tannengrün.

1840

Zu dieser Zeit bestand Horn aus 160 Häusern. 950 Menschen lebten im Dorf, darunter je ein Maurer, Müller, Weber, Schlosser, Glaser, Krüger, Riemer, Hutmacher, Nagelschmied, Uhrmacher, Zimmermann, Färber und Brauer. Ferner je zwei Bäcker, Brenner, Schmiede, Rademacher, Maler, Klempner und Seiler sowie je vier Schneider, Schlachter und Schuster nebst fünf Krämern und Tischlern. Auch gab es mehrere Beamte, Fuhrleute und eine größere Anzahl von Tagelöhnern sowie ein Vogt  mit zwei Assistenten und ein Polizei-Officiant. Mit lediglich fünf Landstellen war Ackerbau und Viehzucht recht unbedeutend. Es lebten hier viele vom Milchhandel, vom Gemüseanbau und von der Gärtnerei. Es gab aber auch eine Nagelfabrik und eine Tabakfabrik. Horns erste Schule von 1659 existierte immer noch am selben Ort, allerdings in einem 1780 errichtetem Neubau. 1840 wurden 140 Knaben von zwei Lehrern unterrichtet, und eine Lehrerin war für Mädchen und kleine Knaben zuständig. Ferner existierte an der Landstraße, schräg östlich gegenüber des Bauerbergs, ein Privatinstitut für Geisteskranke.

1841

30. Mai: An diesem Pfingstsonntag eröffnete Schardel Heinrich Berg neben seinem jüngst von Rochow & Kirchheim übernommenen Lokal "Zum Letzten Heller" den ersten Tiergarten im deutschsprachigen Raum und einen der ersten in Europa. Acht Schillinge kostete der Eintritt. Im Frühjahr 1943 informierte das Hamburger Adressbuch: Die Bemühungen des Eigentümers sind bis jetzt eben nicht vom besten Erfolge gekrönt worden, weil die Witterung für den Aufenthalt im Freien keine günstige und einem häufigen Besuche hinderlich war. Dennoch muss jeder Unparteiische gestehen, Herr Berg hat schon sehr viel geleistet und zeigt fortwährend das löbliche Bestreben, das Institut mit neuen Exemplaren verschiedener Tiergattungen zu bereichern. Ein detailliertes Verzeichnis sämtlicher bemerkenswerter Vier- und Zweifüßler zu geben, gestattet der Raum nicht; wir beschränken uns daher auf folgende Fingerzeige: Das türkische Gebäude enthält eine reichhaltige Vögel-Sammlung wie Cardinalvögel, blaue Dohlen, javanische Sperlinge, Liebesvögel, viele Papageien etc., desgleichen Schlangen und Crocodille. Die Fasanerie bietet in zehn Gehegen eine herrliche Collection von Gold- und Silber-Fasanen, Perl- und spanischen Hühnern dar. Ein zweites geräumiges Gebäude ist für den Aufenthalt verschiedener Affen bestimmt sowie in kleinen Käfigen auch Waschbär, Murmeltier, Ichneumon, Zibetkatze u.a. mehr. Das große gotische Bauwerk umschließt die eigentliche Menagerie, die aber zurzeit noch wenig reichhaltig ist, und sich größtenteils auf Hyäne, Panther, Jaguar, Wolf und Bär beschränkt. Mehrere Gehege, Zwinger etc., welche malerisch im Garten verteilt sind, enthalten Lamas, verschiedene Exemplare in- und ausländischer Ziegen, australische Kasuare und Kängurus, astrachanische Schafe, das astrachanische Kamel etc. Auf dem in der Mitte des Gartens befindlichen Teiche ist eine Insel; beide werden durch eine Menge verschiedenartiger Schwimmvögel, größtenteils ausländischen Ursprungs, belebt. Und der Pelikan spielt hier die Hauptrolle. - Speciellere Auskunft gibt der Führer durch den Zoologischen oder Thiergarten, welcher mit Sachkenntnis abgefasst ist und bereits seine dritte Auflage erreicht hat. Omnibusse und Journalièren fahren sowohl von Hamburg als auch vom "Letzten Heller" während der Sommertage stündlich ab und befördern so die Frequenz, welche mit Beginn des neuen Frühlings gewiss bedeutend zunehmen dürfte."

Leider erfüllte sich diese Hoffnung aber nicht, denn schon nach dem Großen Hamburger Brand vom 5. bis 8. Mai 1842 lief das Geschäft immer schlechter, obwohl der Eintrittspreis für 1843 halbiert worden war. Zwei Jahre später musste diese schöne Einrichtung leider geschlossen werden. 1854 gab Berg auch sein Lokal auf und kehrte enttäuscht zurück in seine russische Heimat.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/heller.htm

1842

11. Februar: Gründung der Druckerei und Buchbinderei im Rauhen Hause.

5. Mai: Um 1 Uhr morgens brach in Hamburg ein Brand aus, der in die Geschichte eingehen sollte. Er wütete bis zum 8. Mai und endete an der heutigen Straße "Brandsende". Die  Obdachlosen zogen in benachbarte Stadteile und in die Landherrenschaft, wo auch das Rauhe Haus Räumlichkeiten zur Verfügung stellte und etwa 30 Personen mehrere Wochen lang beherbergte und verköstigte. Nach dem Großen Hamburger Brand entstand noch im Mai das erste Foto von Hamburg. Vom Dach der Börse machte Carl Ferdinand Stelzer eine sogenannte Daguerreotypie, die Binnenalster und zerstörte Gebäude dokumentierte.

1844

Am bis dato noch unbebauten Weg nach Hamm (heute Horner Weg) entstand das erste Bauernhaus. Es sollte einmal als Horner Meierei bekannt werden.

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1846

5. September: Beginn der ersten regelmäßigen Straßenbeleuchtung durch Gas in Hamburg. Dafür war auf dem großen Grasbrook eine Fabrik errichtet worden.

27. September: Der Anfang des Jahres entstandene Verein für innere Mission trug nun den Namen Christlicher Verein von Ham und Horn. In ihm waren jetzt sowohl der "Verein gegen das Branntweintrinken" (auch "Mäßigkeitsverein von Ham, Horn und Umgebung" genannt, der bis 1846 existierte), als auch alle anderen Vereine zusammengeschlossen. Präses war Pastor Hermann Mumssen (1804–1859).

1848

In Berlin-Tempelhof maß man im Januar eine Durchschnittstemperatur von 9,4° minus. Wegen des allgemein milderen Klimas in der preußischen Hauptstadt darf man davon ausgehen, dass es in Hamburg noch kälter war.

Heinrich Johann Rosenau starb. Er hatte seit 1813 den Großen Pachthof bewirtschaftet. Sein Nachfolger wurde Heinrich Christopher Boje.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/pachthof.htm

1849

In einer Verordnung vom 18. September ist zu lesen, dass die Jagd in der Dorfschaft Horn an die Eingesessenen Jacob Hinsch, Martin Langhein und Friedrich Lübbers verpachtet worden war, und sich alle anderen Dorfbewohner des eigenmächtigen Jagens und Schießens auf den Feldmarken bei gesetzlicher Strafe zu enthalten hätten.

1851

Auf dem Gelände des Rauhen Hauses bezog die Familie Wichern mit ihren acht eigenen Kindern ein neuerrichtetes Haus, später "Weiße Haus" genannt.

1852

23. Februar: Der Hamburg-Lokstedter Renn-Club wurde gegründet. Er hatte sich bereits am 29. November 1851 konstituiert. Bis 1854 gestalteten sich die Pferderennen noch recht dürftig, zumal auch die Rennbahn zu klein war. Deshalb entschloss man sich, nach Horn umzuziehen (siehe 1855).

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/rennclub.htm

1853

Seit dem 14. Oktober war Carl Hermann Merck Eigentümer eines Teils des später als "Blohm’s Park" bekannten Geländes. Im Jahr darauf verkaufte er Landhaus und Grundstück an einen gewissen Graf Solm, der bis 1858 Eigentümer blieb. Über ihn ließ sich leider nichts in Erfahrung bringen.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/blohm.htm

1855

Horn hatte 1.024 Einwohner.

Am Bauerberg standen 34 Häuser, an der Heerstraße (Horner Landstraße) 123, Oben im Ort 13, am Oberen Weg (Horner Weg) 17, am Mühlenberg 5 (heute "Horner Berg"), an der Hohlen Rönne 2, beim Letzten Heller 34 und am Bullerdeich 2 Häuser. Im Vergleich dazu die Einwohnerzahl der östlichen Nachbardörfer: Schiffbeck 594, Kirchsteinbeck 562, Öjendorf 333.

Nachdem die nicht mehr genutzte Horner Gemeindeweide am 25. April vom "Hamburg-Lokstedter Renn-Club" erworben worden war, ließ man sie noch im Frühling zu einer Galopp-Rennbahn ausbauen. Diese besaß einen Umfang von dreitausend Ellen (1 Elle = 62,6 cm) und erhielt eine 150 Fuß (49,97 m) breite Bahn. Bereits am 27. Juli konnte die Horner Renncoppel eingeweiht werden, startete um 16 Uhr das erste Pferderennen. Die Zeit seit dem Areal-Erwerb war aber einfach zu kurz, um noch rechtzeitig eine repräsentative Tribüne errichten zu können. Auch tags darauf und am Sonntag fanden Rennen statt. Bestes Pferd war "Koh-i-noor" (Berg des Lichts), von Baron Biel in Zierow gezogen. Es erhielt einen Preis von 100 Louis d’or, ausgesetzt vom Herzog von Schleswig-Holstein-Augustenburg. Der Hengst hatte schon im Jahr zuvor das Unions-Rennen in Berlin gewonnen.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/rennbahn.htm

"Bei der Renncoppel" nannte man nun den "Weg 52" zwischen Horn und Wandsbek. Später wurde er zur Rennbahnstraße. Der "Weg 111" hieß in den Adressbüchern jetzt zwar "Hinter der Renncoppel", doch in Horn sprach man seit langem nur vom "Hermannsthal". Dieser Straßenname setzte sich durch, wurde ab 7.10.1892 sogar offiziell.

Der Hirtenkaten am Bauerberg war zu jener Zeit auch eine polizeilich beaufsichtigte Bettlerherberge, denn „angelockt durch die zahlreichen wohlhabenden Gartenbesitzer, treibt sich in der Gegend nämlich viel unsauberes Gelichter herum, gegen das bereits mehrere Verordnungen erlassen worden sind. Zeitweilig macht man sogar regelrecht Jagd auf das herrenlose Gesindel", wie ein Zeitzeuge im damaligen Jargon berichtete.

1856

Beim kleinen Rinnsal "Hohle Rönne" wurde ein Weg selben Namens angelegt. Er verband den Horner Weg mit der "Heerstraße nach dem Letztenheller" (Horner Landstraße). Der gesamte Weg lag allerdings schon auf Hammer Gebiet.

Auf der Horner Rennbahn entstand eine Tribüne, die 1.200 Zuschauern Platz bot. Der Pferdesportclub nahm "Lokstedt" aus seinem Namen, hieß fortan "Hamburger Renn-Club".

1858

Seit dem 8. Oktober waren Grundstück und Haus der Familie Merck (heute der mittlere Teil vom "Blohm’s Park") im Besitz von Friedrich Julius Leser.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/blohm.htm

1859

Nach dem Tode von Hermann Mumssen wurde Ernst Adolph Moraht (27.10.1833–26.10.1879) Pastor für Hamm und Horn. Seine volkstümlichen Predigten machten ihn in ganz Hamburg bekannt.

1860

Im Betsaal des Rauhen Hauses wurde der Adventskranz erstmals mit grünen Zweigen umwunden. Die Zahl der Kerzen richtete sich nach der Anzahl der Wochentage, die zwischen dem 1. Advent und Heiligabend lagen.

1861

Am 1. Januar wurde die Hamburger Torsperre aufgehoben. Seit Jahren war die mittelalterliche Schließung der Stadttore während der Dunkelheit von der Bevölkerung als reine Willkür empfunden worden, denn jahreszeitbedingt konnte das zwischen 16 und 21.30 Uhr sein. Gegen Gebühr waren die Tore allerdings seit dem 10. Juni 1836 auch noch bis Mitternacht passierbar. Hier wurde auf alles, was ein Bürger und Untertan der Stadt "um und in den Leib gebrauchet" Akzise (Steuer) erhoben. Ab 1861 wurde die Akzisegrenze an die Landesgrenze verlegt, wo man Steuerposten errichtete. Mit dem Anschluss Hamburg an das deutsche Zollgebiet im Jahre 1888 wurde die Akzise aufgehoben.

Das alte Schulhaus erhielt ganz rechts einen letzten Anbau mit einem weiteren Klassenzimmer.

Die Straße "Bauerberg" wurde erstmalig gepflastert.

1862

Kältester Winter seit langem. Die Temperatur fiel teilweise auf 28 Grad unter Null.

29. Juni: Einweihung des neuen Hammer Friedhofs in Eilbek, auf dem auch die Toten Horns beerdigt werden. Die letzte Beisetzung fand 1928 statt und 1954 wurde der Friedhof entwidmet.

1863

17. Mai:  Eröffnung des Zoologischen Gartens Hamburg. Direktor war Alfred Brehm. 1930 wurde der Zoo geschlossen und in einen Volks-, Vogel- und Vergnügungspark umgestaltet. Seit der Niederdeutschen Gartenschau 1935 nennen die Hamburger das Gelände "Planten un Blomen".

1864

Am 16. Januar begann der deutsch-dänische Krieg um den Besitz der Herzogtümer Holstein, Lauenburg und Schleswig, die dem dänischen König unterstanden. Österreich hatte sich durch eine geschickte Taktik des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarcks zu einer gemeinsamen Sonderaktion gegen Dänemark verleiten lassen, das vergeblich auf englische Hilfe gehofft hatte. Schon bald erlag es der großen Übermacht. Im Wiener Friedensvertrag vom 30. Oktober musste Dänemark seine drei Herzogtümer abtreten. Zunächst übernahmen die beiden Siegermächte die Besetzung und Verwaltung gemeinsam, doch im Vertrag von Gastein vom 14. August 1865 erhielt Preußen die Herzogtümer Lauenburg und Schleswig, Österreich das dazwischen liegende Holstein.

In Horn wurden erstmals Straßenlaternen aufgestellt. Das aus Steinkohle hergestellte Gas kam aus Rothenburgsort.

Zu jener Zeit gab es im Dorf schon zwei Briefkästen: Beim Gasthof von Hoops an der Ecke Horner Landstraße/Bauerberg und beim Letzten Heller.

Am 24. September erschien erstmals das "Hamburger Fremdenblatt", eine bis ins 20. Jahrhundert hinein beliebte Tageszeitung.

1865

Die volksmundliche Bezeichnung "Am Bauerberg" wurde amtlicher Straßenname für einen jahrhundertealten Weg, um den sich das Dorf Horn entwickelte.

Der an der Hammer Kirche beginnende "Hornerweg" hieß jetzt auch in Horn offiziell so. Die Einwohner sprachen früher vom Oberen Weg oder Weg nach Hamm.

Die Landstraße wurde umfangreich reguliert, auf sieben Meter verbreitert und neu gepflastert. In den Hamburger Adressbüchern bis 1879 stand aber immer noch "an der Landstraße".

1866

Im April wurde die Firma "Basson & Co." in "Basson’sche Omnibus Actien-Gesellschaft" (B.O.A.G.) umgewandelt.

Nach gegenseitigen Vertragsbruchvorwürfen brach der preußisch-österreichische Krieg aus. Am 9. Juni marschierten preußische Truppen in Holstein ein. Nach seiner Niederlage bei Königgrätz am 3. Juli musste Österreich der Annexion von Schleswig und Holstein durch Preußen zustimmen. Im Oktober wird Schiffbeck und ganz Holstein preußisch. Über 400 Jahre lang war es dänisches Herzogtum.

1867

Horn hatte 1.658 Einwohner.

Der historische Gasthof "Letzter Heller" soll in diesem Jahr abgebrannt sein. Vermutlich geschah das im Sommer, denn auf einem Grundrissplan vom 21. März ist er noch eingezeichnet.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/heller.htm

1868

Jetzt konnten sich die Horner Hauseigentümer endlich gegen Feuerschäden versichern. Die seit 1676 existierende "Hamburger Feuerkasse" übernahm fortan auch alle Schäden außerhalb der Stadt.

Vermutlich im Frühjahr entstand am Ostrand des Kleinen Pachthofs das erste Spritzenhaus. Auf der Dorfkarte von 1868 ist es eingezeichnet und benannt, doch ist nicht sicher, ob es sich bei der im Staatsarchiv Hamburg gehüteten Karte um ein unverändertes Original handelt. Schon bei einer der beiden Dorfkarten von 1826 ist die Pferderennbahn nebst Tribünen zu sehen, die aber erst Jahrzehnte später entstanden. Hier allerdings ist der Nachtrag deutlich zu erkennen, was bei der Karte von 1868 nicht der Fall ist.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/spritze.htm

 Die neue Dorfkarte wies erstmals Hausnummern aus (siehe auch anno 1837). Straßenanfang war immer der stadtnähere Punkt. Hier begannen die fortlaufenden Nummern links, um schließlich wieder rechts zu enden.

Der Kaufmann Georg Heinrich Kaemmerer erwarb von Daniel Gottfried Oehrens südlich der Horner Landstraße ein Gelände mit großem Landhaus und altem Baumbestand, das er zu einem Park mit Teich und Insel ausbauen ließ. Das Grundstück lag auf dem westlichen Teil des heutigen "Horner Park".

Siehe auch 1909 und 1915 sowie http://hornertv.tripod.com/park.htm

1869

Horn hatte 1.800 Einwohner.

Das Frühjahr war sehr kalt und schneereich.

Grundeigentümer C.A.H. Fischer ließ am Ostrand der Bullenkoppel seine Fischerstraße anlegen. Am 1. Oktober 1899 wird man sie in "Morahtstraße" umbenennen.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/moraht.htm

Bei strahlend blauem Himmel fand am 11. Juli das 1. Norddeutsche Derby statt. Mit schönen Karossen, in Kremsern und eleganten Equipagen fuhr die gutbetuchte Gesellschaft nach Horn. Sieger des Rennens über 1.875Meter wurde Investment, geritten vom englischen Jockey W. Little. Im kleinen Feld von fünf Pferden belegte Rabulist den zweiten und Hamlet den dritten Platz.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/derby.htm

1870

Sehr kalter Winter. In Horn gab es acht Straßen: Am Bauerberg, Bei der Rennkoppel, Beim letzten Heller, Hornerweg, Großer Kamp, Landstraße, Mühlenberg, und Schiffbeckerberg.

Eduard Moll, Gründungsmitglied des Hamburger Renn-Clubs, ließ im Sommer eine Bretterbude aufstellen, die eher wie ein stilles Örtchen aussah. In ihr war jedoch eine Maschine zur mathematischen Errechnung der Chancen eines Rennens untergebracht: Deutschlands erster Totalisator!

1. Oktober: Hamburg übernahm die Kirchenschule als öffentliche Volksschule. Erster Lehrer im Alten Schulhaus war Johannes Gustav Beyle.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/schulen.htm

1871 

Horn gehörte nicht mehr zur Landherrenschaft der Geestlande.   

1873

Die Tribüne auf der Horner Rennkoppel erhielt rechts und links je einen baugleichen Flügel. Zudem entfernte man das alte Gebäude auf dem Sattelplatz, ersetzte es durch ein neues aus Holz. Das 5. Norddeutsche Derby fand am 28. Mai statt.

Vom 10. bis 17. Dezember wurden Wählerlisten für die Reichstagswahl beim Vogt Krogmann in der Horner Landstraße ausgelegt. Horn war der Wahlbezirk 97.

1874

Horn wurde zu einem Vorort Hamburgs. Bauernvogt Jacob Martin Decke bekleidete nun auch das Amt eines Ortsvorstehers. Die hamburgisch-preußische Grenze verlief jetzt bei Schiffbeck, am Ende der Horner Landstraße. Hier wurde am 18. Juli ein Zollhaus fertiggestellt, wo fortan "Accise" (Warensteuer) zu entrichten war. Ein baugleiches Gebäude entstand auch an der Rennbahnstraße Nr. 120, wo das preußische Wandsbek begann.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/akzise.htm

Erstmals erschien ein farbiger Stadtplan, auf dem Horner Landstraße zu lesen war. Man plante eine Neunummerierung aller Straßen, denn Stadtannäherung musste zwangsläufig Bevölkerungszuwachs und anstehende Bautätigkeit zur Folge haben. Großzügige Hausnummernbereitstellung war Voraussetzung, in absehbarer Zeit nicht noch einmal durchnummerieren oder alphabetische Anhängsel benötigen zu müssen. Somit sind viele Hausnummern sogar bis heute nie vergeben worden. Die Nummern sollten zukünftig nicht mehr wie 1868 verlaufen, sondern in geraden und ungeraden Zahlen rechts bzw. links der Straße beginnend. Seinerzeit wurde auch eine eventuelle spätere Bebauung des Hanggeländes um den heutigen "Blohm’s Park" mit eingeplant, denn an Grünanlagen für die Öffentlichkeit dachte in den unsozialen Zeiten des 19. Jahrhunderts niemand.

Der kleine Teich zwischen Bauerberg und Pagenfelderstraße wurde zugeschüttet, nachdem die städtische Wasserleitung bis zum Haus Nr. 193/195 verlegt worden war.

Für das sechste Derby am 28. Juni errichtete man auf der Horner Rennkoppel einen hölzernen Pavillon, in dem eine Damen-Garderobe, ein "Bufet" sowie ein "Closet" untergebracht waren. Auch am 20. und 21. September fanden Pferderennen statt.

Mit dem Paulinum gründete Johann Hinrich Wichern die erste Schule im Rauhen Haus, heute eine der ältesten Hamburgs. Die Einweihung fand am 1. Oktober statt.

1875

Der Kaufmann Ludwig Friedrich Blohm erwarb einen großen Teil des später nach ihm benannten Parks. Im Hamburger Adressbuch von 1876 steht unter Horner Landstraße Nr. 10: "Sommerwohnung des Kaufmanns Ludwig Friedrich Blohm". Die von Fotos bekannte Villa ließ er allerdings nicht erbauen. Sie ist bereits auf der Dorfkarte von 1868 dokumentiert.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/blohm.htm

Nahe Ostecke heutiger Manshardtstraße wurde im April das erste Haus an der Straße "Hermannsthal" bezogen.

An der Rennbahnstraße Nr. 101 ließ der "Hamburger Renn-Club" eine Trainier-Anstalt erbauen. Das aus Erd- und Dachgeschoss bestehende Stallgebäude war 31,43 x 10,25 Meter groß und sieben Meter hoch. Im Erdgeschoss gab es 16 Pferdeboxen, im Dachgeschoss deponierte man Hafer und Stroh. Gleichzeitig entstand ein 10,43 x 8,43 Meter großes und 10,50 Meter hohes Wohnhaus, in dem anfangs Carl Graehn lebte. 

Am 27. Juni, dem Derby-Sonntag dieses Jahres begann im gerade erbauten Palais der Familie Heinrich Freiherr von Ohlendorff in Hamm die Tradition des sogenannten "Rennfrühstücks". Der reiche Kaufmann war dem Derby sehr verbunden, zwischen 1878 und 1919 sogar Vorstands- und Ehrenmitglied des "Hamburger Renn‑Club".

1876

16. Oktober:  An der Fischerstraße wurde ein Gebäude mit sogenannten "Gotteswohnungen" eingeweiht, ein Begriff, den es in Hamburg bereits seit 1582 gab. Das Hamm-Horner Armenkollegium hatte diese Wohnungen auf Initiative des Horner Pastors Ernst Adolf Moraht errichten lassen. Ein Jahr nach dem Tod des Pastors erhielt das Gebäude 1880 den Namen Morahtstift.

1877

21. März: Engagierte Männer gründeten den Horner Bürger-Verein.

Grundbesitzer J.H.B. Reinecke ließ gegenüber der Rennbahntribüne eine Straße anlegen, die zu seinem 170 Meter entfernten Landhaus führte. Mit 44 neu angepflanzten Bäumen sah sie wie eine kleine Allee aus, und hieß im Volksmund fortan Reineckestraße. Auf Karten ist aber auch "Weg 376" zu lesen, weil der Straßenbereich aus dem Flurstück 376 bestand. Nachdem sein Sohn G.E.L. Reinecke den Grundbesitz an die "Neue Baugenossenschaft von 1900" verkauft hatte, wurde auch die Straße umbenannt, hieß seit dem 25. Dezember 1901 "Tribünenweg".

Im September wurde Horns erste Turnhalle fertiggestellt. Sie befand sich auf dem Gelände des "Rauhen Hauses" direkt am Hornerweg. Baumeister war J. Carl Pingel.

1878

3.-6. Juli: Ulysses Simpson Grant, 18. Präsident der USA von 1869‒1877, besuchte mit Ehefrau Julia Hamburg, nachdem er in Berlin Gespräche mit Kanzler Otto von Bismarck geführt hatte. Am Unabhängigkeitstag hatte sie der reiche Kaufmann Heinrich Jacob Bernhard von Ohlendorff, zusammen mit dem Konsul und weiteren in der Hansestadt lebenden Amerikanern, in sein Palais an die Schwarzestraße (Hamm) eingeladen, wo das Ehepaar Grant auch übernachtete. Weil die aber schon am 6. Juli in Kopenhagen erwartet wurden und somit nicht am Tag darauf das Derby auf der Horner Rennbahn besuchen konnten, hatte Ohlendorff sein traditionelles "Rennfrühstück" einfach um einen Tag vorverlegt. 

12. November: Der Hülfsverein für Borgfelde, Hamm und Horn wird gegründet. Sein Anliegen ist die Armenpflege. Er wird bis 1929 bestehen.

1879

26. Oktober: Pastor Ernst Adolph Moraht starb an einer Infektion, die er sich am Krankenbett einer seiner Konfirmandinnen geholt hatte.

1880

Horn hatte 2.664 Einwohner und war 611,62 Hektar groß. Davon gehörten 117,3 Hektar dem "Hospital zum Heiligen Geist".

Der ehemalige "Weg 52" nach Wandsbek hieß fortan Rennbahnstraße. Sie wurde im Sommer erstmalig mit sechs einstöckigen Wohnhäusern bebaut. Die Häuser des Eigentümers Anton Heinrich Stege konnten am 12. November bezogen werden und erhielten die Nummern 73, 75, 77, 79, 81 und 83. Jedes Grundstück besaß einen 5,63 x 4,38 Meter großen Stall und für alle Bewohner waren außerdem zwei Waschhäuser (je 8,76 x 4,38 Meter groß) entstanden.

Für dreihunderttausend Mark verkaufte das "Hospital zum Heiligen Geist" den Kleinen und den Großen Pachthof an Hamburg.

8. Juni:  Der Gemeindevorstand der Dreifaltigkeitskirche wählte Otto Palmer (16.7.1840–28.2.1905) zum neuen Pastor für Hamm und Horn.

2. November:  Die SEG (Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft) eröffnete ihre neue Linie vom Letzten Heller über die Horner- und Hammer Landstraße, Anckelmannstraße, Spaldingstraße, Meßberg bis zur Endstation Dornbusch bei der St. Petri Kirche. Nachdem erstmals Schienen verlegt worden waren, wurde der einstige Pferde-Omnibus zur "Pferdebahn".

1881

Die Horner Landstraße besaß seit Januar neue, von West nach Ost verlaufende Hausnummern, die von 9–485 (um 1900 sogar bis 491) reichten. Nördlich verliefen alle ungeraden, südlich die geraden Nummern. Als man Ende der 1820er Jahre erstmals Hausnummern erteilt hatte, begannen sie nordwestlich der Straße und verliefen ab dem Letzten Heller südlich weiter zurück gen Westen. Somit lagen sich die erste und letzte Hausnummer seinerzeit gegenüber.          

Im Frühjahr begannen in der Horner Landstraße die Bauarbeiten für einen ersten öffentlichen Abwasserkanal, der vorerst bis zum Letzten Heller reichen sollte. Zwischen 1890 und 1900 verlängerte man dieses Siel nach und nach bis zum Ende der Straße.

Auf dem Gelände des 1867 abgebrannten historischen Gasthofs "Zum Letzten Heller" eröffneten die geschäftstüchtigen Brüder E. & L. Stockmeyer zur Sommersaison den Horner Park, das größte Vergnügungs-Etablissement Hamburgs. Es gab Volks-, Tanz- und Kinderfeste und in den warmen Monaten sonntags und mittwochs Vorstellungen im Theatersaal. Im parkähnlichen Außenbereich fand sonntags, mittwochs und freitags ein Konzert statt und allsonntäglich ein "Großer Ball" in der Festhalle. Stockmeyer warben mit 26 Fremden- und mehreren Clubzimmern, zwei guten Kegelbahnen, Stallungen für dreißig Pferde und zwölf Boxen für Rennpferde. Warum schon im Jahr darauf Wilhelm Sträter neuer Betreiber wurde ist nicht überliefert. Möglicherweise war es doch recht schwierig, einen solch großen Betrieb rentabel zu führen, zumal alle Veranstaltungen im Außenbereich wetterabhängig waren. Diese Vermutung wird verstärkt, wenn man sieht, wie schnell die Gastwirte wechselten:  Schon 1884 gab Wilhelm Sträter auf und betrieb fortan eine Gastwirtschaft am Valentinskamp Nr. 31. Ihm folgte Bernhard Wahlen, doch schon im Jahr darauf gab es mit H.H.F. Singelmann wieder einen neuen Betreiber. Mitte der 1890er Jahre bis 1902 war dann Albert Krohn Gastwirt, anschließend Georg Schaardt und seit 1909 Carl Alex.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/heller.htm

1882

Ende Februar erhielt das Alte Schulhaus einen neuen Klassenraum.

Am 14. und 16. Juli trat der Schnell- und Dauerläufer Adolf Dibbels im Horner Park auf. In den "Hamburger Nachrichten" erschien am 17. Juli (Montag) ein Artikel über seinen Auftritt:

Der Horner Park, welcher bekanntlich vor einiger Zeit in den Besitz des Herrn Wilhelm Sträter übergegangen ist, übt jetzt noch in erhöhtem Maße seine Anziehungskraft auf das vergnügungslustige Publikum aus. In dem prächtigen Saal des Etablissements wurde trotz 26 Grad Réaumur fleißig das Tanzbein geschwungen. Im Garten concertirte eine vortreffliche Militair-Capelle. Die Restauration des Herrn Sträter wurde stark in Anspruch genommen; dieselbe darf als durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden."

Anmerkung: 26 Grad Réaumur entsprach 32,5 Grad Celsius.

1883

Am 1. Oktober wurde Carl Johannes Christian Hermann Schetelig (27.11.1849–20.3.1920) zuständiger Pastor für Horn. Seit 1876 war er bereits Pastor in Haselau bei Uetersen.

Am 22. April gab es Frühjahrs-Rennen auf der Rennkoppel. Am 27. Juli begannen die Sommer-Rennen.

1885

Horn hatte 3.363 Einwohner.

Grundsteinlegung für die Bauerbergschule.

Nach Gebäudereparaturen fanden am 26. Mai die Frühjahrs-Rennen und dann am 24., 26. und 27. Juni die Sommer-Rennen statt. "Horner Rennbahn" hatte sich zwar langsam als Begriff durchgesetzt, doch einige sprachen auch immer noch von der "Renncoppel".

Der von der Horner Landstraße am Letzten Heller den Geesthang hinauf zur Windmühle führende Fußsteig, im Volksmund Mühlenberg genannt, wurde für 3.181 Mark reguliert, teilweise gestuft und mit Mosaiksteinen gepflastert. Eigentlich war er nur ein kurzer Abschnitt des Wegs Nr. 153 (im Volksmund "Mühlenweg" genannt), der oben auf dem Geestrücken 12 Fuß (3,44 m) breit bis nach Schiffbek führte und dort 1897 zusätzlich einen ein Meter breiten Gehweg erhielt.

Nach Abriss zweier ebenerdiger Wohnhäuser auf der Ostseite des Bauerbergs (eines war abgebrannt, das andere uralt und baufällig) und gleichzeitigem Abbruch des Hauses Nr. 1/2 gegenüber, bekam der südliche Bauerberg schon bald ein völlig neues Gesicht. Das einst steile Straßengefälle verringerte man von 1:13 auf 1:21, verbreiterte alles von 10 auf 14,3 Meter und stützte vorspringendes Gartenterrain auf westlicher Seite durch eine Felsmauer.

1. November: "Erster Spatenstich" für die Martinskapelle. Anhaltender starker Frost verhinderte jedoch weitere Bautätigkeiten.

1886

Horn hatte 3.600 Einwohner.

Am 25. und 26. April (Ostern) fanden die Frühjahrsrennen statt.

Am 4. Mai eröffnete die erste Horner Warteschule in einem 6,70 x 2,80 Meter großen Holzschauer an der Nordseite des Schulhauses. Ein eigens dafür eingerichteter Verein hatte sie am 10. März gegründet.

Weiteres unter http://hornertv.tripod.com/warteschule.htm

Am 11. April war Grundsteinlegung für die Martinskapelle, Horns erstes Gotteshaus. Es konnte am Donnerstag den 11. November eingeweiht werden. Das nach einem Entwurf des bekannten Kirchenarchitekten Johannes Vollmer (1845–1920) vom Zimmermeister Ernst Möller in Backstein ausgeführte Gebäude wurde nach den herrschenden städtebaulichen Vorstellungen als freistehender Bau konzipiert. Die für 35.000 Mark errichtete Martinskapelle gehörte somit zu den frühen Beispielen des Kirchenbaus, die im Zuge der rasanten Stadtentwicklung Hamburgs in den neuen Siedlungsgebieten entstanden. Im Baustil stand sie in der Tradition der neugotischen "Hannoverschen Schule", die den Backsteinbau Norddeutschlands in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beeinflusst hatte Die Kapelle besaß 400 Sitzplätze, doch anfangs gab es weder Orgel noch Glockenturm.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/kirche.htm

Höhe heutiger Autobahnbrücke Rennbahnstraße ließen die Baptisten ein Prediger-Seminar erbauen.

13. Juli:  Nach knapp einem Monat Bauzeit war auf der Horner Rennbahn für 3.000 Mark eine unbedachte Tribüne aus "Holz- und Bretterwerk" entstanden. Sie stand auf massiven Unterpfeilern, 8,30 Meter südlich der alten Tribüne, war 32,50 Meter lang und besaß 554 Sitz- sowie 56 Stehplätze. Später nannten die Besucher sie auch "Fußgänger-Tribüne", doch sie sollte nur wenige Jahre existieren.

1887

Nach Beschluss, die Horner Landstraße auf zwanzig Meter zu verbreitern, erwarb der Staat jetzt vor allem südliches Terrain.

Am 25. und 26. April fanden Frühjahrs-Rennen, am 24., 26. und 27. Juni Sommer-Rennen statt.

Am 6. Juli um 16:30 Uhr war feierliche Grundsteinlegung für die "Predigerschule der Baptisten" an der Rennbahnstraße (siehe auch 6. September 1888).

19. August:  Totale Sonnenfinsternis über Hamburg.

Am 1. Oktober wurde die neu errichtete zwölfklassige Bauerbergschule mit Turnhalle und Lehrerwohnung eingeweiht. Sie besaß eine Feuerluftheizung der Gebrüder Körting aus Hannover, die im Jahre 1902 für 17.500 Mark in eine Niederdruck-Dampfheizung umgewandelt wurde. An der neuen Schule unterrichteten nun zwei Lehrerinnen und sechs Lehrer. Im alten Schulhaus von 1780 war es zuletzt so eng geworden, dass für acht Klassen nur vier Räume zur Verfügung standen. Als die Oberschulbehörde dieses fortan nicht mehr genutzte Gebäude im Oktober an die Kirche zurückgab, konnte die "Horner Warteschule" hier einziehen. Weitere Räume wurden bis zum 5. November zu drei Wohnungen umgebaut, für die jeweils 300 Mark Jahresmiete zu zahlen waren. Das ehemalige Schulhaus hatte nun eine Zeitlang die Adresse "Alte Schulstraße Nr. 1–4".

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/schulen.htm

1888

Am 9. März verstarb Kaiser Wilhelm I.

Frühjahrs-Rennen waren am 22. und 23. April, die Sommer-Rennen am 29. Juni sowie 1. und 2. Juli.

Der Tierhändler Carl Hagenbeck (44) erwarb an der Horner Landstraße Nr. 172 ein 142.000 Quadratfuß (4.016 ) großes Grundstück mit altem Landhaus. Er wollte hier später einmal einen Wildpark mit großen Gehegen und schönen Tierhäusern an1egen lassen. Sein Etablissement am Neuen Pferdemarkt, wo er mit Wildtieren handelte, war für weitere geschäftliche Expansionen einfach zu klein geworden und räumlich erweitern ließ es sich nicht. Leider zeigte sich Hamburg nicht bereit, Teile seines in Horn ans Grundstück von Hagenbeck angrenzenden Staatsterrains zu veräußern. 1910 verkaufte Hagenbeck seine Horner Immobilie, nachdem er bereits 1907 in Stellingen einen großen Tierpark eröffnet hatte.

15. Juni: Wilhelm II. wurde Deutscher Kaiser und König von Preußen.

Am 6. September weihten die Baptisten an der Rennbahnstraße ihr erstes eigenes Seminargebäude ein, anfangs noch "Missions- und Predigerschule" genannt. Die Baukosten betrugen 108.565 Mark und wurden halb durch die Bundes-Gemeinden, halb durch Beihilfen aus Amerika gedeckt. Bis 1888 fand der Unterricht in der Hamburger Baptistenkirche an der Böhmkenstraße statt.

Das direkt an der Wandsbeker Grenze gelegene Grundstück, hatten die Baptisten im Jahr zuvor erwerben können, dank einer Schenkung des amerikanische Unternehmers John Rockefeller. Auch er war ja Baptist und galt seinerzeit als der reichste Mensch der Welt. Den Namen "Prediger-Seminar" erhielt das Gebäude in Horn übrigens erst im Jahre 1898.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/seminar.htm

Am 15. Oktober wurde Hamburg zum Zollinland. Die zwei Akzisen an der Horner Landstraße Nr. 485 und der Rennbahnstraße Nr. 120 dienten fortan nur noch zu Wohnzwecken.

1889

10. Januar: Gründung des Grundeigentümervereins für Horn und Umgebung.

An der Ecke Horner Landstraße/Hohlerweg entstand das von alten Postkarten bekannte Haus mit Gastwirtschaft von Carl Wilhelm August Amelung.

Die Sommer-Rennen in Horn wurden am 21., 23. und 24. Juni durchgeführt. Am 23. Juni fand auf der Rennkoppel zum 21. Mal ein Derby statt, das fortan nur noch "Deutsches Derby" hieß. Nach knapp vier Monaten Bauzeit war für 42.000 Mark rechtzeitig ein neues "Directions-Gebäude" mit Aussichtsplattform und Musik-Pavillon entstanden. Neben dem Directions-Raum gab es noch jeweils einen für Jockeys, Trainer, Gentlemen, Waage, Casse, Presse, Post- und Telegraphen sowie das Schiedsgericht. Für 20.000 Mark hatte man zudem ein neues Totalisator-Gebäude sowie ein Sattel- und Stallgebäude errichten lassen. Letztlich war auch noch ein provisorisches hölzernes Restaurationsgebäude fertiggestellt worden. Ein als Totalisator benutzter Bretterbau wurde im Spätsommer abgebrochen.

Nach dem Tod von Peter Wilhelm Krogmann wurde Jacob Martin Decke letzter Horner Bauernvogt.

1890

Horn hatte 4.201 Einwohner.

Im Gasthof "Zur Felsenburg" an der Horner Landstraße Nr. 164 gründete man den Männergesangverein Felsenburg.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/felsenburg.htm

Die bereits 1669 dokumentierte Galerie-Windmühle auf dem Geesthang beim Letzten Heller soll in diesem Jahr zerlegt und bei Rothenburg/Wümme wieder aufgebaut worden sein. Trotz intensiver Nachforschungen konnte dieser Vorgang allerdings nicht belegt werden. Letzter Müller war Jacob Emil Hinsch, der die Mühle nach dem Tod seines Vaters Johann Jacob um 1880 Jahre übernommen hatte.

Am 27. April gibt's auf der Horner Rennbahn wieder die traditionellen Frühjahrs-Rennen. Am 20., 22. und 23. Juni die Sommer-Rennen und am 12. Oktober die Herbst-Rennen.

Eine Bleistiftzeichnung vom 2. Dezember beweist, dass Horn an diesem Tag mit Schnee bedeckt war.

1891

Ab 1. Januar begann man in Hamburg mit der regelmäßigen Wetteraufzeichnung. Die tiefste Temperatur an diesem Tag betrug 13,2° minus, die höchste 7° minus. Ein strenger Frost, der den ganzen Monat lang anhielt, ließ sogar Rhein und Weser zufrieren.

Änderung der Hausnummern am Bauerberg. Die bislang fortlaufende, links beginnende Nummerierung, wurde der seit 1881 an der Horner Landstraße üblichen angepasst. Im nördlichen Teil verbreiterte man das Straßenpflaster.

Im Mai musste der historische Gasthof "Schinkenkrug" dem Bau eines Großwohnhauses weichen.

"Frühjahrs-Rennen" waren in diesem Jahr am 26. April. Das provisorische hölzerne Restaurationsgebäude auf der Horner Rennbahn ersetzte man durch ein neues aus Eisenteilen. Nach drei Monaten Bauzeit wurde es am 4. Mai übergeben und mit 55.200 Mark "von der Feuercasse taxirt". Die Sommer-Rennen begannen am 19. Juni.

1892

Am 22. Januar registrierte man mit 15,1° minus die tiefste Temperatur des Winters. Die Alster war mittlerweile zugefroren.

In diesem Jahr und auch in den Jahren 1894/95 wurde das Pflaster des Horner Wegs bis Bauerberg verbreitert. Außerdem erhielt die Straße Fußwege mit Kantsteinen.

Johann Heinrich Dietrich von Drateln (1862–1915) aus Wilhelmsburg übernahm den "Großen Pachthof" am Bauerberg.

Die Frühjahrs-Pferderennen fanden am 24. April statt.

Nachdem das Wettverbot in Deutschland aufgehoben worden war (Wetten galten lange Zeit als unmoralisch), entstand im Frühjahr für 25.840 Mark ein neues Totalisator-Gebäude aus Eisenteilen. Es wurde direkt neben dem alten erbaut und am 10. Juni fertig. Außerdem errichtete man für 9.000 Mark "Auszahlungscassen" aus Eisenfachwerk. Am 24. Juni begannen die Sommer-Rennen. Erstmalig wurde der "Große Hansa-Preis" ausgetragen. Es siegte das Pferd Nickel unter Jockey H. Barker.

Wegen der Cholera in Hamburg vom 27.8. – 29.10. blieb die Schule geschlossen. Obwohl diese Epidemie Horn im Verhältnis zu anderen Stadtteilen noch weitgehend verschonte, erkrankten doch 60 Menschen, von denen etwa 30 verstarben.

7. Oktober: Der Senat beschloss, den südöstlich der Rennbahn verlaufenden "Weg 111" in "Hermannsthal" umzubenennen. In den Hamburger Adressbüchern stand vorher stets "Hinter der Rennkoppel", doch die Bevölkerung hatte diesen Feldweg schon lange als Hermannsthal bezeichnet, nachdem Jacob Hermann Decke (1817–1894) dort Grundbesitzer geworden war.

30. Dezember: Für Horn und andere Vororte auf dem rechten Elbufer gab es einen Bebauungsplan, den die zuständige Senats- und Bürgerschaftskommission in den folgenden Jahren weiter ausarbeitete, so auch einen vom 12. Juli 1895.

1893

Horn hatte 4.235 Einwohner.

Rechts vom Bauerberg abzweigend, am Südrand des großen Pachthofgebäudes verlaufend, legte man den Kirchenstieg an. Der kopfsteingepflasterte ehemalige Hofweg führte nun nicht mehr allein zur Scheune, den Fischteichen und auf die Weide, sondern auch zur Martinskapelle, die im Jahr darauf zur Martinskirche wurde.

Nachdem das zum Landhaus am Hohlerweg Nr. 42 gehörende Gärtnerhaus nebst Stallgebäude im September abgebrochen worden war, konnte die Horner Baufirma Konrad Claus Feck bis April 1894 für 24.000 Mark ein Wohngebäude errichten, das die Hausnummern 46, 48, 50 und 52 erhielt.

1894

28. Februar: Nach Ausbau und Pflasterung hieß der "Weg 134" jetzt Pagenfelderstraße. Gleichzeitig wurde der vom späteren Pagenfelderplatz zur Rennbahnstraße verlaufende "Weg 102" zur Pagenfelderstraße hinzugezogen. Den Namen erhielt die Straße nach einer ehemalig "Pagenfeld" genannten Koppel, denn "Pagen" war das niederdeutsche Wort für Pferde.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/pagenfeld.htm

16. Mai: Zimmermeister Konrad Claus Feck & Söhne begannen mit dem Bau des Kirchturms. Er sollte 125 Fuß hoch werden und 9.000 Mark kosten, die Turmuhr 1.600 Mark.

Wie sich Martha Decke zu erinnern meinte, stand vor dem Hof ihres Vaters, dem letzten Bauernvogt, bis Ende Juni ein Kasten mit Bekanntmachungen. Der Hof lag am Bauerberg Nr. 75.

30. September: Horn wurde ein Stadtteil Hamburgs, hatte mittlerweile 4.235 Einwohner. Turmweihe der Martins-Kirche.

16. Oktober: Das für 28,000 Mark errichtete  Pastorat konnte bezogen werden. Sein Bau war bereits am 5. Juni 1893 vom Hamm-Horner Kirchenvorstand beschlossen und nach einem Entwurf des Architekten Groothof von der Firma Konrad Claus Feck & Söhnen  ausgeführt worden.

In diesem Jahr fuhr das erste Auto auf Hamburgs Straßen. Es war ein Patent-Motorwagen der Firma Benz, Typ "Vis-a-Vis", der dem Gründer des Panoptikums Friedrich Hermann Faerber gehörte.

1895

Der "Hamburger Renn-Club" ließ die Tribüne umbauen. Sie wurde auch "Schaubühne" genannt. Eine für Horn interessante Landkarte erschien, die sämtliche Gebäude auswies, allerdings ohne Hausnummern.

1895 ist unstrittig als das Geburtsjahr der Kinematographie anzusehen. Gleich mehrere Erfinder und Verfahren traten teilweise fast gleichzeitig (und wahrscheinlich auch voneinander beeinflusst) an verschiedenen Orten auf. Nach den Brüdern Lumière in Paris präsentierten kurze Zeit später Filoteo Alberini in Italien, Ottmar Anschütz und die Brüder Skladanowsky in Berlin sowie der Amerikaner Thomas A. Edison in New York jeweils verschiedene Verfahren zur Vorführung "lebender Bilder". Am 16. Mai erschienen auch in verschiedenen Hamburger Zeitungen Werbeanzeigen für die ersten Vorführungen von "Edison's Kinetoskop". Hinter diesem Verfahren verbarg sich allerdings noch keine Großprojektion, sondern das Publikum konnte die "lebenden Bilder" nur durch Hineinschauen in einen der fünf Apparate sehen, die in den elegant ausgestatteten Parterreräumen des Hauses Gänsemarkt Nr. 2 aufgestellt worden waren.

1896

13. April: Die erste elektrische Straßenbahn fuhr vom Letzten Heller über Berliner Tor bis Dornbusch (St. Petri-Kirche). Zum Einsatz kamen zweiachsige zunächst einmotorige Triebwagen der Waggonfabrik Falkenried, die bald darauf auch mit ehemaligen Pferdebahnwagen behängt wurden. Die "Strassen-Eisenbahn-Gesellschaft" hatte dafür ein neues Depot mit dreigleisiger, fünfzig Meter langer Wagenhalle errichten lassen, das die alten Stallgebäude an der Horner Landstraße Nr. 283/285 ersetzte. Den elektrischen Strom lieferte zuerst das 1893 erbaute Kraftwerk "An der Stadtwassermühle". Hamburgs elektrifizierte Straßenbahnen besaßen in der Regel ein linientypisches Dachzeichen und das noch bis in die 1930er Jahre, obwohl es bereits seit 1900 Liniennummern gab. Nachts waren die Wagen ab 1897 durch zwei je nach Linie verschiedenfarbigen sechseckigen Laternen erkennbar. Die Fahrten von der Station "Letzter Heller" in Horn begannen morgens um 6:56 Uhr und endeten um 23:16 Uhr. Die Straßenbahn fuhr alle zehn Minuten! Auf dem Weg zur Endstation Dornbuch gab es vier Teilstrecken: Von Horn bis zum Borstelmannsweg und weiter bis zum Ausschlägerweg kostete die Fahrt 10 Pfennige. Bis zum Berliner Bahnhof waren 15 Pf. zu entrichten und für die gesamte Strecke bis zur Endstation Dornbusch 20 Pf. Am selben Tag war auch die Strecke vom Neuen Pferdemarkt in St. Pauli bis zur Hammerbrookstraße in Betrieb genommen worden.

Im Juli wurde der Verein "Militärische Kameradschaft von Horn und Umgebung" gegründet­.

14. Oktober, 15 Uhr: Einweihung der neuen Horner Warteschule am Bauerberg Nr. 38. Die Festreden hielten Pastor Carl Schetelig und Schulvorsteher Carl Gottschalck. Architekt war Julius Faulwasser (1855–1944), seinerzeit bekannt auch als Autor des Buches "Der große Brand und der Wiederaufbau von Hamburg".

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/warteschule.htm

1. November: Erster Telefonanschluss in Horn.

1897

Ende Februar wurde der Holzschauer am Schulhaus von 1780 abgebrochen. Er diente bis Mitte Oktober 1896 als Warteschule. Die drei Wohnungen in der alten Schule hatte man zu zwei Wohnungen umgebaut.

Die Bauerbergschule erhielt im südlichen Teil zwei neue Stockwerke, konnte jetzt auf 18 Klassen erweitert werden.

Pflasterung der Pagenfelderstraße zwischen heutigem Pagenfelderplatz und dem Bauerberg.

1898

Horn hatte 4.728 Einwohner.

Ab Jahresbeginn erhielten die Horner Landstraße und der Bauerberg neue Abwasserkanäle (Siele).

1899

Vom Hermannsthal (Höhe Haus Nr. 61) wurde ein Fußweg zur Horner Landstraße angelegt, der dort westlich von Haus Nr. 329 einmündete.

Der Sommer war so heiß und trocken, dass sogar das Vieh leiden musste.

Am 30. September eröffnete Kaiser Wilhelm II. die erste für Kutschen und Fußgänger gebaute Elbbrücke. Diese Stahlbogenbrücke war 474 Meter lang und sorgte auch dafür, dass der "Fernverkehr" auf der Horner Landstraße zurückging. Bis dato war diese Straße nämlich die einzige Verbindung für Pferdefuhrwerke zwischen Hamburg und dem Deutschen Reich südlich der Elbe, die jahrhundertelang erst bei Artlenburg (nahe Lauenburg) überquert werden konnte.

Am 1. Oktober wurde der seit alten Zeiten vom westlichen Dorfrand den Geesthang schräg hinaufführende Hohlerweg in "Rudolphstraße" umbenannt. Zuvor war der ehemals schmale Weg von drei auf sieben Metern verbreitert und gepflastert sowie das Gefälle von 1:18 auf 1:22 verflacht worden. Die Namensänderung war sinnvoll, weil es auch in der Hamburger Neustadt einen Hohlerweg gab. Um doppelte Straßennamen zu vermeiden hatte Hamburg zuvor ein diesbezügliches Gesetz erlassen. Oben auf dem Geesthang verläuft die dort unbebaute Rudolphstraße noch bis zur ehemaligen Fischerstraße, die gleichzeitig auch umbenannt worden war, fortan Morahtstraße heißt. Höhe Bullenkoppel führt der im Zuge seinerzeitiger Baumaßnahmen ebenfalls gepflasterte "Weg 230" (ab 14.5.1914 "Rhiemsweg") zum Horner Weg.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/rudolph.htm

1900

Ab Juni erhielten die Straßenbahnen Liniennummern. Zwischen Horn und Groß-Borstel fuhr jetzt alle zehn Minuten die "24". Sie war mit einem gelben "H" gekennzeichnet, besaß grüne Schilder mit gelber Schrift und ebenfalls grüne Signallaternen.

Verbreiterung der Horner Landstraße auf neun bis elf Meter bei gleichzeitiger Verlegung eines zweiten Straßenbahngleises bis zum "Blohm’s Park". Im Rahmen dieser Maßnahmen wurden auch die alten Straßenlaternen von 1864 durch leuchtstärkere ersetzt, den sogenannten "Hamburger Pfosten". In den Nebenstraßen blieben die alten Laternen aber noch erhalten.

Beim Brücken- und Dammbau für die zukünftige Güterumgehungsbahn entlang der Horn-Hammer Grenze, fand man im Oktober mächtige Eichenstämme des ehemaligen Waldes "Hamme". Einer lag fünf Meter unter der Erdoberfläche und hatte den stattlichen Durchmesser von 1,2 Metern. Die durch den Bahndamm abgeschnittene Ausmündung des Rückerswegs in die Horner Landstraße musste seinerzeit um rund zwanzig Meter nach Westen verlegt werden. Gleiches geschah mit dem "Weg Nr. 282", der "Hohlen Rönne", die man um etwa zwanzig Meter nach Osten verschob. Im Rahmen dieser Baumaßnahmen musste nördlich der Landstraße auch eine Eiche von 4,5 Metern Umfang gefällt werden, doch glücklicherweise stellte sich später heraus, dass der etwa 250 Jahre alte Baum schon hohl war und nur noch wenige Wurzeln besaß.

Bobergerstraße und Steinfurtherstraße wurden in siebzehn Metern Breite privatseitig angelegt (siehe auch 1904).

1901

Umstellung des Thermometers von Réaumur auf Celsius. Um der älteren Generation aber eine Umgewöhnung zu erleichtern, kamen in den Haushalten Thermometer zum Einsatz, die beides anzeigten. Jahrzehntelang hingen diese "Oma-Thermometer" noch in deutschen Wohnzimmern.

Auf seiner Sitzung am 3. Mai beschloss der Horner Bürgerverein, die "Deputation für das Beleuchtungswesen" zu ersuchen, eine Gaslaterne zwischen dem Kirchenweg und der Volksschule aufzustellen. Noch im Sommer wurde dem Gesuch entsprochen. Auf derselben Sitzung beschloss man ferner, die zuständige Stelle zu ersuchen, den Teich bei der alten Schule zuzuschütten. Es handelte sich hier um "Behrmann’s Teich", der Generationen von Kindern später noch Freude bereiten sollte. Wie gut, dass der Antrag des Bürgervereins in diesem Fall nicht erfolgreich war!

Beginn der öffentlichen Stromversorgung (Gleichstrom) durch die "Hamburgischen Electricitäts-Werke".

Im Mai war am Haus Nr. 326 in der Horner Landstraße ein Feuerwehrmelder angebracht worden.

Privatseitiger Ausbau der Schiffbeckerstraße, die in südöstlicher Richtung vom Pagenfelderplatz abzweigte.

Auf einer Sitzung des Horner Bürgervereins am 6. September regte Herr Melzer Hausanschlüsse für elektrische Beleuchtung an. Es sollte jedoch erst einmal festgestellt werden, ob dafür in Horn überhaupt Bedarf bestand.

25. Dezember: Die gegenüber der großen Rennbahntribüne abzweigende Reineckestraße hieß fortan Tribünenweg.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/tribuenenweg.htm

1902

Horn hatte schon mehr als 5.000 Einwohner.

Vom 15.–23. Juni feierte der Hamburger Renn-Club sein 50-jähriges Bestehen mit einem "Jubiläums-Meeting". Derbysieger am 22. Juni wurde "MacDonald", geritten von Jockey Fred Taral.

Der Pagenfelderplatz mit siebzig Metern Durchmesser konnte fertiggestellt werden.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/pagenfelderplatz.htm

Auf Antrag des Horner Bürgervereins hatte die Polizeibehörde bespannten Fuhrwerken ab September verboten, die Brauertwiete zu benutzen. Grund dafür war die Gefahr für Fußgänger, auf diesem schmalen, abschüssigen Weg durch außer Kontrolle geratene Fuhrwerke oder Pferde verletzt zu werden.

Auf einer Sitzung des Horner Bürgervereins am 12. Dezember, führte die wachsende Bevölkerung zu Überlegungen, Nachmittagsklassen einzurichten. Da man aber auch befürchtete, hierdurch könnte es zu Störungen des Familienlebens kommen, beschloss man, die Oberschulbehörde zum Bau einer zweiten Schule zu ersuchen. Auf derselben Sitzung wurde bekannt gegeben, dass die Straßenbahn-Direktion ein Gesuch des Bürgervereins zur Einführung des 5-Minuten-Betriebs abschlägig beschieden hatte. Grund dafür seien die noch bestehenden Weichen. Auch die Bitte um Errichtung von Bedürfnisanstalten für Frauen wurde von der Baudeputation abgelehnt.

1903

30. Mai: Die Straßenbahnlinie 24 fuhr jetzt über Eppendorf nach Groß Borstel.

Vom 14.–22. Juni fanden auf der Horner Rennbahn Galopprennen statt. Höhepunkt war das Deutsche Derby am 21. Juni, als erstmals auch Kaiser Wilhelm II. kam. In den folgenden Jahren besuchte er dann nur noch den Großen Hansa-Preis, weil er anschließend mit seiner Yacht "Hohenzollern" stets weiter zur Kieler Woche fuhr.

Bis 1914 wurde das Kopfsteinpflaster der Horner Landstraße nach und nach durch ein ebeneres Reihenstein-Vergusspflaster ersetzt.

11. August: An der Landstraße Nr. 176 eröffnete August Bejöhr den ersten Blumenladen Horns.

1904

Im April wurde an der Ecke Pagenfelderstraße/Hornerlandstraße ein weiterer Briefkasten aufgestellt.

Am 19. Juni schaute sich das Kaiser-Ehepaar den Großen Hansa-Preis an. Auch in den folgenden Jahren kam Kaiser Wilhelm II. alljährlich zu diesem bedeutenden Rennen am ersten Sonntag der Derby-Woche.

Am 26. Juni erhielt die Steinfurtherstraße (heute "Nedderndorfer Weg") offiziell ihren Namen. Sie verband die Bobergerstraße mit der Horner Landstraße.

Am 3. August wurde der Verein "SV Wacker 04" von Max Zimmermann und seinem Freund Gustav Ortmann gegründet, einer der beiden Ursprungsvereine des heutigen Vereins "SC Vorwärts-Wacker 04". In welchem Horner Lokal diese Gründung stattfand ist bislang nicht bekannt. 1925 zog der Verein ins heutige Billstedt, kehrte 1940 aber wieder zurück nach Horn.

1905

Auf der Sitzung des Horner Bürgervereins am 13. Januar wurde bekannt gegeben, dass die Straßenbahn ab Pfingsten im 5-Minuten-Betrieb nach Schiffbek fahren soll. Bis 1914 war es aber nur ein kleiner Wagen, gezogen von zwei Pferden.

8. Februar: Im "Gasthof zur Rennbahn" von William Hoops gründeten zehn Männer den Hamburg-Horner Turnverein.

Sie auch http://hornertv.tripod.com/vereinsgeschichte.htm

8. März: Der Gesangverein "Felsenburg" veranstaltete an diesem Sonnabend im Festsaal von Hoops' Gasthof ein Konzert. Der instrumentale Teil wurde durch die Kapelle des Husarenregiments Nr. 15 unter vorzüglicher Leitung des Stabstrompeters Paul Sippel ausgeführt. Der Sängerchor unter Leitung seines Dirigenten Herrn Köhler begeisterte die Gäste. Als Solistin erntete Fräulein E. Japsen stürmischen Beifall. Ein flotter Ball beendete den genussreichen Abend.

Verlängerung des zweiten Straßenbahngleises von der Brauertwiete bis zur Höhe späterer Hertogestraße. Ab dieser, fortan "Horner Weiche" genannten Stelle, fuhr die Straßenbahn noch bis 1933 eingleisig.

Etwas nordwestlich des Hofgebäudes der Bauernfamilie Saalfeld am Bauerberg Nr. 25 entstand eine große Kellerei.

8. September: Auf seiner Sitzung beschloss der Horner Bürgerverein, die Baudeputation zu ersuchen, den Bullenteich entweder wieder mit Wasser zu füllen oder ihn zuschütten und begrünen zu lassen.

1906

Mit dem neuen Anbau sah die gleichzeitig auch umgebaute Bauerbergschule jetzt wie eine Lokomotive aus. In dreißig Klassen konnten 800 Kinder unterrichtet werden.

Der Staat übernahm die bislang private Pagenfelderstraße und setzte sie instand.

Das Grundstück des Straßenbahn-Depots an der Horner Landstraße Nr. 283/285 wurde nördlich um 7.800 Quadratmeter vergrößert, um im Jahr darauf eine 42 Meter lange und 28 Meter breite achtgleisige Halle für vierzig Triebwagen sowie eine Werkstatt nebst Lager errichten zu können (siehe auch 1907).

Im April ließ die Familie Hellmers den Scheunenbereich des ehemaligen Hofgebäudes der Bauernfamilie Saalfeld abbrechen. Der südliche Wohnbereich wurde äußerlich leicht verändert und mit einem gleichgroßen Anbau versehen. In Horn sprach man fortan von der Villa Hellmers.

Am 18. Juni (Montag) schrieben die Hamburger Nachrichten: „Seit langem ist es Tradition, dass Kaiser Wilhelm II. auf dem Wege zur Kieler Woche in der festlich geschmückten Hansestadt weilt, um teilzunehmen am großen Pferdesportereignis, dem "Kaiserin-Auguste-Victoria-Jagdrennen" in Horn. Wie an allen Kaisertagen der letzten Jahre, zogen am Sonntag Tausende und Abertausende zu der klassischen Rennbahn am Horner Moor. Mit Mann und  Ross und Wagen marschierte halb Hamburg die Wandsbeker Chaussee entlang und fauchende Automoppels, klapprige Taxameter, elegante Equipagen und gelbe Käsewagen machten die bunteste Reihe. Weiß ist große Mode bei strahlendem Hohenzollernwetter. Der Kaiser, wie immer, in der Uniform der Königs-Ulanen".

1907

Am 7. Mai eröffnete Carl Hagenbeck in Hamburg-Stellingen einen großen Tierpark. Er war die neue Attraktion in der Hansestadt. "Geh’n wir mal zu Hagenbeck" wurde fortan zu einem Begriff und später auch vertont.

Im Sommer war Baubeginn für die Weiße Villa am Bauerberg Nr. 57, in der Doktor med. Paul Robert Schwarze im Frühjahr 1923 eine Praxis eröffnete.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/villa.htm

Die alljährlichen "Verhandlungen zwischen Senat und Bürgerschaft" protokollieren einen Antrag vom 27. September zur Einrichtung einer Badegelegenheit im Horner Moor.

1908

Am Westende des Horner Wegs wurde ein 1.250 großer Kinderspielplatz eingerichtet.

Vom 1. April bis zum 13. Dezember 1910 fuhr in Horn die Straßenbahnlinie 22.

Hermannstal und auch der "Weg 41" erhielten Abwasserkanäle (Siele).

Im Sommer wurde das Horner Moor zur öffentlichen Badeanstalt, mit offener Aus- und Ankleidehalle. Im Eröffnungsjahr zählte der offiziell "Badeplatz Horner Moor" genannte große Teich 91.000 Besucher. Leider durfte im Winter nicht Schlittschuh gelaufen werden, weil der See verpachtet war und von Brauereien etc. abgeeist wurde. Diese billige Eisgewinnung war noch bis in die 1930er Jahre üblich.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/moor.htm

Das "Kaiserin-Auguste-Victoria-Jagdrennen" gewann Leutnant von Baumbach (3. Husaren).

1909

Am 12. Februar ging beim Horner Bürgerverein ein ablehnender Bescheid der Oberpostdirektion bezüglich des beantragten Postamts ein. Auch die Eingabe wegen eines "Bezirksbureaus" war abschlägig beschieden worden.

Hamburg übernahm den "Kaemmerer'schen Park", zuletzt im Besitz von Wilhelm Alexander Rohwer.

In der Nacht vom 24. auf den 25. August brannte an der Horner Landstraße Nr. 108/110 ein großes Hofgebäude ab. Man vermutete Brandstiftung, doch ein Täter konnte nie ermittelt werden. Ausgebrochen war das Feuer im großen Stallbereich, der auch vollständig niederbrannte. Der westlich anschließende Wohnbereich wurde vom lodernden Strohdach ebenfalls erreicht und vernichtet. Lediglich die Fassaden blieben erhalten. Im Frühjahr 1910 wurden alle Brandreste beseitigt. Für Jahrzehnte blieb eine freie Fläche. Das im niedersächsischen Landhausstil anno 1663 von Hinrich Schröder errichtete Bauernhaus galt seinerzeit als ältestes noch erhaltenes in Horn. Seit dem 8.9.1789 gehörte es der Familie Krogmann. Am 6. Juni 1809 hatte Jacob Krogmann den Hof seines Vaters übernommen. Dessen Sohn, ebenfalls ein Jacob, besaß den Hof seit dem 15.3.1828. Vom 13.6.1857 bis zu seinem Tod im Jahre 1889 hieß der Landwirt Peter Wilhelm Krogmann. Letzter Bewirtschafter des Hofes war schließlich sein Sohn Jacob Wilhelm. Vor den Krogmanns war hier seit dem 22. April 1760 fast dreißig Jahre lang Hinrich Rücker Landwirt. Davor wurde der Hof über 160 Jahre von der Familie Schröder bewirtschaftet. Möglicher Hofgründer könnte Jacob Schröder gewesen sein, Besitzer des Geländes seit dem 30.11.1598. Sohn Hinrich übernahm den Hof am 20.4.1631 und ließ dann das noch von Fotos bekannte große Gebäude errichten. Weitere Besitzer waren Jacob Schröder (ab 14.5.1667), Clas Schröder (ab 14.5.1709) und Hans Jacob Schröder (ab 16.5.1738).

Verbreiterung des acht bis zehn Meter breiten Hornerwegs auf zwanzig Meter. Gleichzeitig wurden neue Abwasserkanäle gelegt. Auch die Rennbahnstraße war ab September bis zur Wandsbeker Grenze kanalisiert.

12. November: Zusammen mit dem Hammer Bürgerverein wollte der Horner Bürgerverein die nötigen Schritte unternehmen, damit das elektrische Kabel nach Horn und weiter bis zur Landesgrenze verlegt werden konnte. Ferner wollte man die Verbreiterung der Horner Landstraße zwischen Horner Weiche (Höhe Hertogestraße) und dem Bauerberg energisch anstreben. Besonders die hier im Bogen verlaufende schmale Stelle wurde als sehr gefährlich beschrieben.

1910

Horn hatte 7.785 Einwohner.

Der wöchentliche Durchschnittslohn eines Arbeiters betrug 27 Mark.

Das östlich der Güterbahnbrücke gelegene, etwa 120 Meter lange Teilstück der Hammer Landstraße mit dem Haus Nr. 250, wurde zur Horner Landstraße hinzugezogen.

Auf seiner Nordseite erhielt der Horner Weg einen 4,5 Meter breiten Fußweg nebst Radweg.

Der bereits 1897 gepflasterte "Weg 102", Verbindung zwischen Rennbahnstraße und Pagenfelderplatz, wurde zur Rennbahnstraße hinzugezogen.

0Nachdem Senat und Bürgerschaft im April den Bau einer dreißigklassigen Volksschule für Horn beschlossen hatten, begann man auf dem nördlichen Teil der ehemaligen Bullenkoppel mit den Erdarbeiten. Für die Baukosten waren 479.000 Mark genehmigt worden.

Anmerkung: Das Schulgelände wurde umrandet vom Horner Weg, der Morahtstraße, einem Kleingartengelände und dem Weg Nr. 230.

8. September: Der Sandkamp, eine privatseitig angelegte siebzig Meter lange und siebzehn Meter breite Straße, führte jetzt vom Pagenfelderplatz in nördliche Richtung bis zum heutigen Posteltsweg. Auf westlicher Seite waren viergeschossige Wohnhäuser entstanden, u.a. das von Fotos bekannte Eckhaus am Pagenfelderplatz.

14. Dezember: Neuordnung der Straßenbahnlinien: Die "24" fuhr jetzt von Horn zum Eppendorfer Markt, die "11" über Rathausmarkt nach Langenfelde.

1911

22. Februar: Die privatseitig angelegte Hertogestraße war nun fertiggestellt. Auf östlicher Seite entstanden Großwohnhäuser. Für diese siebzig Meter lange und siebzehn Meter breite Straße musste ein großer alter Teich zugeschüttet werden, vorher die Zierde des schönen Gartens der Familie Wiede.

25. Juni: Das Deutsche Galopp-Derby gewann der österreichische  Fuchshengst "Chilperic" unter Jockey Bernard Carslake. Nach den Renntagen wurde die Holztribüne von 1873 um etwa siebzig Meter versetzt, um eine neue aus Eisenbeton errichten zu können. Gleichzeitig entstanden auch die heute noch existierende Haupttribüne und der Tunnel unter dem Geläuf.

Kopfsteinpflasterung der kleinen Zufahrtstraße zum Horner Moor und Aufhebung des an der Westseite liegenden "Weg 75". Gleichzeitiger Ausbau des Badeplatzes mit Betriebsräumen, einer Futtermauer, überdachter Planke und Laufsteg mit kleinem Aussichtsturm.

Nach Übernahme in staatsseitige Unterhaltung erhielt die Morahtstraße Kleinpflaster.

29, September: Auf einem bis dato unbebauten 4.000 qm großen Areal auf der Westseite der Pagenfelderstraße hatte die Diakonissen- und Heilanstalt Bethesda vom Architekten Max Gerhardt für etwa siebzig alte Frauen das Siechenhaus SALEM errichten lassen. Am 29. September 1911 wurde es feierlich eingeweiht. Nach einer von Herrn Helmcke trefflich geleiteten Motette des Horner Kirchenchores und einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden, Oberlandcsgerichtsrat Blumenbach, hielt Pastor Redlich die Weihrede. Am Ende besichtigten alle das Haus, dessen praktisch und behaglich eingerichtete Räume allgemein sehr befriedigten. Das einst am Holsteinischen Kamp in Barmbek gelegene Siechenhaus war 1868 von Elise Averdieck gegründet worden.

1912

Horn hatte 8.000 Einwohner.

Vom 3. bis 11. Februar herrschte eine Kälte wie seit 50 Jahren nicht mehr. In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar fiel das Thermometer sogar auf minus 28 Grad. Erstmals seit zwanzig Jahren war wieder einmal die Hamburger Binnenalster zugefroren.

24. April: Im Gasthof zur Rennbahn an der Horner Landstraße Nr. 171 wurde der Tennis-Verein von Horn und Hamm gegründet. Zum 1. Vorsitzenden wählte man Heinrich J.E. Hahn und erklärte wenig später Blau-Gelb-Blau zu den Vereinsfarben. Die Mehrzahl der bis zum Jahresende über 100 Mitglieder waren Hammer Anwohner, die den Tennissport bislang auf ihren zahlreich vorhandenen Privatplätzen ausgeübt hatten. In Horn wurde allerdings erst ab Pfingsten 1929 Tennis gespielt. Die Plätze des Vereins nebst Clubhaus mit Platzwartwohnung lagen bis 1928 am Elisabeth-Gehölz in Hamm.

Siehe auch http://www.thc-hornhamm.de

28. April: Mit den Frühjahrsrennen wurden die Neuanlagen auf der Horner Rennbahn eingeweiht. Dazu gehörte neben den beiden großen Tribünen aus Eisenbeton auch ein Tunnel unter dem Geläuf. Die Haupttribüne ist 83 Meter breit, 17 Meter tief und besitzt 3.526 Plätze, davon 2.482 Sitzplätze. In diesem Jahr feierte der "Hamburger Renn-Club" sein 60-jähriges Bestehen.

Gründung des Vereins Schützenbund Horn von 1912 e.V.

10. September: Beerdigung des Hamburger Bürgermeisters Dr. Burchard. Der Schulunterricht fiel aus.

Beginnend an der Wandsbeker Grenze wurde ab Herbst die Rennbahnstraße ausgebaut.

6. Oktober: Am Erntedanktag hielt Pastor Carl Schetelig seine Abschiedspredigt. Zunehmende Gedächtnisschwäche und ein Augenleiden, das später zur Erblindung führte, zwangen ihn schon im Jahr zuvor in den Ruhestand.

14. Oktober: Unterrichtsbeginn an der Volksschule Morahtstraße (siehe auch 1910). Das dreistöckige Gebäude bestand aus zwei eigenständigen Schulen. Die Knabenschule an der Morahtstraße Nr. 4 leitete Friedrich Fischer (41), die Mädchenschule am "Weg 230" (seit 1914 Rhiemsweg) Rudolph Barmm. Schon in den ersten Monaten stieg die Zahl der Kinder auf über eintausend!

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/schulen.htm

16. Oktober: An diesem Mittwoch wurde die wiederhergestellte Große St. Michaeliskirche eingeweiht. Alle Kinder bekamen schulfrei. Der "Michel" war am 3. Juli 1906 niedergebrannt.

10. November: Amtseinführung von Pastor Gustav Krome. Er blieb bis September 1934 in Horn.

29. November: An der Pagenfelderstraße weihte die Diakonissen- und Heilanstalt Bethesda ihr Siechenhaus Salem ein.

1913

Ein Bebauungsvorschlag für den ehemals Kaemmerer’schen Park wurde verworfen, stattdessen beschlossen, den Park sogar noch zu vergrößern.

21. Mai: Eine Feuersbrunst auf Krogmann's Hof an der Horner Landstraße Nr. 110 hat nun auch die beiden großen Nebengebäude des Gutshofes hinweggerafft, dessen aus dem Jahre 1663 stammendes schönes strohgedecktes Hauptgebäude vor vier Jahren eingeäschert wurde. Jenes alte, von gediegenem Wohlstand zeugende Bauernhaus, das inmitten einer zum Teil mit hohen Häusern bebauten Gegend hart an der Straße lag, war in seiner Art eine Sehenswürdigkeit, die den ursprünglich ländlichen Charakter jener Gegend in gewissem Maße aufrecht erhielt. Unweit des alten Bauernhauses stand nun ein großes Wohnhaus, das man gleich auf die künftige Höhe der Horner Landstraße von 9,2 Metern gesetzt hatte, sodass das neue Haus quasi auf einem Hügel steht. Dahinter erstrecken sich die zu dem Gutshof gehörenden weiten Ländereien mit ihren Scheunen und Stallungen. Das Vieh hatte man bei dem diesmaligen Brande in Sicherheit gebracht, doch sind große Erntevorräte und mehrere Fuhrwerke eingeäschert worden. Die eine der beiden Scheunen bildete bald einen flammenden Trümmerhaufen aus glühenden Holzresten und Heubündeln. Der gegenüberstehende massive Schuppen konnte äußerlich gehalten werden, doch der gesamte Inhalt und das Dach verbrannten. Von den Löschzügen unter Kommando des Branddirektors Westphalen und des Brandinspektors Krüger sowie einiger Brandmeister, konnten einige bald nach 13 Uhr wieder abrücken. während die Züge 5 und 6 noch bis nach 17 Uhr beschäftigt blieben. Neun Rohre waren zur Anwendung gekommen. Anscheinend lag wieder Brandstiftung vor. Zwei verdächtige Leute wurden gleich nach Ausbruch des Brandes verhaftet. Es sind der 22-jährige  Maler Wolter und der 23-jährige Arbeiter Pacholl. beide obdachlos. Sie haben nach Ausbruch des Feuers den Hof in größter Eile verlassen, wurden bald darauf aber gefasst, doch bestritten die Täterschaft.

Am 15. Juni feierten die Militärvereine im "Horner Park" das 25-jährige Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II.

18. Oktober: Fackelzug durch Horn anlässlich der hundertjährigen Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig. An den Schulen fiel deshalb der Unterricht aus.

1914 

Die Kinder haben fortan 80 Tage Schulferien im Jahr. Deshalb wurden die Osterferien auf 14 Tage ausgedehnt.

Ab 29. Mai konnte die Straßenbahn bis nach Schiffbek fahren. Endhaltestelle war der "Gasthof zum alten Chausseehause" an der Gabelung Hamburgerstraße/Möllnerlandstraße, den die Bahn dort in einer Schleife umrundete. Entsprechende Gleisbauarbeiten hatten Mitte Februar begonnen. Seitdem die Linie 24 nun alle 10 bzw. 20 Minuten verkehrte, war der kleine Pferde-Omnibus der Firma Koops überflüssig geworden. Von der bisherigen Straßenbahn-Endstation Letzter Heller war dieser von zwei Pferden gezogene Wagen bis dato nach Schiffbek und Kirchsteinbek gefahren.

14. Mai: Der "Weg 230" wurde in Rhiemsweg umbenannt. Theodor Rhiem (1823–1889) war von 1850–1872 Inspektor des Rauhen Hauses.

21. Juni: Kaiser Wilhelm II. besuchte wieder den Großen Hansa-Preis, das bedeutende Pferderennen zum Auftakt der Derby-Woche. Tags zuvor war er zum Stapellauf des Passagier-Dampfers "Bismarck" gekommen.

28. Juni: Endlose Wagenschlangen waren am Sonntag zum Deutschen Galopp-Derby nach Horn gefahren. Die Rennbahn bot wie immer ein glanzvolles Bild. Doch plötzlich war die freudige Stimmung wie weggeblasen. Voller Entsetzen hörte man die Nachricht von der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Frau in Sarajewo. Eine unheilvolle Vorahnung machte sich breit. Die Kapelle, die eben noch flotte Marschweisen intoniert hatte, verstummte. Selbst der Derbysieger Ariel ging ohne Tusch durchs Ziel. Alle verließen die Rennbahn schnell. Nur wenige Wochen später begann der Erste Weltkrieg.

1. August: Eintritt Deutschlands in den Ersten Weltkrieg.

168.600 Badegäste besuchten in den Sommermonaten das Horner Moor.

1915

Im zweiten Kriegsjahr lebten in Horn nur noch 7.578 Einwohner.

27. Januar: Am Geburtstag des Kaisers fiel die Schule aus.

Vom 18. bis zum 20. März hatten die Kinder unterrichtsfrei, denn an den Schulen wurden Brotkarten ausgegeben. Langsam machten sich die Folgen des Krieges bemerkbar.

Die bereits seit sechs Jahren staatseigene ehemalige Villa der Familie Kaemmerer an der Horner Landstraße Nr. 246 wurde zum Bezirksbüro nebst Polizeiwache, der Garten zur öffentlichen Anlage umgestaltet. Auf dem Teich durfte jetzt Schlittschuh gelaufen werden.

Johann Heinrich von Drateln, Bewirtschafter des Großen Pachthofs, starb im Alter von 53 Jahren.

An der westlichen Rennbahnstraße wurde das neue "Prediger-Seminar der Deutschen Baptisten" eingeweiht, gleich links des alten Gebäudes von 1888.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/seminar.htm

1916

25. Juni: Der 20-jährige deutsche Jockeylehrling Otto Schmidt gewann mit "Amorino" des Gestüts Weinberg das Deutsche Derby. Bis 1951 sollte Schmidt das Derby noch sechsmal gewinnen.

1. August: Straßenbahnlinie 11 wurde durch die "13" ersetzt. Sie fuhr jetzt nach Groß Borstel.

25. Dezember: Heftige Weststürme mit erst milder dann nasskalter Luft fegten auch über Hamburg und richteten schwere Schäden an.

1917

Die Bevölkerung hungerte, weil der Krieg große Opfer forderte. Man sprach 1916/1917 auch vom "Steckrübenwinter".

31. Oktober: 400-jähriges Reformationsjubiläum.

1918

11. November: Ende des Ersten Weltkriegs.

1919

Im Mai war beim Horner Moor für 1.400 Mark eine Trinkhalle mit Verkaufspavillon errichtet worden. Das 5 x 3,50 Meter große Häuschen hatte ein rotes Ziegeldach, braune Verschalung, grüne Ständer und weiße Fenster. Bauherr auf dem Grundbesitz von Jacob Wilhelm Krogmann war Heinrich Friedrich Wilhelm Beyerbach aus dem Hermannstal Nr. 67. Im Sommer 1922 ließ er zwei weitere Räume anbauen und das gesamte Objekt von der Baupolizeibehörde als provisorisches Wohnhaus genehmigen. Im März 1926 wurde dann noch für 1.500 Mark eine kleine Gaststube von 4 x 4 Metern angebaut.

Man plante eine U-Bahn von Berliner Tor nach Billstedt, die südlich der Horner Landstraße verlaufen sollte, doch daraus wurde nichts.

1. September: Die Straßenbahnen zwischen Schiffbek und der Stadt erhielten am hinteren Waggon einen 40 x 30 x 12 cm großen gelben Briefkasten, allerdings nur für Telegramme und Eilbriefe. Erst ab Oktober 1925 durften auch normale Briefe eingesteckt werden. Wegen des erhöhten Platzbedarfs waren dafür größere, jetzt blaue Kästen angebracht worden.

Der Durchschnittsstundenlohn im Deutschland der Weimarer Republik betrug 1,91 Mark. Ein Kilo Brot kostete 0,50 Pfennige, 250 Gramm Butter 1,58 Mark und ein Liter Bier 1,01 Mark.

1920

Nach dem "Kapp-Putsch" in Berlin am 13. März riefen der Beamtenbund und die Gewerkschaften zum Generalstreik auf. Für mehrere Tage fiel dann der Schulunterricht aus.

20. März: Horns erster Pastor Carl Johannes Christian Hermann Schetelig starb. Er wurde auf dem alten Hammer Friedhof begraben.

In der Badesaison zählte man im Freibad "Horner Moor" 193.000 männliche und 28.000 weibliche Besucher.

1922

Horn hatte 9.000 Einwohner.

Walther Blohm (1877–1963), Sohn des einstigen Areal-Eigentümers Ludwig Friedrich Blohm, verkaufte seinen Grundbesitz an Claus Hinrichsen.

Am 13. Mai brannte an der Nordwestecke Horner Weg/Rhiemsweg die anno 1844 erbaute sogenannte "Horner Meierei"" ab.

Im Sommer entstanden die ersten beiden Luftaufnahmen von Horn. Es waren noch Schrägbilder aus südlicher Richtung.

1923

Der landwirtschaftliche Betrieb des einst 88 Hektar großen Pachthofs wurde aufgegeben. Wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage nach dem Ersten Weltkrieg parzellierte man die Nutzflächen zu Kleingärten.

Gleich neben der Badeanstalt Horner Moor wurde das Lokal "Zum kleinen Kurhaus" eröffnet. In jenem Sommer gab es eine Hitzewelle und folglich auch viele Besucher.

Weil die Deutsche Turnerschaft nicht wünschte, dass in ihren Vereinen Fußball gespielt wird, sahen sich die fußballbegeisterten Mitglieder des Hamburg-Horner Turnvereins und andere Nichtorganisierte gezwungen, einen eigenen Verein zu gründen, den Hamburg-Horner Sportverein. Seine Vereinsfarben waren blau-weiß. Auf der Gründungsversammlung im Gasthof "Zur Rennbahn" wählte man den Kaufmann Hans Schwartz aus der Hertogestraße Nr. 4 zum 1. Vorsitzenden. Später bildeten sich auch Faust- und Schlagballmannschaften. Im März 1926 gab es schon 250 Vereinsmitglieder. In der hellen Jahreszeit trainierte man jeden Mittwoch von 18–21 Uhr auf der sogenannten Schweineweide am nördlichen Bauerberg.

Am 29. Oktober um 20 begann der Rundfunk in Deutschland mit einem einstündigen Konzertprogramm aus dem Haus der Berliner Schallplattenfirma "Vox" an der Potsdamer Straße.

1924

Der Januar war sehr kalt, bis zu minus 18 Grad.

Gründung des Frauenchors "Concento", der noch nach der Jahrtausendwende existierte.

Der bekannte Heimatmaler Hermann Haase erhielt vom Museum für Hamburgische Geschichte den Auftrag, alte Baulichkeiten aus der Horner Dorfzeit zu aquarellieren. Maßstabsgenauigkeit und Liebe zum Detail machten seine Bilder zu kostbaren Dokumenten einer Zeit, in der allgemein noch keine Farbfotos möglich waren. Haase, Angestellter des Museums für Kunst und Gewerbe, wohnte an der Straße Wolfshagen Nr. 18 in Hamburg-Hamm. Im Jahre 1924 malte er übrigens nur ein Bild. Es war die alte Kate "Rauhes Haus". Bis 1928 entstanden 14 weitere Aquarelle.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/haase.htm

1925

4. März: Beisetzung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Der Unterricht an den Schulen fiel aus.

12. Mai: Reichspräsident Hindenburg wurde in sein Amt eingeführt. Der Unterricht an den Schulen fiel aus.

26. Mai: Die Straßenbahnlinie 13 fuhr nun nicht mehr nach Groß Borstel sondern nach Bahrenfeld.

Große Dürre im Juli. Bei Temperaturen von 32 Grad fiel das Obst unreif von den Bäumen. Schon Anfang Dezember jedoch lag Schnee.

14. November: Seit 8:30 Uhr leuchtete an der Kreuzung Mönckebergstraße/Glockengießerwall die erste elektrische Verkehrsampel Hamburgs. Anwesend waren Polizeipräsident Hugo Campe und Vertreter der Presse.

1926

Der "Kaemmerer’sche Park" wurde wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Noch war die weite grüne Fläche des Brooks südlich der Landstraße bis zur Bille ein Erholungsplatz für hunderte Horner Bürger. Auf dem fruchtbaren Ackerboden ernteten sie Obst und Gemüse, und im Winter konnten ihre Sprösslinge auf der "Mitwender" und anderen Gräben Schlittschuh laufen.

15. Oktober: An diesem Sonntag präsentierte der "Tennis-Verein von Horn und Hamm" auf dem Sportplatz an der Rennbahnstraße erstmals seine neugegründete Hockey-Abteilung.

Im Deutschen Reich zählte man in jenem Jahr 206.000 Personen- und 90.000 Lastkraftwagen.

1927

Als Bebauungsvoraussetzung begannen im März die Aufhöhungsarbeiten in der Marsch. Sie waren schon vor dem Ersten Weltkrieg geplant, konnten dann aber wegen Kriegsausbruchs und den schweren Jahren danach nicht begonnen werden. Bis zum Juli wurden etwa achthunderttausend Kubikmeter Boden bewegt. Ununterbrochen brachten die Feldbahnzüge der Firma "Polensky & Zöllner" mit den modernen Krupp’schen Kippwagen die Erdmassen von Öjendorf nach Horn. Gleich östlich des Straßenbahndepots hatte man dafür eine Eisenbahnbrücke über die Horner Landstraße errichtet. Der ganze Stadtteil schien im Umbruch, denn auch nördlich der Landstraße wurde überall Erdreich bewegt, entstanden neue Straßen und Wohnblöcke. Der Heimatkundler und Lehrer Adolf Diersen sprach von der "Horner Sandbahn", doch allgemein setzte sich der Begriff "Polensky-Bahn" durch. Nach Beendigung der Aufhöhungsarbeiten wurde die Brücke Mitte Juli 1932 beseitigt. Um schneller voranzukommen, hatte man einfach die Pfeiler gesprengt.

Am 8. Juli fasste Preußen seine Gemeinden im Umland von Hamburg zu größeren und damit gegenüber der Hansestadt konkurrenzfähigeren Einheiten zusammen.

11. August: Eröffnung der ersten Großtankstelle in Hamburg an der Hudtwalckerstraße. Betrieben wurde sie von der "DAPOLIN".

15. September: Von Schiffbek kommend, fuhr die Straßenbahnlinie 31 über Horn und die Innenstadt nach Bahrenfeld.

16. September: Die Gemeinderäte von Schiffbek, Öjendorf und Kirchsteinbek beschlossen, sich als "Billstedt" zu vereinigen, weil sich Schulwesen, Bebauungspläne und öffentliche Versorgung so besser bewältigen ließen. Die drei Dörfer mit seinerzeit 11.617 Einwohnern bestanden aus einer Fläche von 1.617 Hektar.

1928

Horn hatte 9.676 Einwohner.

Im Frühjahr beauftragte Professor Stettiner vom Denkmalschutzamt den Fotografen Hugo Lindenhoven, das alte Horn mit seinen Strohdachkaten und ehemaligen Patrizierhäusern zu fotografieren. Stettiner hatte bereits Jahre zuvor dem bekannten Vierlanden- und Kunstmaler Hermann Haase einen ähnlichen Auftrag erteilt.

Die im Dezember 1832 als "Hochzeitsbaum" gepflanzte Blutbuche am Bauerberg Nr. 25 wurde unter Naturschutz gestellt. Nach dem Denkmal- und Naturschutzgesetz von 1920 galt sie fortan als ein besonders charakteristisches Gebilde der heimatlichen Natur.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/blutbuche.htm

Am Pagenfelder Platz (Ecke Sandkamp) errichtete die "Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft" eine Tankstelle des Typs "Dapolin-Pumpanlage B10".

21. August: Claus Hinrichsen verkaufte das als "Blohm’s Park" bekannte Gelände an Hamburg.

Im Spätsommer hatte man beschlossen, eine neue Straße Horns nach der Freiheitskämpferin Anna Lühring zu benennen.

Im Straßenbaubereich Horner Landstraße, Höhe Hertogestraße, wurde am 27. September die Straßenbahn bei Anfahrt an einen Erdhügel aus den Schienen gehoben. Dadurch stauten sich etliche Züge auf der Horner Landstraße.

1. November: Die Straßenbahnlinie 13 fuhr fortan nach Hochrad (Othmarschen). Außerdem verkehrten auf der Horner Landstraße noch die Linien 24 und 31.

1929

Über 11.000 Menschen lebten in Horn.

Der Winter in Deutschland war sehr kalt. Sogar der Rhein fror zu. Am 11. Februar fiel das Thermometer in Hamburg auf 21,1 Grad unter Null. Wenige Tage später konnte die gefrorene Alster zum Begehen freigegeben werden.

Die beiden ältesten noch erhaltenen Bauernhäuser, vermutlich aus dem Jahre 1665, wurden Ende März abgebrochen. Der Strohdachkaten am Bauerberg Nr. 15 musste der neu angelegten Straße "Beim Rauhen Hause" weichen, der Hirtenkaten am Bauerberg Nr. 46 dagegen war lediglich unbewohnbar geworden. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen waren wohl keine Mittel vorhanden, dieses historische Haus zu retten. Zwei der ehemaligen Hirten sind übrigens noch bekannt und zwar Jürgen Jacob Wöhlke (1762) und Hartwig Böting (1769).

19. Mai: An diesem Pfingstsonntag weihte der Tennis-Verein von Horn und Hamm seine sechs neuen Plätze und einen Hockeyplatz ein. Das von der Stadt Hamburg gepachtete 16.000 große Gelände lag am Weg Nr. 41 (heute Stoltenstraße).

Am 19. Juni stimmte die Hamburger Bürgerschaft dem Antrag des Senats zu, an der neuen Straße "Beim Pachthof" eine dreißigklassige Volksschule errichten zu wollen. Mit dem Abbruch der alten Turnhalle, die dem geplanten Nordflügel der Schule im Wege stand, begannen im Herbst die ersten Baumaßnahmen. Da die Schüler nun für viele Monate keine eigene Turnhalle mehr besaßen, erhielten sie vom Staat für tausend Mark vier Faltboote, die am Billbrookdeich in einem Bootshaus untergebracht und von dortiger Schule mitbenutzt wurden. Auch der Hamburg-Horner Turnverein besaß seitdem eine "Faltbootgruppe".

Im Juli erhielten viele projektierte aber auch schon neuangelegte Straßen ihre Namen: Sievekingsallee, Washingtonallee, Anna-Lühring-Weg, Am Gojenboom, Bei den Zelten, Beim Hirtenkaten, Beim Pachthof, Bei der Martinskirche, Scheteligsweg, O’Swaldstraße, Dunckersweg, Stengelestraße, Weddestraße, Von-Elm-Weg, Posteltsweg, Helma-Steinbach-Weg, Vierbergen, Legienstraße, Snitgerreihe, Beim Rauhen Hause, Kernbek, Hennigsweg, Bömelburgweg und Grosseweg. Noch im selben Jahr kommen der Blosweg, die Sebastiangasse, Hasencleverstraße und Kroogblöcke hinzu. Die meisten dieser neuen Straßen blieben jedoch bis zum Ende der Weimarer Republik wegen Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit unbebaut. Erst ab Mitte 1933 entstanden wieder zahlreiche neue Wohnblöcke.

1930

Ab Januar wurde der Sandkamp bis zum Hermannstal erweitert.

Die dreistöckigen Wohnhäuser des Blocks Beim Pachthof/Rennbahnstraße/Beim Hirtenkaten konnten bezogen werden.

Am 1. Juli erhielt Horn seine kirchliche Selbstständigkeit. Bisher war es die "Kirchengemeinde Hamm und Horn".

25 Jahre Hamburg-Horner Turnverein: Angeführt vom Trommler- und Pfeiferkorps unter der Leitung des Büroangestellten Paul Grasmeyer zogen alle Abteilungen auf regennassen Straßen durch Horn. Die neue Faltbootgruppe trug ein über den Toppen geflaggtes Boot mit sich. Vom Vereinslokal am Bauerberg ging es über den Horner Weg, die Morahtstraße und den Geesthang hinunter zur Hammer Grenze. Die Horner Landstraße entlang bewegte sich der Festzug dann bis zur Pagenfelderstraße und schließlich hinauf zur Rennbahnstraße. Ziel war das große Sportgelände gegenüber der alten Holztribüne. Hier zeigten am Nachmittag alle Abteilungen einen Querschnitt ihrer Arbeit.

1931

Im Frühjahr wurden vor dem neuen Postamt und am Pagenfelderplatz Horns erste öffentliche Telefonzellen errichtet.

Am 2. März hielt Heimatforscher und Lehrer Adolf Diersen einen Vortrag und zeigte "Bilder aus dem verschwindenden alten Horn".

Am 30. April wurde die Endstation der Linie 13 von Horn an die Schurzallee nach Hamm verlegt.

Mitte Mai konnte die Schiffbekerstraße, im Juni die Sievekingsallee fertiggestellt werden. Seit Sommer wurde der nördliche Teil des Bauerbergs als Alter Bauerberg bezeichnet.

Im Zuge südlicher Straßenverbreiterung musste an der Horner Landstraße Nr. 164 eine "tausendjährige" Eibe gefällt werden, die sich danach aber als mindestens 300 Jahre jünger herausstellte. Zumindest war sie der älteste Baum der Umgebung, zierte den Gartenbereich hinter dem "Gesellschaftshaus Felsenburg".

Die Schule an der Straße "Beim Pachthof" war nun äußerlich fertiggestellt.

Ab 16. Dezember fuhr die Straßenbahnlinie 16 jetzt von Billstedt über Mönckebergstraße nach Stellingen.

1932

Nach den Osterferien zogen die ersten vier Klassen in die neuerrichtete Schule an der Straße "Beim Pachthof".

9. Juni: Gründung des Kleingartenvereins 142 "Horner Marsch", mit bald über eintausend Parzellen der größte Europas.

Die neuangelegte Sievekingsallee erhielt als erste Horner Straße elektrische Beleuchtung. Hier fuhr ab dem 18. Juni die Straßenbahnlinie 17 von der Endhaltestelle Horner Rennbahn über Bürgerweide und Mönckebergstraße bis nach Langenfelde.

1933

17.628 Menschen lebten in Horn. Am 24. März entstanden drei Luftbilder vom Stadtteil.

Nach den Osterferien zogen alle Klassen in den Schulneubau "Beim Pachthof". In Nr. 15 wurden Knaben, in Nr. 17 die Mädchen unterrichtet.

Unter Vorsitz von Johann Adolph Behnke hielt der Grundeigentümerverein für Horn und Umgegend seine Mai-Versammlung in der Horner Meierei ab. Wie schlecht die Wegeverhältnisse in Horn sind, bewies die sehr lebhafte Aussprache hierüber. Es gab Beschwerden wegen der schlechten Beschaffenheit der Plätze an der Hornerlandstraße gegenüber dem Bauerberg und des großen Platzes Bei der Martinskirche/Scheteligsweg. Beide Areale müssten eingefriedigt und besamt werden, da die Kinder hier schon große Gruben gegraben hatten, und der aufgewühlte Sand bei jedem Windstoß über die Straße fegte. Sowohl Anwohner als auch Passanten fühlten sich dadurch arg belästigt. Ferner wurde beschlossen, dem Sielwesen zu melden, dass die Siele Ecke Pagenfelderstraße/Bobergerstraße bei starken Regenfällen nicht in der Lage sind, das Wasser zu schlucken.

Nach den Plänen des Architekten Carl Wienand entstanden im Straßenviereck Hermannstal-Legienstraße-Helma-Steinbach-Weg und Vierbergen die ersten zweigeschossigen Zeilenhäuser der Riedsiedlung. Bis 1939 wurden auf diesem 8,13 Hektar großen Areal 538 Wohnungen für eintausend Menschen errichtet. Mit der neuen Siedlung verschwanden drei alte Straßen und ihre Namen. Die jetzt neuen Straßen heißen Riedweg, Riedstieg, Im Ried, Riedeck und Riedgrund.

1934

Im Frühjahr begannen die Bauarbeiten an der Autobahn Hamburg-Lübeck.

Der "Blohm’s Park" wurde für die Öffentlichkeit hergerichtet, war mit Freilichtbühne und zwei großen Rasenflächen bald ein Ort für Freizeit, Kultur und Sport.

Am 28. August fand die offizielle Einweihung der neuen Schule an der Straße "Beim Pachthof" statt. Sie erhielt den Namen Ostlandschule.

Am 1. Oktober übernahm der aus Thüringen stammende Kurt Schöppe die Horner Pfarrstelle.

Ab 16. Oktober fuhr die Linie 24 nicht mehr von "Letzter Heller", sondern von der Endhaltestelle "Horner Rennbahn" nach Eppendorf.

Rechts neben dem Treppenhaus am Bauerberg Nr. 2 führte seit November ein Gang zum ersten Horner Kino, das sich in einem rückseitigen Gebäude hinter den Hausnummern 2, 4 und 6 befand. Die Derby-Lichtspiele von Fritz Rose boten 420 Besuchern Platz. Die Bühne war mit ihren acht Quadratmetern jedoch zu klein für die seinerzeit beliebten artistischen Darbietungen im Vorprogramm.

Siehe auch http://hornertv.tripod.com/deli.htm

1935

Mit einem Festumzug durch den Stadtteil feierte der "Hamburg-Horner Turnverein" sein 30-jähriges Bestehen.

Die schon Jahre dauernden Arbeiten an der südlichen Verbreiterung der Horner Landstraße fanden im November ihren vorläufigen Abschluss, nachdem als letztes Haus das des Bäckers Carl Julius Bösenberg abgebrochen worden war.

1936

Im Frühjahr musste das Prediger-Seminar von 1887 dem Bau der Autobahn nach Lübeck weichen. Die Abbrucharbeiten dauerten bis zum 5. März. Raumersatz boten bald drei große neue Gebäude, die am 3. September 1936 ihrer Bestimmung übergeben wurden.

Am 24. März um 19:30 Uhr brannte auf dem Gelände des Rauhen Hauses das 1835 errichtete "Haus Tanne". Im Hornerweg hatten sich viele hundert Zuschauer eingefunden, die den Verlauf des Brandes und die eineinhalb Stunden dauernden Löscharbeiten der Feuerwehr interessiert verfolgten. Polizeibeamte sorgten in Zusammenarbeit mit schnell alarmierten SA-Männern vom Sturm 4/15 für die nötige Absperrung und die Umleitung des Autoverkehrs. Das alte Strohdachhauses brannte bis zum Erdgeschoss aus, doch zahlreiches Inventar konnte gerettet werden.

Der Horner Park erhielt im Frühjahr an der Horner Landstraße ein Toilettenhäuschen, das noch heute steht, jedoch schon Jahrzehnte nicht mehr als solches genutzt wird.

20. Oktober: Die Straßenbahnlinie 2 fuhr zukünftig von der Horner Rennbahn nach Lokstedt.

11. November: Das 50-jährige Jubiläum der Martinskirche fand im großen Saal des Horner Gesellschaftshauses beim Letzten Heller statt.

1937

Am 1. April trat das Groß-Hamburg-Gesetz vom 26. Januar in Kraft. Das Hamburger Staatsgebiet verdoppelte sich fast von 41.500 auf 74.700 Hektar, die Bevölkerungszahl stieg um 41 Prozent von 1.192862 auf 1.681187 Millionen.

Am 13. Mai gegen 17 Uhr näherte sich Lübeck eine aus Hamburg kommende Wagenkolonne mit örtlicher und überregionaler NS-Prominenz. Neben dem Lübecker Oberbürgermeister Drechsler und Reichsstatthalter Karl Kaufmann aus Hamburg war auch der Generalinspektor des deutschen Straßenwesens Fritz Todt dabei. Es folgen etliche Reisebusse mit Arbeitern, die an den Bauarbeiten mitgewirkt hatten. Sie wurden entlang der neuen Autobahn und den Zufahrtsstraßen von einer großen Menschenmenge bejubelt. Im März 1934 hatte man mit dem Bau der 58 km langen Strecke Hamburg-Lübeck begonnen. Jede Zementfahrbahn war 7,50 Meter breit, die Gesamt-Trasse 24 Meter.

14. Juni: Die "Hamburger Nachrichten" meldeten, dass der auf Horner Gebiet liegende Weg Nr. 200, der die Grenze zwischen Wandsbek und Hamburg bildet, demnächst wegen des Reichsautobahnbaus aufgehoben wird. Eine Erhaltung des Weges ist leider aus technischen Gründen nicht durchführbar.

1938

Der in Horn beliebte jüdische Arzt Dr. med. Albert Zloczower (*22.2.1901) zog in die USA. Grund dafür war ein zunehmender politischer Druck und die ab 30. September geltende Verordnung, allen jüdischen Ärzten ihre Approbation zu entziehen. Nach Aussage seiner ehemaligen Patientinnen Maria Ertel und Marion Langhein äußerten sich seinerzeit viele Menschen betroffen. Vor zehn Jahren hatte Zloczower seine Praxis im Erdgeschoss eines neu errichteten Großwohnhauses an der Horner Landstraße Nr. 201 eröffnet.

1939

1. Januar: Straßennamen wurden fortan nicht mehr in einem Wort, sondern getrennt geschrieben, Hornerlandstraße also "Horner Landstraße". Gleiches galt für Hornerweg, Pagenfelderstraße und viele andere. Mit Personennamen verbotene Alleen, Straßen und Wege jedoch behielten ihre ursprüngliche Schreibweise: Sievekingsallee, Washingtonallee, Hertogestraße, Legienstraße, Dunckersweg, Rhiemsweg oder auch Hermannstal.

22. Januar: Mit einem Festgottesdienst wurde das Gemeindehauses der Martinskirche eingeweiht. Die Festpredigt hielt Pastor Schopp, die Weiherede im Gemeindehaus Oberkirchenrat Drechsler.

Im Mai wurden 23.370 Einwohner gezählt.

1. September: Beginn des Zweiten Weltkriegs.

1940

13. Februar: Im bisher kältesten in Hamburg registrierten Winter fiel das Thermometer auf minus 29,1 Grad.

Ab April konnte man mit der Straßenbahnlinie 28 von Billstedt über Winterhude nach Ohlsdorf fahren.

Am 18. Mai begann auch für Hamburg der Bombenkrieg. Um 0.28 Uhr drangen 48 Kampfflugzeuge der Royal Air Force in den Luftraum der Hansestadt ein. Über Altona, St. Pauli, dem Hafen und Harburg klinkten sie 400 Brand- und 80 Sprengbomben aus. Häuser und Schuppen gingen in Flammen auf, 34 Menschen starben, 72 wurden verletzt. Weitere Angriffe erfolgten am 7. Juni (24 Bomber), am 20. und 30 Juni, am 5. und 9. August sowie am 22. Oktober (20 Bomber), am 16. November (67), am 17. November (130) und am 25. November (42). Noch aber gehörte Horn nicht zu den Zielgebieten.

3. Oktober: Zum Schutz vor Bombenangriffen wurden die Schulkinder im Rahmen der Kinderlandverschickung fortan in andere Regionen gebracht und dort unterrichtet.

1941

In der Nacht vom 13. auf den 14. März flog die Royal Air Force mit 139 Bombern ihren ersten Doppelangriff auf Hamburg. Von 23:12 bis 2:40 Uhr und dann nochmals ab 4:10 Uhr fielen 300 bis 400 Brand- und 20 Sprengbomben, fast allesamt auf die Werft "Blohm & Voss". Weitere größer Luftangriffe fanden statt am 27. April (50 Bomber), am 3. Mai (95), am 7. Mai (115), am 9. Mai (188), am 11. Mai (119),  am 12. Mai (92), am 30. Juni (28), am 17. Juli (107), am 3. August (80), am 9. August (44), am 16. September (169), am 30. September (93), am 1. Oktober (82), am 27. Oktober (115), am 31. Oktober (123), am 10. November (103) und am 30. November (181 Bomber). Bei mindestens einem dieser Angriffe fielen auch Bomben auf Horn, so im Sommer, als das Haus am Bauerberg Nr. 55 getroffen wurde und es unbewohnbar machte. Bei insgesamt 42 Luftangriffen auf Hamburg starben in diesem Jahr 626 Menschen, 1959 wurden verletzt.

1942

27. Juli: Die Royal Air Force flog ihren 122. und bis dato schwersten Luftangriff, wobei nur 304 der 403 gestarteten Maschinen Hamburg erreichten, weil das Wetter im Abfluggebiet sehr schlecht war. Von 0:43 bis 2:07 Uhr fielen dann 724 Tonnen Bomben auf die Stadt, davon 31 Minenbomben, 588 Sprengbomben, 68.000 Stabbrandbomben und 1.600 Phosphorbrandbomben. Die Schäden waren verheerend. Mehr als 800 Häuser wurden zerstört und über 5.000 beschädigt, in Horn vor allem Großwohnhäuser an der Washingtonallee und am Hermannstal. Insgesamt wurden 337 Menschen getötet, etwa 1.000 verletzt und etwa 14.000 hatten kein Dach mehr über dem Kopf. Während des Angriffs tobte am Himmel ein erbitterter Kampf der Nachtjäger und der am Boden stationierten Flak-Geschütze gegen den Bomberverband, wobei die Royal Air Force 29 Flugzeuge verlor. Weitere schwere Angriffe fanden statt am 9. April 1942 (272 Bomber), am 18. April (173), am 4. Mai  (81), am 29. Juli (256) und am 10. November mit 213 Bombern. Bis Ende des Jahres waren in Hamburg 1.194 Menschen seit den ersten Luftangriffen ums Leben gekommen.

1943

Seit dem 2. Februar wurden rund um Hamburg 15 bis 17 Jahre alte Schüler als Flakhelfer eingesetzt. Schon am 4. Februar erfolgte mit 263 Bombern der erste schwere Luftangriff des Jahres, bei dem sich die Jungen "bewähren" konnten. Ein weiterer schwerer Angriff mit 417 Flugzeugen folgte am 4. März.

14. Juli bis 31. August: Sommerferien in Hamburg.

Mit dem Großangriff am 25. Juli begann die angloamerikanische "Operation Gomorrha", bei der 791 Flugzeuge zum Einsatz kamen, deren Bomben 1.500 Menschen töteten. In Horn wurde das Gemeindehaus zerstört und auch auf die Martinskirche fielen Brandbomben. Sie wäre wohl niedergebrannt, hätte es da nicht den 70-jährigen Kirchendiener August Antholz gegeben, der während des Angriffs die einfallenden Brandbomben löschen konnte. Dennoch waren schwere Schäden vor allem an Gestühl und Orgel entstanden. Nach notdürftiger Wiederherrichtung  konnte am 7. November ein schlichter Gottesdienst stattfinden, den jedoch nur 13 Personen besuchten. Die Gesänge mussten von einem zur Verfügung gestellten Klavier begleitet werden.

28. Juli:  Ab 1 Uhr morgens wurde u.a. Horn zum Zielgebiet von 739 Flugzeugen. Alle alten Bauernhäuser brannten nieder und nur wenige Gebäude überstanden das Inferno. Dazu gehörten u.a. die beiden großen Schulen, die Warteschule am Bauerberg, die Martinskirche, wenige Großwohnhäuser und Gebäude auf dem Gelände des Rauhen Hauses.

Die "Operation Gomorrha" endete in den frühen Morgenstunden des 3. Augusts, als 740 Flugzeuge die Hansestadt anflogen. Wegen starker Gewitter fielen die Bomben jedoch nur verstreut auf das Stadtgebiet und hielten folglich die Schäden in Grenzen. Bis zum 30. November fand man 31.647 Tote, doch die wahre Zahl der Opfer wird höher gewesen sein. Der letzte schwere Angriff des Jahres fand am 13. Dezember statt, als 115 Flugzeuge die Stadt angriffen.

1944

Die schwersten Luftangriffe des Jahres fanden statt am 18. Juni 1944 (522 Flugzeuge), am 20. Juni (512), am 29. Juli (307), am 4. und 6. August (445), am 6. Oktober (406), am 25. Oktober (596), am  4. und 6. November (238), am 21. November (366) sowie am 31. Dezember (526 Flugzeuge).

1945

Die schwersten Luftangriffe des Jahres fanden statt am 17. Januar (225 Flugzeuge), am 24. Februar (348) sowie in der Zeit vom 5. bis 11. März (vier Angriffe mit über eintausend Flugzeugen). Weitere Angriffe vor Kriegsende erfolgten noch am 20. März (282), am 31. März (469) und am 9. April. Bei diesem letzten Angriff kamen 440 Flugzeuge zum Einsatz, deren Bomben 292 Menschen das Leben kosteten.

 

Als Generalmajor Alwin Wolz die Stadt am 3. Mai um 18:25 Uhr an den britischen Brigadegeneral Douglas Spurling übergab, war der Krieg für Hamburg beendet. Es begann für Deutschland und viele Staaten Europas die längste Friedenszeit der Geschichte.


 

Zeugen der Horner Dorfzeit sind heute nur noch das 1834 errichtete "Haus Tanne" auf dem Gelände des Rauhen Hauses sowie einige dort und im Blohm’s Park stehende Eichen und Blutbuchen. Kaum jemand ahnt, dass auch zwei Linden beim Parkplatz des Penny-Markts am Bauerberg schon aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts stammen. Von den einst zahlreichen dorfeigenen Tümpeln und Teichen existiert heute nur noch das "Horner Moor".


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